Film

The Net

The Net (1995) thematisierte vor vierzehn Jahren bis heute diskutierte Fragen von Internetsicherheit, Softwaremonopolen, Datenschutz und digitaler Identität. Leider wurde generell zu wenig Liebe zum Detail und insbesondere im Bereich Körperhygiene kein bisschen Mut bewiesen.

US-amerikanisches Breitenkino zeichnet sich unter anderem durch impertinentes Typecasting aus. Meg Ryan hat die Liebeskomödien-Arschkarte gezogen, Sandra Bullock’s AgentInnen sahen in ihr offenbar eine geborene Thriller-Schönheit. So kam es, dass die sympathische Nebenrollenheldin aus dem Actionstreifen Speed, kaum aus dem Bus gestiegen, schon ins nächste Abenteuer stolperte. In The Net verkörpert Frau Bullock eine in Isolation lebende Hackerin, die Einladungen zum Abendessen kategorisch ausschlägt und lieber Pizza bestellt – über das Internet.

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Momma‘s man

Eine filmische Anleitung, wie man sich familiären, beruflichen und sonstigen Verpflichtungen mehr oder weniger erfolgreich entzieht. (USA 2008, Regie: Azazel Jacobs)

Mikey ist Mitte Dreißig, glücklich verheiratet und stolzer Vater, mit seiner Frau und seiner wenige Monate alten Tochter lebt er in Kalifornien. Als er geschäftlich in New York zu tun hat, nützt er die Gelegenheit, um ein paar Tage bei seinen Eltern in Manhattan zu verbringen, in der alten, mit wunderlichen Apparaten, seltsamen Büchern und selbst gebastelten Kunstwerken bis unter die Decke voll geräumten Wohnung, in der er auch seine Kindheit verbracht hat.

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Von menschenfressenden Maschinen

Der Beziehung zwischen Mensch und Maschine wird in Charles Chaplins Film „Modern Times“ (USA 1936) kein sehr gutes Zeugnis ausgestellt. Stattdessen zeigt Chaplin, wofür zu leben es sich wirklich lohnt.

Charlie Chaplin Der Einzug der „großen“ Maschinen in die Arbeitswelt hat längst seine Aufregung verloren. Nicht so zu Zeiten der industriellen Revolution. Arbeitslosigkeit, Streiks, Armut stehen in Zusammenhang mit dem beginnenden Industriezeitalter und damit der voranschreitenden Automatisierung von Arbeitsvorgängen. In seinem Film „Modern Times“ setzt sich Charles Chaplin mit den gesellschaftlichen und vor allem den individuell-menschlichen Entwicklungen und Verlusten rund um die Industrialisierung auseinander:

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Der Nudel-Western

Der Film „Tampopo“ (1985) des japanischen Regisseurs Juzo Itami ist eine Liebeserklärung an die Nudelsuppe. Eine sehr vergnügliche noch dazu.

Gemäß A.J. Liebling, Journalist des „New Yorker“ und Gourmet aus Leidenschaft, muss man, um über Essen schreiben zu können, Appetit haben.

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Das verlorene Paradies

Mit viel Gespür für die filmische Ausdruckskraft zeigt der französische Regisseur Olivier Assayas in seinem Film „L´Heure d’été“ (F 2008, dt. Titel: „Sommerzeit“) das Porträt einer Familie am Wendepunkt: Der Tod der Mutter zwingt die Zurückgebliebenen sich mit der eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Dem gegenüber stehen die Anforderungen einer globalisierten (Arbeits-)Welt …

Jérémie (Jérémie Rénier) lebt mit Frau und Kindern in China, der Job in der Schuhproduktion mit aussichtsreichen Karrierechancen verlangt Mobilität und Flexibilität. Die Schwester Adrienne (Juliett Binoche) arbeitet als Designerin in New York. Einzig der Älteste der drei Geschwister, der Ökonom Frédéric (Charles Berling), blieb mit seinen Kindern und seiner Frau in Frankreich. Verbindendes Element der geschwisterlichen Beziehungen ist das französische Landhaus des vor 30 Jahren verstorbenen Onkels, ein Maler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, außerdem leidenschaftlicher Kunstsammler und heimlicher Geliebter ihrer Mutter, Héléne Berthier (Edith Scob).

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Zwischenwelten

10 Gebote – 10 Filme: Ende der 80er-Jahre hat der polnische Regisseur Krzysztof Kieslowski den Dekalog verfilmt. Film Nummer acht ist ein kurzer Film über die Lüge.

Das Bild in Zofias Wohnung hängt schief. Sie richtet es zurecht, dreht die Landschaftsmalerei im goldenen Rahmen, bis sie waagrecht an der Wand hängt. Immer wieder, denn kaum hat sie sich umgedreht, einige Schritte entfernt, verrät ein Geräusch das Zurückrutschen des Bildes. In Zofias Leben gibt es einiges, das sich partout nicht zurechtrücken lässt und sie immer wieder aus dem Lot bringt. Und das, obwohl oder gerade weil sie Ethikprofessorin an der Universität Warschau ist. Eigentlich sollte sie genau Bescheid wissen über „richtiges“ Verhalten und „unrichtiges“. Aber haben nicht auch EthikprofessorInnen das Recht darauf, Unrecht zu begehen, manchmal schief zu liegen?

