#19 - geheim, Sep 11

Ausgabe 19Gleich eine Warnung im Voraus: Dieser Bagger ist voll von Geheimnissen, aufgedeckten Vertuschungen, Zensur, Unbekanntem und Enthülltem. Und manches, was da auf den folgenden Seiten zwischen den Zeilen steht, bleibt besser auch geheim. Deshalb, sollten Sie sich gerade in der Öffentlichkeit befinden – mit all ihren heimlichen Beobachterinnen und unbemerkten Überwachungskameras, verlassen Sie diese Seite gleich wieder, lassen Sie Ihr mobiles Internet-Empfangsgerät in der Tasche verschwinden. Holen Sie es erst im heimeligen Winkel wieder heraus, geschützt vor neugierigen Blicken, um sich dann über die Geheimnisse der Welt aufklären zu lassen. Wir wünschen viele erhellende Momente !

Bagger Nr. 19 als PDF.

Vom Vertuschen

Über das wahre Grundübel der Welt und wie man es ein für alle Mal aus der Welt schaffen könnte – eine Hetz­schrift.

Vielleicht wäre es besser für Sie, wenn Sie diese Zeitschrift nicht lesen würden. Ihnen fehlt es ja im Leben an nichts (sonst hätten Sie wohl kaum zwei Euro für den Bagger ausgegeben), und warum sollten Sie sich dann durch auf­ge­bausch­te Storys über irgendwelche krummen Machenschaften der Mächtigen aus der Ruhe bringen lassen? Na eben. Mein Vorschlag wäre, Sie schlagen den Bagger unverzüglich wieder zu und werfen ihn ungespitzt in den Mülleimer.

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Subversivo Clandestino

Die geheimen Zentren der argentinischen Militärdiktatur (1976–1983)

Fakten … Fakten sind wie der seidene Faden, an dem man Halt sucht, wenn sonst nichts mehr bleibt als Dunkelheit, Ver­wirrung, Chaos. Was sind die Fakten? Fakt ist, dass X und Y am soundsovielten des Monats von einem Ort (ein Wohnhaus, eine Kreuzung, ein öffentliches Verkehrsmittel) vor den Augen von Z (Umstehende, Angehörige) verhaftet und weggebracht wurden. Man hat sie nie wieder gesehen. Vielleicht markiert eine kleine Metalltafel heute den Ort ihres Verschwindens.

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In Sachen Junta

Nicht nur werden die Geschehnisse der argentinischen Militärdiktatur ausführlich in Form von Zeugnissen und Berichten dokumentiert, auch filmisch setzen sich einige Werke mit dem kollektiven Trauma auseinander.
In Garage Olimpo (od. Junta, 1999) hat sich Regisseur Marco Becchis seine eigenen Erfahrungen als Gefangener abgefilmt.

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Kryptischer Kryptogrammtext

– Nur für Eingeweihte

Man kann es ruhig laut sagen: Geheimlehren sind in aller Munde. In jeder Bahnhofsbuchhandlung kriegen Sie Hunderte Bücher, die Ihnen erklären, worum es bei Geheimlehren geht. Wenn Sie nicht aufpassen, sind Sie bald der einzige, der nicht alles über jede einzelne Geheimlehre weiß. Und was nutzt schließlich ein Geheimnis, wenn man es nicht kennt?

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Hin und Weg: 21

Floridsdorf bist du großer Töchtersöhne

Am 21. April diesen Jahres erschien in der österreichischen Tageszeitung Die Presse ein Artikel über Floridsdorf. Damit ist eigentlich auch schon alles gesagt. Das will nun keineswegs heißen, dass an dieser Stelle dasselbe Verdikt über die Zei­tung verhängt werden soll, wie dies einst der gute Karl Kraus getan hat; würde dieser heute noch Kritik üben, hätte er wohl auch andere – be­sorgnis­er­regendere – Pappen­heimer. Ge­sagt ist vielmehr alles über Floridsdorf. Ein zweiter Artikel scheint in diesem Fall gleich einer Zweitbesteigung des Groß­glockners oder den minderen Ehren des zweiten Hundes im All.

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Geheime Orte in Wien

Jüdische Friedhof

Wo man in Wien noch versteckte Orte und Kuriositäten antreffen kann, um sich vor der Welt zu verbergen.

