#20 - Raub, Dez 11

#20 - raubRaubtiere und ihr Kapitalismus, Mundraub und Landraub, Eigentum und Diebstahl von Geistigem und Materiellem, Räuber und Gendarmen, Raubbau und Raubkopie, Gewalt und Kriminalistik - alles Themen, denen wir uns in dieser Ausgabe mehr oder weniger(,) ernst oder satirisch gewidmet haben.

Wer auf seinem Raubzug durch die Lokale Wiens keine gedruckte Version dieser Ausgabe ergattert hat, dem wünschen wir viel Spass mit der digitalen hier.

Bagger Nr. 20 als PDF.

Schuld und Sühne

Achtung!

Ich hab‘s ja eh immer schon gesagt, dass das nicht ewig so dahingehen kann, mit der Wirtschaft und so. Irgendwann hamma alle den Scherben auf, nur weil ein paar glauben, sie müssen auf Kosten der anderen leben. Man braucht ja nur mal auf der Landkarte nach unten schauen – nur auf der faulen Haut liegen und uns im Urlaub dagegen fleißig das Geld aus der Tasche ziehen, davon leben die! Und ich hab mir gedacht, dass uns nur die faulen Säcke im eigenen Land auf der Tasche liegen.

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Eigentum ist Diebstahl?

Pierre-Joseph Proudhon

Über die Grundlagen aller halbwegs modernen Staatsformen und über den Haken, den sie haben.

Das Zitat aus der Überschrift – wenn auch als These und nicht als Frage verfasst – ist mehr oder weniger allgemein bekannt. Weniger hingegen sein Urheber: Dabei war der Ökonom und Soziologe Pierre-Joseph Proudhon (1809-1865), der als einer der ersten Vertreter des Anarchismus gilt, zu seiner Zeit ein viel gelesener Autor, stand mit Kollegen wie Karl Marx und Michail Bakunin in direktem Kontakt und engagierte sich als Mitglied der französischen Nationalversammlung politisch.

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Vielgeprüftes Opferreich

Bei Verbrechen gibt es generell zwei große Nutznießer. Einerseits der_die Täter_in, der_die sich dadurch einen (unmoralischen) Vorteil verschafft; andererseits die Polizei, die in Folge davon ihre Existenzgrundlage rechtfertigen darf. Dummerweise hat aber immer auch eine_r das Bummerl: das Opfer. Noch dümmererweise leben wir hier in einem Land, dessen Bewohner_innen diesbezüglich ganz besonders leidgeprüft sind.

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Raubtierarten in Österreich

Raubtier

Ein faszinierender wie alarmierender Bericht über den Bestand heimischer Carnivora

Anmerkung der Redaktion: Ursprünglich hätte an dieser Stelle der angekündigte Bericht über den so genannten „Raubtierkapitalismus“ erscheinen sollen. Auf eine Weisung des BMI hin wurde uns die Veröffentlichung, mit Verweis auf das neue Anti-Terrorgesetz (§ 613 Abs. 30b), allerdings untersagt.

Die österreichische Fauna hat mit Beginn der Industrialisierung stark an Artenvielfalt verloren. Die großindustrielle Nutzung der Forste und Gewässer, ebenso der Alpintourismus, forderten ihren Tribut insbesondere unter größeren Raubtierarten. Damit wurden zugleich jene Parasiten gefährdet, die in Symbiose mit den bedrohten Raubtieren leben.

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Über den Zeitraub „of a lifetime“

Das Filmfestival als temporales Paradoxon. Ein Erlebnisbericht.

Zeit ist Geld, heißt es. Und wirklich ergeben sich bei genauerer Betrachtung erstaunliche Parallelen: sowohl in der temporalen wie der finanziellen Erschließung der Welt ist von Raub und Investitionen, von Verlusten und Gewinnen die Rede und der Erfahrung nach rieselt beides gern durch die Finger. Mithin ganz ungeachtet der Tatsache, dass es noch keine Zeitlotterie gibt und die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit nicht mit der Anpassung der Leitindizes zu vergleichen ist, besteht doch Konsens bezüglich der Äquivalenz dieser beiden Größen, die unser modernes Leben vermessen. Darum scheint es angebracht, den Zeitmangel zu bezahlen und zwar nicht bitter büßend, sondern – besser – süß genießend sein Geld zu investieren, um dann keine Zeit zu haben,– mit anderen Worten also – in den ausgelassenen Besuch eines Filmfestivals, wie zum Beispiel die vor kurzem zum neunundvierzigsten Male über die Leinwände gelaufene Viennale in der hiesigen Hauptstadt der Mannerschnitten.

