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Hier finden sich Artikel, die bisher in keiner Ausgabe abgedruckt wurden. Insbesondere aktuelle Artikel und Rezensionen sollten hier von Zeit zu Zeit erscheinen.

"Das ist alles" - Pico Be von der Band "Das Weiße Pferd"

Pico Be (Foto: Anna McCarthy)

Federico Sánchez alias Pico Be ist der "Crazy Diamond" der Münchner Musikszene. Er ist ein kühner Dichter, selbstgefälliger Dandy und gottloser Gitarrist. Gemeinsam mit dem Multiinstrumentalisten, Produzenten und Labelbetreiber Albert Pöschl bildet er seit einigen Jahren den harten Kern der Band "Das Weiße Pferd". Auch der Schriftsteller und Ex-Goldene-Zitrone Hans Platzgumer zählt zum Dunstkreis der Band.

"Pico" ist nicht nur der rätselhafteste Poet seiner Stadt, sondern auch ihr versponnenster Musiker und damit insgesamt eine Figur, die sich nicht zwangsläufig beim ersten Durchhören erschließt. Es braucht mitunter mehrere Anläufe, bis man das - je nach Zählweise - fünf oder sechs Alben umfassende Werk des Gratwanderers zu schätzen und lieben lernt. Bisher sind erschienen: "Paradiso" (2003, mit "Kamerakino"), "Munich Me Mata" (2007, mit "Kamerakino"), "Infant Munich Hits Rock Bottom" (2010, 2-LP zum Zehnjährigen von Kamerakino, mit Beiträgen von "Kamerakino" und "Das Weiße Pferd"), "San Fernando" (2010, mit "Das Weiße Pferd") und "Inland Empire" (2013). Am 14.11.2014 erscheint mit "Münchner Freiheit" das dritte Album seiner aktuellen Band.

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Für immer ich

gui gui cover

Mit seinem Debütroman „Gui Gui oder Die Machbarkeit der Welt“ hat Hubert Weinheimer bewiesen, dass er auch lange Formate durchgehend überzeugend gestalten kann.

Der Titel, mit dem eine vorläufige Begegnung mit diesem kompakten Text anfängt, nimmt das Motiv vorweg, das in der Kunst des zugereisten Oberösterreichers vorherrschend ist; die Zweischneidigkeit, eine Polarität von Aussagen, ein Kontrast, der an den Pranger gestellt und auf die Spitze getrieben wird. „Chanson-Punk“ verschränkt als angeführte Genrebezeichnung Weinheimers Band „Das Trojanische Pferd“ zwei disparate Attribute. „Gui Gui“ wirkt wie ein Nonsense-Wort und erinnert an den Dadaismus, während „Die Machbarkeit der Welt“ streng philosophisch anmutet und von Schopenhauer stammen könnte. Scharfdumm nennt man solche Verschränkungen, oder, um die Referenzen weiterzutreiben, bittersüß, wie ein Songtitel des letzten Albums lautet. 

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Glutamat - Zirkus Maximus!

Glutamat spielen Mutterkorn im EKH

Glutamat gab es schon, bevor die neue Wiener Zeitrechnung überhaupt begonnen hat. Das Gründungsjahr der Band reicht zurück ins Jahr 1995. Einziges stetiges Mitglied war und ist Matze Pfisterer aka MP Kopflos. Im untenstehenden Interview geht es um Besetzungswechsel, Politik, Theater und vor allem um „ideologische Selbst­ermächtigung“.

