Wo ist bloss die frau Haselbach?

frau haselbach

Auszug aus einem Kriminalroman an dem der Autor gescheitert ist, aber ein wenig Alkohol, ein wenig Drogen und wer weiß? Vielleicht werdens ja mal die Brüder Karamasoff. Der Autor schämt sich für diesen Vergleich.

Frau Haselbach war gerade 83 Jahre alt geworden, und dabei immer noch sehr rüstig. Sie stand jeden Morgen um etwa sieben Uhr auf und legte sich um elf am Abend schlafen. Rhythmus war wichtig in ihrem Leben, und sie versteifte sich mit zunehmenden Alter darauf, einen exakten Tagesablauf einzuhalten. Frau Haselbach war überzeugt, dies wäre der Grund für ein langes, gesundes Leben.

Die alte Dame war auch ansonsten ein Mensch von festen Regeln, sie trat niemandem auf die Füße, und war deswegen auch nicht unbeliebt, vor allem auch aufgrund der Hilfsbereitschaft, die sie anderen Menschen zukommen ließ. Frau Haselbach war Mitglied der Kirchengruppe Fünfhaus, und jeden Sonntag ging sie andächtig zur Messe in der Kirche am Vogelweidplatz.
Ihr schlimmstes Vergehen, so erzählte sie oftmals mit einem Augenzwinkern, wäre gewesen, ihrem seit zehn Jahren verstorbenen Mann das Jawort gegeben zu haben

Die alte Frau war überall beliebt, wen man auch fragte, es kamen nur lobende Worte zurück, und ihre Liebe zu Menschen wurde nur von der zu Hunden übertroffen.
Hunde waren die ständigen Begleiter ihres Lebens, drei hatte sie zu sich genommen, und die verhätschelte sie, als ob sie ihr einziges Kind wären, das sie nie bekommen hatte.
Jeden Tag nach dem Aufstehen fütterte die Frau Haselbach den Theo, die Liese und den Struppi, dann frühstückte sie. Während des Gassigehens wurde eingekauft, am Löschenkohl war ein Greißlerladen, den gab es schon, soweit sie zurückdenken konnte, und der Inhaber war ihr auch seit langem bekannt, für die Hunde hatte der immer einen kleinen Happen über, er war stets höflich, und es verging schon eine gewisse Zeit, bis sich die Frau Haselbach wieder auf den Weg machte.
Meist war der Park die nächste Station, wo sich Frau Haselbach mit einer anderen Dame traf, der alten Schöninger. Die beiden unterhielten sich oft ein wenig, über das Wetter, daß die Tauben von Jahr zu Jahr dicker und frecher wurden, worüber man eben so redet mit jemandem, den man öfters auf der Straße sieht.
Ihr Mittagessen war meistens bescheiden, sie hatte auszukommen mit dem wenigen Geld, das ihr verstorbener Gatte als Rente erwirtschaftet hatte, mit der Witwenpension konnte Frau Haselbach aber zufrieden sein, sagte sie, immerhin bekam sie etwas, viele kriegten noch weniger als sie.

Nach einem kurzen Mittagsschlaf war Frau Haselbach ausgeruht genug fürs Kaffeehaus, wo sie oft den ganzen Nachmittag mit ihren Freunden verbrachte, beim gemütlichen Tratschen über die gute alte Zeit, und jeden Sonntag stand Kartenspielen auf dem Programm, drüben beim Reitmayer, nur fünfzehn Meter von ihrer eigenen Wohnung, in die sie vom Kaffeetrinken um etwa fünf am Nachmittag zurückkehrte, um sich auf den längeren Abend noch vorzubereiten.
Immer ging die Frau pünktlich fünf Minuten vor sechs Uhr abends von zu Hause weg, erst die Treppe hinunter ins Erdgeschoß, sie haßte Liftfahren bis aufs Blut, der neumodische Kram verweichlichte einen nur, dann ein wenig durch die Witzelsbergergasse, in der die alte Frau wohnte, hinüber zum Kriemhildplatz, wo der Herr Reitmayer eine Wohnung besaß.
Frau Haselbach war immer pünktlich, nur gerade heute nicht.

Da ist sie ja !

Frau Haselbach lag am Boden im Stiegenhaus, zwischen erstem Stock und Erdgeschoß. Ihre Kehle war sauber durchschnitten worden, und Blut rann langsam aber doch stetig die Treppe hinunter. Um genau sechs Uhr und drei Minuten hatte die Dame die letzten Höhepunkte ihres Lebens, als sie blutüberströmt versuchte, wieder in ihre Wohnung zurückzukriechen, sie wollte die Polizei anrufen, doch es hätte wohl wenig genützt, denn so wie ihr Hals jetzt aussah, wäre am anderen Ende der Leitung nur ein leises Röcheln verstanden worden. So bedeutete es wohl Glück im Unglück für Frau Haselbach, daß ihre Kräfte schon nach der zweiten Treppe geschwunden waren, das Telephonat hätte ansonsten die Enttäuschung ihres Lebens werden können.
Nachdem der Tatverdächtige seinem Opfer beim Sterben zugesehen hatte, nahm er den Schlüssel der alten Frau an sich und trat, nachdem er über sie gestiegen war,  in ihre Wohnung ein.
Er machte weiter ganze Arbeit und verwüstete die gesamte Wohnung, als er im Stiegenhaus einen Mann stöhnen hörte.
Herr Reitmayer war gekommen, um nach Frau Haselbach zu sehen, man weiß ja nie, ein Herzinfarkt kann ja schnell passieren, doch was er dann im Stiegenhaus sah, darauf war er nicht vorbereitet, und so ist auch seine Überraschung zu verstehen, als ihm ein völlig unbekannter Mann aus der Haselbachschen Wohnung entgegenstürmte.
‚Es ging alles so schnell!’, hätte er der Polizei gesagt, hätte er die Befragung noch erlebt.
In diesem Falle hätte er den Täter auch beschreiben können, einen eher kleinen jüngeren Mann, blond bis brünett, hellhäutig, dunkel gekleidet, und ein bißchen schaute er aus wie Didi Kühbauer, also eigentlich sympathisch, denn Herr Reitmayer war Rapidanhänger.
Zu seinem Unglück mischte sich jedoch wenige Sekunden nach dem Erblicken des allseits beliebten Fußballstars Herrn Reitmayers Blut mit dem der Frau Haselbach, denn was der ältere Mann nicht beobachtet hatte, das war der Fleischhammer in Didis Hand, der sich sogleich munter in seinen Schädel drängte. Die Wucht des Aufpralls riß ein Loch in den Kopf, ein Brei aus Blut und Gehirn trat hervor, als der Hammer herausgezogen wurde, um ein zweites Mal Bekanntschaft mit Herrn Reitmayer zu schließen.
Diesmal traf er die Nase des Opfers und zermalmte diese, die Augen quollen etwas hervor, denn das Nasenbein nahm Platz weg, doch den Delinquenten störte das gar nicht, er war damit beschäftigt, auf die Stufen zu fallen. Der fast leblose Körper rutschte gemeinsam mit dem der Frau Haselbach nach unten bis ins Erdgeschoß, wo beide schließlich liegenblieben, Arm in Arm, wie zwei Liebende nach dem Beischlaf.
Dem Verdächtigen fiel das nicht auf, aber es regte sich ein bißchen Blutrausch in ihm, und er delektierte sich noch ein wenig an den beiden, indem er wie auf ein Schnitzel auf sie einschlug, bis der Kopf des Mannes nur noch eine breiige Masse aus Haaren, Blut und Gehirn war, die den Bauch der Frau Haselbach verzierten.
 

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