Literatur

Johanna Walser „Die Unterwerfung“ (1986)

Die UnterwerfungSprachmächtige Bücher verdienen auch 25 Jahre nach ihrem Erscheinen eine nachdrückliche Empfehlung. Johanna Walser, der Tochter Martin Walsers, ist ein solches besonderes Buch, eine schmale Erzählung, geglückt.

Sie handelt von Lisa, einer jungen Frau, die in der Welt der fremden Sprachen den ihr eigentümlichen Selbstausdruck findet: „Sie erschrak. Es war ziemlich schwierig, wenn man das über sich wusste, was diese Sätze sagten. In fremden Sprachen musste sie anscheinend von sich und dem, was sie erlebt hatte, sprechen; es wäre unangenehmer gewesen, sich diese Sätze in ihrer eigenen Sprache vorzusprechen.“

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Bio-Fibel

biofibelAls „Lehrbuch, das das Grundwissen eines Fachgebietes vermittelt“, ist im Duden – Das Fremdwörterbuch („Not­wendig für das Verstehen und den Gebrauch fremder Wörter“, wie es im Titelzusatz heißt) das Wort „Fibel“ definiert. Das Akronym FiBL findet sich hingegen nicht im Duden – dahinter verbirgt sich das Fachinstitut für Biologischen Landbau, dessen österreichischer Zweig seit dem Jahr 2008 eng mit dem Freiland-Verband (ehem. Kritische Tiermedizin) kooperiert, welcher seinerseits seit letztem Jahr die viermal jährlich erscheinende Zeitschrift Bio-Fibel herausgibt.

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Groar macht der Bär

groarKinderbuchrezension eines schnarchenden Vaters

Wenn mein zweijähriges Kind am Topferl sitzt, dann will es auch manchmal Bücher um sich haben, die es während seiner Ausscheidungstätigkeit studieren kann.
Einer dieser in die Ritze zwischen Waschbecken und Badezimmerkasterl geklemmten Kinderschmöker heißt „Groar macht der Bär“ von Norman T. Grant, erschienen im Kyrene Verlag.
Was an dem Werk wortwörtlich ins Auge sticht, sind die expressionistisch-schrillen, aber trotzdem sympathischen Illustrationen von Christian Yeti Beirer.

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Velosophische Betrachtungen

Velosophie Im Jahr 1973 war die Welt noch in Ordnung. Die kalten KriegerInnen waren einigermaßen entspannt, Michaela Dorfmeister, später zweifache Olympiasiegerin und Weltmeisterin, erblickte im März dieses Jahres das Licht der Welt, mehr als eine Milliarde Menschen verfolgten das erste weltweit via Satellit ausgestrahlte Live-Konzert, und zwar nicht irgendeines, sondern Elvis‘ Aloha from Hawaii, der Heilige Stuhl brachte ein Konkordat mit Rheinland-Pfalz unter Dach und Fach. Österreich machte laut Wikipedia nicht weiter von sich reden, dafür jedoch Francis Ford Coppola, der für den ersten Teil von Der Pate sowohl den Golden Globe für bestes Drama und beste Regie als auch den Oskar für den besten Film erhielt. Außerdem wurde das World Trade Center eröffnet. Alles hätte so schön sein können.

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Takis Antoniou: Die Apokalypse

(dahlemer Verlagsanstalt, 2000)

die Apokalypse Ein schmaler Band provoziert einen Haufen Fragen: Warum eine zweite kaum klarer formulierte, kaum konkretere Apokalypse als das Original der Bibel lesen? Warum eine eigenartige Anlehnung ans Original demselben vorziehen, das Glossar ist voll mit Verweisen auf Referenzstellen bei Johannes – was bringt Antoniou Neues? Was bezweckt Antoniou denn mit diesem Bändchen, das leider unkommentiert Dürer-Stiche mit aufnimmt und so den Versen zum Untergang der Welt wohl besonderes Gewicht verleihen will? Apokalyptische Literatur als worst case scenario kommt in der Regel episch daher – das lyrische Wagnis lässt aufmerken: doch was sagt es?