Mitte 2012 veröffentlicht die Band, die aktuell aus 6 Mitgliedern besteht, ihr fünftes und bislang letztes Album Sturm der Herzen. Als einziges ist es auch auf Vinyl erhältlich. In einer Auflage von 300 Stück und mit einem großartigen Cover, das von Hand mehrstufig gesiebdruckt wurde. Ein optisches und akustisches Meisterwerk. Nach eigenem Ermessen der Band ist es allerdings „medial komplett untergegangen". Das liegt zum einem an der Behäbigkeit des österreichischen Musikjournalismus’, aber es liegt auch an der Gruppe selbst, die konsequenterweise mehr Zeit in ihre Experimentierfreude als in ihre „Vermarktung" investiert hat.
Hätte man beispielsweise 2008/2009 für dem großartigen Punk-Rap-Kracher Kabel gewackelt (feat. Skero) ein Video gedreht, hätte man die Chance gehabt, flächig durchs Netz zu geistern. Man wählte aber stattdessen die Devise „es sads deppad, gehts doch scheissen" (aus: Deppad – ebenfalls vom Album mit dem nicht zufällig gewählten Namen Scheitern inbegriffen).
Beim Konzert im EKH am 10.1.2014 wurde größtenteils Material vom aktuellen Album gespielt: Alle, Dose, 1/4 acht vorbei und das jenseitig großartige Mutterkorn. Selten, sehr selten passiert es mir, dass mich eine Band noch wirklich begeistern kann, aber bei Glutamat ist das der Fall – auch wenn ich einen Konzertbeginn um 2:00 nicht gerade lustig finde. Seisdrum: Es hat sich gelohnt. MP Kopflos (Stimme, Synth, Piano, Flöte, Spielzeug), Thesa Tödlich (Stimme, Singende Säge), Ronald von den Sternen (Gitarre, Bass), Palme (Gitarre, Bass), Susi von Hannover (Akkordeon, Trompete) und King "DD Kern" Augenring (Drums) sind gemeinsam eine musikalische Offenbarung. Daher dieses Interview.

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Hans Unstern - ein Interview

  "Paris" - Hans Unstern mit Spieluhr im B72 (Wien) am 25.11.2012. (Foto: wein)

Ich mag Hans Unstern. Sehr. "Kratz dich raus" und "the great hans unstern swindle" sind zwei der bemerkenswertesten Alben, die in den letzten Jahren erschienen sind - textlich, musikalisch und konzeptuell. Deshalb dieses Interview.

Du singst auf deiner neuen Platte, du hättest alles getan, um den Leuten nicht zu gefallen? Zwar deckt sich deine Definition von Popsong nicht mit der der meisten Menschen, aber ein sehr ausgeprägter Sinn für Ästhetik durchzieht soundtechnisch, visuell und was das Konzept auf der Bühne betrifft dein ganzes Werk. Du gefällst also schon, bloß suchst du dir dein Publikum sehr genau aus. Willst du bei den Zuhörern und Zuhörerinnen irgendetwas Spezifisches bewirken?

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Nocheinmal Sharpeville

Sharpeville Massacre 1960

Was machte Marikana möglich? Ein histo­rischer Erklärungsversuch für die schweren Arbeitskämpfe im reichsten Land Afrikas.

Einige Wochen zuvor waren mehrere Polizisten von einem Mob gelyncht worden. Die Polizei war nervös. Die Menschenmenge, mehrere tausend Protestierende, ließ sich durch die tief fliegenden Miltärjets nicht auseinandertreiben. Was genau zur Eröffnung des Feuers führte, sollte unklar bleiben. Möglicherweise ein vermeintlicher Schuss aus der Menge, eher vereinzelte Steinwürfe und überforderte Polizisten auf der anderen Seite. Zunächst waren die Demonstrierenden so überrascht, dass sie erst zu laufen begannen, als die ersten Getroffenen zusammenbrachen. Die Polizei feuerte weiter – hunderte Verletzte und 69 Tote, ein guter Teil davon auf der Flucht in den Rücken getroffen, waren die Bilanz.
Das war das Sharpeville-Massaker von 1960, welches den Verfall des Apartheid-Regimes in Südafrika einläuten sollte. Wie konnte es diesen September soweit kommen, dass sich, nur knappe 20 Jahre nach Ende des Regimes, jene Szene fast detailgetreu wiederholte, als am 16. August in Marikana tausende Minenarbeiter für höhere Löhne demonstrierten und 34 von ihnen erschossen wurden?

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Weltuntergang … und alles lacht!

Der Weltuntergeang (Rabenhoftheater)

Am 8. Dezember hatte Jura Soyfer seinen 100. Geburtstag. Zur Feier des Tages und wohl auch weil sich's aus anderen, bekannteren Gründen gerade anbietet, wurde im Rabenhoftheater sein erstes Stück Der Weltuntergang gespielt.

