Film

There are no rules

Die alljährliche Viennale macht den Herbst zur schönsten Zeit im Jahr. Zumindest für Filmbegeisterte. Um 11 Uhr vormittags im Kinosessel versinken, Rumkugeln essen „en masse“, hoffen auf einen guten Film. Keinesfalls enttäuschend war „Mogari no mori“, ein Film der japanischen Regisseurin Naomi Kawase. In Cannes gewann der Film den großen Preis der Jury. Bleibt zu hoffen, dass der überaus sehenswerte Film auch regulär in die heimischen Kinos kommt…

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Rezension: Dark Star

Von philosophierenden Bomben und aufgeblasenen Außerirdischen

Eine Bombe, die Descartes zitiert und ihre eigene Existenz anzweifelt, ein wasserballähnlicher Außerirdischer mit sadistischen Zügen, ein toter, eingefrorener Commander und eine lethargische Vier-Mann-Crew treiben im Raumschiff „Dark Star“ durch die unendlichen Weiten des Weltalls. John Carpenter ist mit seinem 1974 realisierten Spielfilmdebüt „Dark Star“ ein durchgeknallter Science-Fiction-Film gelungen. Eine Hommage an Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ und Beispiel für einen Film, dessen Kultstatus mehr als berechtigt ist.

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Rezension: Thank you for Smoking

Der Lobbyist Nick Naylor hat es nicht leicht. Allein auf wei­ter Flur muss er die Tabakindustrie ge­gen Ge­sund­heits­­­or­ga­­nisationen, besorgte Mütter und Se­­na­toren, die mit an Lun­­genkrebs erkrankten Kin­dern „be­waffnet“ in Talk­shows antreten, be­schützen.
Doch mit „moralischer Flexibilität“ von Na­­tur aus ausgestattet, sind selbst solche Schwierigkeiten leicht zu bewältigen. Und wenn es mal wirklich hart auf hart geht, kann Nick noch seelischen Beistand bei seinen Freunden vom „MOD-Squad“ (Merchants Of Death) – ihres Zeichens Beauftragte der Alkohol- und Waffenindustrie – suchen.
Es ist bemerkenswert, dass in einem ein­einhalbstündigen Film, in dem sich pausenlos alles ums Rauchen dreht, keiner der Darsteller je auf die Idee kommen würde, selbst nach einem „Vitaminstangerl“ zu greifen.
Der Regisseur schafft es, selbst bei den Nichtrauchern unter den Zusehern Ver­ständnis und sogar Mitgefühl für die arme, von allen Seiten verteufelte Tabakindustrie aufkommen zu lassen. Es klingt ja auch wir­klich plausibel, dass diese um die Gesundheit ihrer Kunden sehr besorgt ist, da tote Rau­cher bekanntlich keine kaufkräftigen Kon­sumenten mehr sind.
In einer Zeit, in der die Behandlung „ernster“ Themen oft in Moralisierungen ausartet, ist Thank You For Smoking eine erfrischende Ausnahme. Nicht durch endlose Belehrungen, sondern durch witzige und schlagfertige Dia­loge wird gezeigt, wie sehr man durch gute Rhetorik Menschen beeinflussen kann.
Was wir aus diesem Film gelernt haben: Wer raucht, wird erschossen; nur Gangstern, Psychopathen und rückständigen Europäern sei dieses Laster zurzeit noch vergönnt.
Für diese Leistung erhält Thank You For Smoking 4 von 5 Bagger-Tschik. al&ez

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Rezension: Smoke und Blue in the Face – Welcome to Planet Brooklyn

Schriftsteller Paul Auster, bekannt für seine literarischen Verwirrspiele (Stadt aus Glas, Buch der Illusionen etc.), und Regisseur Wayne Wang haben sich 1995 zusammengetan, um zwei Filme über einen Tabakladen, vor allem aber über den New Yorker Stadtteil Brooklyn zu machen.

Auggie Wren (Harvey Keitel) ist Verkäufer in einem kleinen Kiosk in Brooklyn. Smoke erzählt Geschichten von ihm und seinen Kunden und Freunden. Da gibt es den Schriftsteller Paul Benjamin (William Hurt), der versucht, den Tod seiner Frau zu überwinden, oder den gewitzten Jugendlichen Rashid Cole (Harold Perrineau Jr.) auf der Suche nach seinem Vater. Der Tabakladen ist gleichzeitig sozialer Treffpunkt wie Zentrum bzw. Ausgangspunkt der verschiedenen Erzählstränge.

Meist an Originalschauplätzen gedreht, wird die Handlung in ruhigen Bildern, mit viel Humor und großer Sympathie für jede einzelne Figur erzählt. Es ist ein Film der kleinen Schicksale und nicht der großen Helden, aber durch die zurückhaltende Kamera und das extrem gute Spiel von Schau­spielern wie William Hurt, Harvey Keitel und Forest Whitaker gehen die kleinen, auf den ersten Blick vielleicht unwichtig erscheinenden Episoden dem Zuschauer nahe. Zwischen den unterschiedlichen Episoden werden nicht zu viele unnötige Zusammenhänge konstruiert und es gibt auch am Ende kein außerordentliches Ereignis, welches alle Stränge zusammenführt, wie z.B. in Magnolia. Dafür steht am Schluss eine der schönsten Weihnachtsgeschichten, die traurigschöne Begegnung Auggies mit einer alten, blinden Frau.
Smoke ist ein schönes filmisches Beispiel dafür, wie sich im Kleinen das Große abbilden lässt. Die Episoden rund um den Tabakladen geraten zu einer verschrobenen, nichts beschönigenden Hommage an Brooklyn und seine Charaktere.

In Blue in the Face, eine Art Fortsetzungsfilm zu Smoke, gibt es weitere Szenen in Auggies Tabakladen zu sehen, die in Smoke keinen Platz mehr fanden. Vom beinahe gleichen Team in nur sechs Ta­gen gedreht, unterscheidet sich Blue in the Face atmosphärisch stark von Smoke: Die Situationskomik überwiegt, das Schauspiel ist meist improvisiert, dadurch drehen sich viele Szenen und Gespräche im Kreis, lustvoll wird Small Talk geführt. Außerdem wird mehr geraucht und noch mehr darüber geredet. So erinnert der Film in seiner lakonischen Handlung ein wenig an Coffee & Cigarettes.
Aber das Geschehen bleibt nicht auf den Tabak­laden beschränkt. Manchmal werden Interviews mit „echten“ Bewohnern von Brooklyn, die über sich und ihr Leben in diesem Stadtteil er­zählen, zwischengeschnitten bzw. wird dokumen­ta­risches Material von New York eingeblendet.
Außerdem gibt es einige amüsante Gastauftritte zu sehen: Jim Jarmusch raucht mit Auggie im Tabakladen seine letzte Zigarette und fragt sich, warum alle Nazis in Hollywoodfilmen auf die gleiche Art rauchen, Lou Reed erzählt von seinem Leben in Brooklyn und warum er sich in Schweden fürchten würde, Michael J. Fox ist verrückt und macht ebenso verrückte Umfragen („Schaust du dir deine Scheiße nach dem Kacken an, ja oder nein?“) und Roseanne ist eine unglückliche Ehefrau, die unbedingt nach Las Vegas will.

Besonders im Doppelpack sind die beiden Filme sehr empfehlenswert. Die DVD-Box mit Smoke und Blue in the Face hat aber leider außer der Selbstverständlichkeit des englischen Originaltons kein Zusatzmaterial zu bieten.

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