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Filmempfehlungen am Jahresende

Zwei Dokumentarfilmchen, auf die man schon während der Viennale linsen konnte, laufen seit November auch in den hiesigen Kinos: Wer also American Passages von Ruth Beckermann und Tahrir Liberation Square von Stefano Savona noch nicht gesehen hat,  möge sie sich doch hiermit wärmstens ans Herz legen lassen und sich bei nächster Gelegenheit ins Kino des Vertrauens begeben.

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Kritik des Hotzenplotzischen Weltbildes

Zwackelmann

„Ein Mensch, der stiehlt, würde für jede poetische Darstellung von ernsthaftem Inhalt ein höchst verwerfliches Objekt sein.“ (Friedrich Schiller, Jena)

Am St.-Johannis-Tag 1787 spielte auf dem Jahrmarkt zu Königsberg, Preußen, eine fahrende Marionettenbühne zum soundsovielten Mal die „Sämtlichen Abenteuer des Räubers Hotzenplotz“. Textgetreu war der große und böse Zauberer Petrosilius Zwackelmann schon im ersten Teil schmählich im eigenen Schloßkeller ersoffen und hing nun zum Trocknen hinter der Puppenspielerbude – was ihm Gelegenheit bot, mit einem illustren Königsberger Spaziergänger ins Gespräch zu kommen. Indessen landete auf einer nahen Birke ein uralter Rabe mit moosgrünem Gefieder; in seinen Bürzelfedern verborgen saß, das erstaunt längst keinen mehr, die Wanze.

Immanuel: – so verkörpern doch Sie, Herr Kollege, gewissermaßen das Irrationale.

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Raubbau an der Medienlandschaft

Warum der Bagger die Funktionsweise von Medien als Informationsquelle und deren Bildungsauftrag untergräbt, ist leicht festzustellen, da er weder informativ ist, noch irgendetwas zur Bildung beiträgt. Eine Festschrift zum 5-jährigen Bestehen, die sich gerne gegen alles und jeden richten würde, sich am Ende aber nur selbst lächerlich macht.

Natürlich, jeder hat schon einmal eine Schnapsidee gehabt. Meist eine „b’soffene Gschicht‘“. Das ist verzeihlich und ab und zu darf man ja in seinen schwachsinnigen Träumen schwelgen. Stellen Sie sich aber vor, jede dahergelaufene Clique aus Langzeitstudenten (Geistes- und Sozialwissenschaften), -arbeitslosen und Gelegenheitsjobbern (natürlich im Sozialbereich), würde diese vermaledeiten Ideen auch tatsächlich umsetzten.

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„With god on our side“ (J.Baez)

kath. Abenteuer

Der vielen Menschen vertrauten Suche nach einer das Leben bereichernden Spiritualität nimmt sich der Journalist Matthias Matussek in seinem Buch „Das katholische Abenteuer“ auf befremdende Weise an – und schlittert „provokativ“ in Selbstgefälligkeiten. Eine Distanzierung.

Es war auf Anhieb ein Bestseller. „Das katholische Abenteuer“ von Matthias Matussek. Der Spiegel-Autor fühlte sich in seinem Buch, das letztlich nur eine lose Artikelsammlung ist, dazu berufen, die katholische Kirche zu verteidigen. Gegen innere und äußere Feinde. Gegen die lauen Gläubigen, die keine aktiven Kirchenmitglieder mehr sind und lediglich Kirchensteuer abführen. Gegen die klischeehaft fanatisch dargestellten „Gotteskrieger des Islams“. Mehrmals negiert er „provokativ“ die Aussage seines Bundespräsidenten Christian Wulff: „Der Islam gehört zu Deutschland“.

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Michael Hampes naturphilosophische Betrachtungen

Tunguska

Der Zürcher Philosophieprofessor Michael Hampe hat ein neues Werk vorgelegt. Und es ist ein durch und durch eigenartiges Buch. Denn es spielt geschickt mit den Erwartungen der Leser. „Tunguska“ heißt es. „Oder das Ende der Natur“. Das Cover zeigt ein auf Grund stehendes Boot in einem versteppten Gebiet – soll das Anspielung auf den Aralsee sein? Dadurch Sinnbild unseres problematischen Naturbezuges?

Der Titel Tunguska verweist auf ein Naturereignis in Sibirien zu Beginn des 20. Jahrhunderts, für das es noch immer keine eindeutige wissenschaftliche Erklärung gibt. Will Hampe uns neue Beweise für eine der bestehenden Theorien liefern, oder stellt er seinen eigenen Zugang zum Geschehen dar? Oder ist er gar ein verkappter Apokalyptiker, der mit der Trias Titel, Untertitel und Cover unkt: „Unser aller Ende ist nah“? So recht kann man das auch nicht beantworten, wenn man ins Buch hineinliest. Viele Motti stiften eher noch mehr Unsicherheit und Verwirrung.

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