Soyfer, österreichischer Schriftsteller russisch-jüdischer Herkunft, war überzeugter Marxist und nach einer sozialdemokratischen Phase ab 1934 Mitglied der damals verbotenen KPÖ. Er verfasste für verschiedene sozialistische und sozial­demo­kratische Zeitschriften politische Satiren und Gedichte und widmete sich nebenbei dem Theater. So schrieb er auch vier Stücke, die sich mit Themen wie Faschismus, Nationalismus, Humanismus, Religion oder Kapitalismus auseinandersetzten.
Am 13. März 1938 wurde er bei seinem Versuch, auf Skiern in die Schweiz zu flüchten, festgenommen und im Anschluss zunächst ins KZ Dachau, letztendlich nach Buchenwald deportiert, wo er knapp ein Jahr später am 16. Februar mit nur 26 Jahren an Typhus starb.

Der Weltuntergang beginnt faustisch im Himmel. Eine Versammlung der Planeten bespricht die neuerdings gestörte Sphärenharmonie: Seit sie vom Menschen befallen ist, gerät die Erde mehr und mehr aus dem Takt. Kurzerhand wird beschlossen den armen Mitplaneten durch eine Radikalkur zu heilen. Komet Konrad wird entsandt, um die Patientin durch eine kleine Kollision von ihrem Parasit zu befreien.

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Was man mit Fotos alles nicht machen darf.

Heute hat der derstandard.at über gefälschte Fotos von Nokia berichtet – und ist dabei gleich selbst in die Copyrightfalle getappt.

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Zwischen Kakaoduft und Hopfenaroma

die Kreuzung

Wie sich die Kreuzung von Huber- und Steinergasse mit der Ottakringer Straße ihrer Umstände erwehrt.

Kreuzungen verbinden: Da kommen Menschen aus allen Himmelsichtungen zusammen, in den Parterres der Eckhäuser pulsiert das Geschäftsleben und an den Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel treffen sich alte Bekannte. Kreuzungen bilden die Knotenpunkte des öffentlichen Lebens.
Aber es geht auch anders. Wo wohl früher eine ungeregelte Zusammenkunft dreier Straßen Platz ließ, für den gepflegten Plausch unter Nachbarn, für Straßenverkäufer, die ihre Ware anpreisen, für ein paar Bäume die schattige Plätze garantieren, da drängen heute mehrspurige Straßen und Parkplatzreihen die Gehsteige eng an die Hauswände und der Verkehr treibt auch überzeugte NutzerInnnen des öffentlichen Raums schnell wieder in ruhigere Zufluchtsorte. Eher zerschneiden die ehemaligen Lebensadern den Fleck, als dass sie die vier Häuserklippen verbinden könnten.

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Message About Some Bottles

Snape's seven bottles - or the next best thing to them.

How low can the Bagger go? At least they aren’t publishing Harry Potter fan fiction. Or haven’t been, so far. Well, not quite.

The good news: Voldemort isn’t coming back. Even those who failed to read about his ignominious demise in 2007 have by now watched it both in the cinema and on DVD, at least twice; and J. K. Rowling has actually turned to writing other stuff, instead of giving us (as many feared) a prequel on the youthful adventures of Armando Dippet. The world is well and truly rid of Tom Riddle.

The bad news: We are still struggling with the other riddle – the one Harry and Hermione were confronted with in The Philosopher’s Stone, towards the end of chapter sixteen (“Through the Trapdoor”); a logical puzzle concerning bottles, set by the children’s sinister Potions teacher Severus Snape. Several solutions have been published; yet, while some of them are quite accurate as far as they go, I haven’t seen a complete analysis, and nobody, it seems, has even begun to think about its implications.

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Spanische Märchenstunde

Geld für Banken, Sparpakete für die Bevölkerung

Eigentlich kaum zu glauben: Spanien hat derzeit eine Arbeitslosen-Rate von fast 25% und von den 15- bis 24-Jährigen steht sogar jeder zweite ohne Beschäftigung da. Gleichzeitig sind einige spanische Unternehmen vom Typus Bank von der Insolvenz bedroht. Was macht die vom Volk (zugegebener Maßen mangels Alternative) gewählte Regierung? Sie bittet die EU um Hilfsgelder für die angeschlagenen Banken. 100 Milliarden einstweilen, das sollte fürs Erste genügen.

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