Musik
Chaos mit Kalkül
Mit „tell no lies, claim no easy victories“ feiert die Jazzgalerie Nickelsdorf das 30-jährige Bestehen ihres Festivals für zeitgenössische Improvisationsmusik – der „Konfrontationen“.
Eins vorweg: Man muss Namen wie Clifford Thornton, Joëlle Lèandre oder Evan Parker nicht kennen, um dieses Buch mit Mehrwert zu lesen. Man braucht nicht viel von Free Jazz zu wissen, um zu verstehen, dass es hier um mehr geht als um die genannten MusikerInnen und um improvisierte Musik. Vielmehr handelt es sich bei der im Eigenverlag veröffentlichten Publikation selbst um eine Improvisation, die, wie der Free Jazz, vor allem eins verlangt: sich darauf einzulassen.
→ zum ArtikelMob – Mich kriegt ihr nicht (Problembär ’09)
Das Wort „schön“ ist im Zusammenhang mit Musik ja etwas verrufen. Es ist zur Mode geworden, Lieder bei der Aufnahme mit unerwarteten Splittern zu versehen, die Lieder nach dramaturgischen Gesichtspunkten umzufärben. Nicht so bei Mob.
Komplizen der Spielregen – Es wird nur noch geatmet (Sitzer Records ’09)
Nach zwei EPs ist „Es wird nur noch geatmet“ das erste reguläre Album der Band mit dem verheißungsvollen Namen. „Diskurspop“ halte ich persönlich ja für ein Schimpfwort, weil es sich in der Regel auf schulmeisterliche Wortklauberei bezieht. Nicht so hier. Hier wird nicht klug geschissen, sondern mitgeteilt.
Candelilla – reasonreasonreasonreason (Red Can ’09)
Nach der selbstverlegten EP „don’t rely on what others say“ (2007) präsentieren Candelilla nun ihr großartiges Debutalbum. In München gelten sie schon seit einiger Zeit als beste neue Band. Ich habe sie vor zwei Jahren zum ersten Mal live gesehen und war augenblicklich überzeugt: Das wird ganz groß!
Der Nino aus Wien – Down in Albern (2009/Problembär)
Mit einem halben Jahr Verspätung hab auch ich es kapiert. Ich muß gestehen, daß ich die erste Platte vom Nino ignoriert hab. Ich hab damals kurz reingehört und fühlte mich schon nach drei Nummern verarscht genug, um „the ocelot show“ lange Zeit nicht mehr zu hören. Das war aber ein Fehler – das vierte Lied war nämlich auch damals ein Geniestreich.
Ernst Molden – Ohne Di (2009/monkey.)
Ernst Molden ist in vielerlei Hinsicht der Schutzheilige der heimischen Musiklandschaft. Auf „ohne di“ hat er seinen musikalischen Dunstkreis ein weiteres Mal ausgedehnt und präsentiert sich nun erstmals regulär mit den Musikern, mit denen er schon in den letzten beiden Jahren mehr und mehr zusammengearbeitet hat.
Ja, Panik – The Angst and the Money (2009/Schönwetter)
Ja, Panik kommen auf Album Nr. 3 in einem ziemlich sexy Outfit daher. War das Vorgängerwerk eher schroff, so wurden die Aufnahmen diesmal etwas aerodynamischer angelegt. Damit macht sich die Band aber nicht nur radiofreundlicher, sondern das steht den Songs auch wirklich sehr gut. Das Klangspektrum macht deutlich weiter auf und verhilft damit der Kontingenz (ich hasse das Wort, aber hier paßt es!) der spechtlschen Zeilen noch mehr zu ihrem Recht als zuvor.
Strandgut - Teil 1
Was sich so an den Rändern der Baggergrube sammelt.
Manchmal schicken uns hoffnunfgsfrohe Menschen in Erwartung, dass wir diese in unserer Zeitschrift hochjubeln, besprechen oder auch nur verreissen. Ihr Vertreuen freut uns natürlich sehr und natürlich werden die Werke auch mindestens einmal angehört.
→ zum ArtikelM185 – Transformers (2009/speed of light)
Heinz Wolf, Wolfram Leitner, Joerg Skischally, Roland Reiter und Alexander Diesenreiter wissen sehr genau, was sie da machen: Cleveren Rock. Längere Zeit schon, scheint mir, hat es in Wien keine Band gegeben, die Indierock serviert, der sexy klingt ohne gleich „poppig“ zu sein.
Das trojanische Pferd – Das trojanische Pferd (2009/Cheap Rec. Rocks)
Das Konzept des trojanischen Pferds erklärt sich aus dem Bandnamen selbst: Melodie und Arrangement funktionieren als Geleitschutz für ernst Gemeintes fern ab von Ironie und Zitat. Und so formuliert es auch Sänger und Gitarrist Hubert Weinheimer in dem Song „Wartezeit“.
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