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Fließende Identitäten

EbruDer Fotograf Attila Durak begibt sich in seinem Buch „Ebru“ auf die Suche nach den vielfältigen kulturellen, religiösen, sozialen und ethnischen Identitäten der Türkei.

Ebru bezeichnet eine traditionelle, im Osmanischen Reich gebräuchliche Maltechnik, bei der man in Wasser gelöste Aquarell-Farben auf Papier aufträgt – die so entstehenden, wolkigen Marmor-Muster scheinen beständig in Fluss zu sein, schwebende Ornamente, die immer neue Formen hervorbringen. Für den 1967 in Gümüşhane im Nordosten Anatoliens geborenen Fotographen Attila Durak bedeuten die fließenden Muster in der farblichen Vielgestalt eines Ebru jedoch mehr als dies: Er begreift sie als Sinnbild für kulturelle Vielfalt, das besser als jede andere Metapher die fließenden Identitäten der verschiedenen ethnischen Gruppen in der heutigen Türkei sowie das Erbe früherer kultureller Einflüsse widerspiegelt.

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Besser Schlampe als gar kein Sex. Intimer Schriftverkehr

Ich liebe Sex. So fängt dieser sinnliche Genuss von einer Lektüre an. Barbara Balldini, diplomierte Sexualpädagogin, die mit ihrer Familie in Vorarlberg lebt, Kabarettstücke verfasst und ein Sexualberatungs- und Tantrainstitut leitet, schrieb hundert süße Seiten über die höchste Wonne der Menschen.

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Fund im offenen Bücherschrank: „Nachtzug nach Lissabon“

Nachtzug nach LissabonDiese Kritik will gleich zweierlei: Aufmerksamkeit für den offenen Bücherschrank im 7. Wiener Gemeindebezirk und ein darin gefundenes Buch schaffen. Beginnen wir mit dem Bücherschrank – an der Haltestelle der Straßenbahnlinie 49 Höhe Zieglergasse/Schottenfeldkirche findet man seit einigen Wochen ein mit Plexiglastüren versehenes stabiles Regal, in dem Bücher ausgesetzt (ganz ähnlich der bookcrossing.com-Idee) bzw. kostenlos mit nach Hause genommen werden können. Es herrscht immer reger Betrieb unweit der strategisch gut platzierten Buchtauschbörse, die mit einmaligen „Geschäftszeiten“ – nämlich rund um die Uhr – wuchern kann. Und trotz mancher gieriger Saboteure, die die schöne Idee ad absurdum führen, indem sie gleich sackweise weiterverkaufstaugliche Bestseller wegtragen, sind immer verschiedenartige Bände auffindbar.

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Der Spiegel – Sturmgeschütz oder Spritzpistole?

Spiegel Nr. 1Nachdem in der letzten Ausgabe an dieser Stelle das Vierblättrige Kloblatt vorgestellt wurde, scheut der Bagger auch diesmal den Vergleich mit der Kollegenschaft im Zeitschriftenständer am statistisch gesehen beliebtesten Örtchen zur Lektüre des Baggers nicht. Denn erst der Blick über den Spiegelrand macht wirklich sicher – und im Spiegel der anderen erkennen wir uns selbst.

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Vierblättriger Glücksfund

kurze BeschreibungAbonnentInnen haben ja manchmal interessante Bedürfnisse. So wurden wir zuletzt gebeten, immer zwei Ausgaben zu senden – eine fürs Archiv und eine fürs WC. Wenn wir auch solchen Bitten (gegen kleine Aufzahlung) natürlich gerne nachkommen, so fragen wir uns dennoch: In welche Gesellschaft gerät da der Bagger wohl???

Deshalb gibt’s nun eine neue Serie. Jedes Mal stellen wir eine in dieser Umgebung potentiell anzutreffende Konkurrentin unserer Zeitschrift bloß, ähem, vor.

Und weil’s so herrlich passt, nehmen wir uns diesmal gleich „Das vierblättrige Kloblatt“ vor.

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