Wien im Sommer und alles voller Touristen. Diese lassen sich praktisch überall antreffen, wo’s schön ist, oder historisch, oder beides. Dennoch gibt es einige Plätzchen in Wien, die man vereinsamt antreffen kann und die sich selbst vor gebürtigen Wienern leicht verstecken lassen. Hier meine vier Lieblingsorte, um die Ruhe zu genießen, zu staunen und sich verzaubern zu lassen …

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Unsichtbare Regierungen

PR und Propaganda. Über Edward Bernays und die Prozesse unter dem Teppich der Demokratie

The conscious and intelligent manipulation of the organized habits and opinions of the masses is an important element in democratic society. Those who manipulate this unseen mechanism of society constitute an invisible government which is the true ruling power of our country. So beginnt Edward Bernays’ Buch Propaganda von 1928.

Nein, wir haben es hier nicht mit einem frühen Verbreiter von zweifelhaften Verschwörungstheorien zu tun. Ganz im Gegenteil gilt Bernays als einer der Pioniere, was Public Relations (im Deutschen oft mit Öffentlichkeitsarbeit wiedergegeben) im Allgemeinen betrifft. Dem heutzutage wenig bekannten Neffen Sigmund Freuds verdankt die Werbeindustrie die Idee, das Unterbewusstsein der Kunden anzusprechen, um ihre Waren anzubringen – eine Methode, die heute so alltäglich wirkt, dass ihre frühere Nichtexistenz kaum vorstellbar scheint. Und dennoch musste sie zunächst einmal erfunden werden.

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Egotrip in die Käuflichkeit

Individualismus und seine Verführbarkeit. Über den unbemerkten Wandel der Demokratie und wie aus BürgerInnen KundInnen wurden.

(Als Grundlage zu diesem Text empfiehlt sich die vor­her­gehende Lektüre des Artikels Un­sicht­bare Re­gierun­gen)

Some socialists seem to believe that people should be numbers in a state computer. We believe, that they should be individuals. We are all unequal, no one, thank heavens, is quite like anyone else […]. And we believe everyone has the right to be unequal. But to us every human being is equally important. A mans right to work as he will, to spend what he earns, to own property, to have the state as servant and not as master. They are the essence of a free economy. And on that freedom all our other freedoms depend. (Margaret Thatcher, Conservative Party Conference 1975)

Eine ganz normale Wahlkampfrede? Was heutzutage wie eine relativ harmlose, liberale Erklärung anmutet, war in den Siebzigern des letzten Jahrhunderts tatsächlich ein neuer Wind. Plötzlich war vom Individuum die Rede, von persönlicher Selbstverwirklichung, von persönlicher Freiheit und dem Staat als Diener.

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Money Magic

Okkulte Ökonomien in Zeiten eines millenialen Kapitalismus

Schon vor der Jahrtausendwende machten die beiden Anthropolog_innen Jean und John Comaroff in ihrer Heimat Südafrika eine Entdeckung. In der Presse überschlugen sich zu dieser Zeit die Berichterstattungen von Zombies, die plündernd durch das Land zogen. Es hieß, die Untoten wurden durch die Kraft der Hexerei ins Leben zurückgeholt, um nun sklavische Dienste für ihre Meister zu verrichten und ihnen übermäßigen Reichtum zu bescheren. Den geschulten Augen der Comaroffs entging nicht, dass die Zombies in einem Land, in dem Totenkulte dem kulturellen Gedächtnis angehören, als Indikatoren für ein völlig anderes, viel weitreichenderes Phänomen dienten.

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Das Bankgeheimnis aus alpinistischer Sicht

Was das Bankgeheimnis mit einem hinkenden Wanderer zu tun hat und warum sich eine Wanderung auf den Säntis allemal lohnt, auch wenn man diesen nicht gerade als Ge­heimtipp bezeichnen kann. Eine wirre und wenig er­gie­bige Aus­einander­setzung mit dem Alpinismus im Appen­zeller Land und dem damit ver­bundenen moralischen Di­lemma, wobei neben­bei auch ein wenig Un­quali­fiziertes zum Bank­geheimnis geäußert wird.

Das Bankgeheimnis polarisiert. Es ist eines von vielen schönen Beispielen dafür, wie angebliche moralische Prinzipien und Grundrechte von verschiedenen Interessengemeinschaften völlig konträr ausgelegt werden. Damit ähnelt die Diskussion über das Bankgeheimnis stark der Debatte um den sogenannten Nichtraucherschutz, nur dass die Positionen nicht so klar definiert sind.

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