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Wenn die Zivilisation am Beifahrersitz hockt …

Wolfgang Panzers poetischer „Straßenfilm“ „Broken Silence“ (CH 1995) zeigt, dass Roadmovies auch ohne Harley-Geschwindigkeitsrausch und Born to be wild-Romantik auskommen können.

„Unsere Probleme beginnen damit, dass wir nicht zuhause bleiben“ (Blaise Pascal) –
Der Kartäusermönch Fried Adelphi blieb ganze 25 Jahre zuhause, ehe er seine ihm so vertraute Klosterumgebung gegen die Welt außerhalb eintauscht. Gezwungenermaßen, denn der 100-jährige Pachtvertrag des Schweizer Klosters läuft aus und zu allem Übel befindet sich dessen Besitzerin weit weg, irgendwo in einer Vulkangegend mitten in East-Java. So sitzt Fried im Flugzeug Richtung Indonesien, ausgestattet mit Tropenhelm und Leinengewand, Geld und Kreditkarte. Das Leben kann beginnen – und mit ihm die Probleme.

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Spiel mir das Lied vom Tod

Ein Spiel mit dem Tod ist dieser Film allemal. Mit dem Western hat er dennoch wenig zu tun. Viel eher mit dem Manierismus, einer Stilepoche zwischen Hochrenaissance und Frühbarock, jenem Übergang vom Streben nach Vollkommenheit und Harmonie zu barocker Üppigkeit. Manieristische Vorlieben finden im Regisseur Peter Greenaway ihre Entsprechung: Überraschungen, Widersprüchlichkeiten, Skurrilitäten und Groteskes. Allem voran aber die Allegorien, als ein „etwas anderes Sagen“. Der Film „Drowning by Numbers“ („Verschwörung der Frauen“, 1988, GB) ist voll von diesen. Bedeutungsgeladene Darstellungen, intellektuelle Spielereien und Anspielungen – ein Rätsel nach dem anderen, das entschlüsselt werden will. Oder aber man lehnt sich einfach zurück und frönt dem Schauspiel:

Der Sternenhimmel. Darunter ein seilhüpfendes Mädchen mit auftoupiertem, langem Haar und barockem Kleid – die lebendig gewordene Figur von Velázquez’ Malerei der Infantin Margaretha Theresa nämlich. Das Mädchen blickt in den Himmel, zählt laut die Sterne: „Eins – Antares, zwei – Capella, drei – Canopus …“. Bei „Hundert – Elektra“ hört es auf. „Wieso zählst du nur hundert?“ fragt eine vorbeikommende Frau. „Hundert sind genug. Wenn man bis Hundert gezählt hat, sind alle anderen Hundert gleich.“
Die Frau, Cissie Collpits, geht weiter durch die Nacht, am Weg nach Hause, vorbei an einem Baum, der in weißer Farbe die Nummer Eins trägt. Nummer Zwei ist an einer Badewanne angebracht, in der sich gerade ihr Mann, der Gärtner Jake, mit einer anderen Frau vergnügt. In der nächsten Szene wird Cissie ihn darin ertränken.

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Scheiß auf die Guten

Als Erwachsene ist uns die Spielwelt der eigenen Kindheit längst abhanden gekommen. „Wir verbieten uns das Spielen, außer wir zahlen dafür“, meint Antonin Svoboda in einem Interview. Das Casino, als institutionalisierter Spielraum, kann einem dabei schnell zum Verhängnis werden: Spielsucht ist lediglich ein Thema in Antonin Svobodas 2005 erschienenen Film „SPIELE LEBEN“. Vielmehr handelt der Film von einer Person, die das Leben sucht.

„I hob gheart, Gott würfelt nicht, oba sama se ehrlich, schauts ned genau danach aus?“ – Kurt (Georg Friedrich) weiß nicht, was er vom Leben will, oder das Leben eigentlich von ihm. Da ist es beruhigend zu glauben, dass selbst Gott planlos und willkürlich einem System des vollkommenen Zufalls gehorcht.
Jegliche Systeme im eigenen Leben Kurts scheitern, ob die Langzeitbeziehung mit der Krankenschwester Manu (Gerti Drassl), die sich und ihren Liebsten in einem geordneten Lebensweg sieht, ihr Geld auf eine größere Wohnung spart und vom gemeinsamen Kind träumt. Oder Kurts eigener Traum vom großen Geld im Casino, angetrieben durch die Lust am Spiel, immer dabei ein kleines Notizheftchen mit Zahlenkolonnen, die das System knacken, das Roulettespiel am Casinotisch durchschaubar machen sollen.

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Über das Recht auf Unrecht

Krzysztof Kieslowskis Film „Drei Farben Rot“ (1994) ist der letzte Teil seiner Farben-Trilogie, nach „Drei Farben Blau“ (1993) und „Drei Farben Weiß“ (1994). Ein Film, der die Aussagekraft des Kinos bestätigt.

Eine Hand ergreift den Hörer, die andere drückt die Tasten. Man hört das Anwählen des Apparates. Und sieht den Weg der Töne, von einem Apparat zum nächsten: Die Kamera gleitet das Telefonkabel entlang, bis zur Wand. Wir sind im Kabel, alles dreht sich, Farben und Formen verschwimmen, Schnelligkeit. Kabelrohre führen uns ins Wasser, und wieder heraus, hinein in unterirdische Schächte, bis ans andere Ende. Besetzt.
So beginnt Krzysztof Kieslowskis Film „Drei Farben Rot“.

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