Wird's Küh-ler?

Immer das gleiche: Die Konkurrenz verbockt den einfachsten Job, und wir vom Bagger können es dann ausbaden. Letzthin haben die doch im ganzen Land Salzburg so Wetterkarten am Straßenrand aufgehängt – und unsere Salzburger Leser fürchten sich jetzt, es könnte empfindlich kühler werden. Manche sehen gar schon eine große Ladung braunen Morast die Straßen überfluten, und sich selber knietief drin.
In Wirklichkeit natürlich gar kein Anlaß zur Besorgnis. Der Himmel bleibt blau. Blau, blau blüht der Zwetschkerne, und so.
Sehen Sie, das ist sie: Die Wetterkarte.

Der Ausdruck “reinrassig” bezieht sich selbstverständlich nur auf das Rindvieh im Hintergrund rechts. Das andre… ich meine, der Kandidat ist ja vielleicht gar nicht reinrassig. Eventuell hat er eine Tante im steirischen Salzkammergut, oder einen Wahlonkel im Mühlviertel oder wo. Zu “echt” erübrigt sich sowieso jeder Kommentar. Jedermann kann sehen, daß es ein echtes Rindvieh ist!
Das Wort “Knechtschaft” wurde völlig zu Unrecht mit G. Feders Buchtitel von der “Brechung der Zinsknechtschaft” assoziiert. Kühe, wie jedes Kind weiß, haben überhaupt keine Federn.
Daß in dem Wort “reinrassig” zufällig zwei S beinander stehen, ist eben eine Eigenheit der deutschen Orthographie. Vor ungefähr 120 Jahren hätten wir noch ohne weiters “reinraßig” schreiben können. An der blossen Kombination von S und S ist überhaupt nichts Anrüchiges; sie kommt in vielen alltäglichen, reinr… äh, rein deutschen Vokabeln vor, wie “HaSSprediger”, “BullenbeiSSer” und dem verbreiteten Familiennamen KüSSel sowie anderen Wörtern, die sich darauf reimen, etwa “HimmelsschlüSSel”.
Seit über 60 Jahren hat niemand in Österreich das Wort “reinrassig” für politische Reklame benutzt? Erstens ist das nicht wahr, Sie waren nur bei keinen politischen Treffen mit Presseausschluß. Und dann – da können Sie sehen, wie originell die Idee ist!
Daß es sich um ein Fleckvieh handelt und nicht um die in Salzburg beliebteren Pinzgauer, hat absolut nichts damit zu tun, daß das Vieh braun ist. Erst einmal ist es gar nicht braun – so farbenblind wird man ja wohl nur durch fortgesetzte linkslinke Propaganda, daß man alles, was nicht tiefrot ist, gleich für braun hält! Es handelt sich um eine schiere Kampfmaßnahme gegen die Benachteiligung des Fleckviehs. Mitschüler, ja manchmal sogar Lehrer diskriminieren herzlos das Fleckvieh, d. h. die unterprivilegierte Varietät von Schülern, deren Leistungen häufig mit “Nicht Genügend” (vulgo “Fleck”) bewertet werden müssen – nicht zuletzt gerade durch Fleckverteilen. Da ist es doch nur gerecht, wenn so ein Fleckvieh auch einmal auf ein Plakat kommt! Intellektuelle Unterlegenheit hin oder her – Hauptsache, es ist ein reinrassiges, echtes Fleckvieh.
Im übrigen ist die Kuh nicht nur nicht braun, sondern es ist sogar fraglich, ob es sich überhaupt um eine Kuh handelt. Wir halten nichts von Kuhhandel. Und wer weiß, ob es überhaupt wirklich Kühe gibt. Eventuell handelt es sich bei ihnen um eine Verschwörungstheorie.

Darum: Glauben Sie den Linken nicht alles. Die liberal gesinnten Vertreter der politischen Mitte haben häufig recht, sehr recht sogar. Ganz, ganz recht. Die braune Kuh, falls es denn eine ist, steht ja auch rechts auf dem Plakat, und nicht der Kandidat! Wenn man es nämlich von vorne anschaut, aus der Sicht des Rindviehs ist natürlich wieder alles anders.
Wirklich, die Leute mit der rechten Gesinnung sagen immer wieder mal die Wahrheit. Besonders übers Wetter. Da weiß ich von einem Wiener Zahntechniker, der hat unlängst gesagt, es regnet. Da hab’ ich, mißtrauisch wie ich bin, beim Fenster hinausgeschaut, und – na, wer sagt’s denn! Es hat wirklich geregnet!

Kommentare

wäre ich doch auch

wäre ich doch auch reinrassig und echt.
und dieses subtile grau zwischen "reinrassig" und "echt"- .... als theoretischer kunsthistoriker ohne beruf und berufung frage ich mich was wohl dieses grau sagen will.

otto schenk hat ja einmal

otto schenk hat ja einmal gesagt, daß es einen reinrassigen komiker nicht geben kann... aber vielleicht sind satiriker eine eigene rasse? und erst recht perserkatzen.

komiker sind mir zu traurig,

komiker sind mir zu traurig, perserkatzen zu arrogant, erst recht deutsche schäferhunde.

wobei zu dem teil von dir :
"An der blossen Kombination von S und S ist überhaupt nichts Anrüchiges; sie kommt in vielen alltäglichen, reinr… äh, rein deutschen Vokabeln vor, wie “HaSSprediger”, “BullenbeiSSer” und dem verbreiteten Familiennamen KüSSel sowie anderen Wörtern, die sich darauf reimen, etwa “HimmelsschlüSSel”. --> fallen mir noch zwei wertvolle wörter ein: "verschiSSen" und "beschiSSen"

yeah!

und in "HimmelSSchlüSSel" sind sogar zwei SS :-)

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