Literatur

Selbstbewusst und richtig gut drauf!

kurze Beschreibung Wofür ist die bescheidene Beatrice Poschenrieder wohl am dankbarsten? Richtig – „Dass es mich gibt!“ Die besten Voraussetzungen also, um eine Anleitung zu verfassen, wie aus jedem noch so großen Ekelpaket ein absoluter Superstar wird. Nach einer eingehenden Analyse der Ursachen von Unsicherheit kommt zunächst die etwas überraschende Erkenntnis: „Selbstbewusst lebt es sich besser!“ Ein Grund, um sogleich mit dem Zeigefinger zu wackeln: „Kein Mensch ist wirklich wertlos oder langweilig oder blöd, sondern man selbst denkt nur, dass es so ist!“ Mithilfe einiger Übungen sollte das Selbstbild aus dem Keller in schwindelerregende Höhen gehoben werden – etwa durch einen „Brief an Sie“, „so als wären Sie selbst Ihr größter Fan“, oder durch achtmal tägliches Aufsagen von „Ich mag mich“ vor dem Spiegel bis hin zu einer „Das-ist-gut-an-mir-Liste“.

weiter...

Das Glück mitten unterm Unglück

kurze Beschreibung Mitten im größten Unglück – genau dort, wo man meint jetzt ersticken zu müssen, genau dort, wo es nur noch schlimmer werden kann, und auch schlimmer wird, genau dort – ausgerechnet dort – hat das Leben so viel Humor, dass es dem leidenden Menschen einen Perspektivenwechsel gönnt. „Oskar und die Dame in Rosa“ von Eric-Emmanuel Schmitt ist so eine Geschichte, die diesen Perspektivenwechsel beschreibt, so leicht, dass man es nicht glauben kann. Dieses Buch, das ohnehin sehr bekannt ist, aber Wert ist immer wieder in Erinnerung gerufen zu werden, handelt von Oskar, einem zehnjährigen Buben im Krankenhaus, der Krebs hat und bald tot sein wird.
Oskar weiß, dass er bald tot sein wird, aber das ist nicht sein Problem.

weiter...

Alex Capus: Der König von Olten – Ein Reigen charmanter Geschichten aus der Provinz

kurze Beschreibung Der Schweizer Knapp-Verlag veröffentlichte unlängst eine Auswahl von Capus’ kleinen Geschichten und Zeitungsartikeln, die sich allesamt dem Ort Olten widmen. Soll man das jenseits der Kantonsgrenzen von Solothurn wirklich lesen? Allen Oltnern sei die Lektüre freilich zugestanden, egal ob sie in Capus den liebevollen Miniaturisten oder doch eher den Nestbeschmutzer sehen – sie haben einen Bezug zum Geschriebenen. Aber wir Nicht-Schweizer? Können wir profitieren? Von leichten schwebenden Geschichten, die schön geschrieben sind, abgerundet und milde den Alltag in der Provinz skizzieren? Können wir im Oltner Geschehen das Allgemeine der Kleinstädtigkeit wieder erkennen und uns lächelnd denken: „Ja so ist das Leben fernab der großen Stadt“? Ja, können wir.

weiter...

Literarisch in die Ferne schweifen

Seefahrtsbücher von Zweig und Ransmayr im Vergleich

Eine eigentümliche Leseerfahrung liegt hinter mir: Zunächst machte ich mich mit dem Portugiesen Magellan auf in Richtung der Gewürzinseln, später folgte ich (dem Jahreszeitenwechsel gemäß) den Österreichern Payer und Weyprecht in die Weiten des Eismeers. Ein Lesebericht.

Inzwischen weiß ich mehr über entbehrungsreichen Seefahrten, die in ihrer Zeit herausragend waren. Beide Autoren, Zweig („Magellan. Der Mann und seine Tat“, 1937) und Ransmayr („Die Schrecken des Eises und der Finsternis“, 1987), werden nicht müde, dem Leser eindringlich klar zu machen, was es damals (im Gegensatz zum jegliche Form der Mobilität für selbstverständlich erachtenden Heute) bedeutete, eine solche Reise zu tun.

weiter...

Die Ballade von Marie und dem ewigen Regen

2006 ist von Vincent E. Noel ein Text erschienen mit dem Titel „Die Ballade von Marie und dem ewigen Regen“ mit seiner eigenen Umschlagsgestaltung, die den Namen „Solitude (Monodie#3) sans soleil“ trägt. Und was das Bild des Umschlages zeigt, ist Programm, denn der Text ist das System der Einsamkeit geschrieben wie in einem Guss.

weiter...

Buchtipp: „Spirale“(1956) von Hans Erich Nossack

Ein freundschaftliches Korrekturlesen brachte mich erstmals in Kontakt mit der literarischen Welt von Hans Erich Nossack(1901-1977). Die Verfasserin der zu sichtenden Abschlussarbeit ging der Frage nach, ob Nossacks existentiell zu nennende Schreibe vor allem von Sartre oder Camus geprägt ist oder ob ihn die kriegerischen Zeitumstände zu dem machten, was er ist: ein glasklarer Denker und Beobachter menschlicher (Innen- und Außen-) Welten. Besonders sprachgewandt wandte er sich in dem Band „Spirale“ der Sprache, dem Bewusstsein, dem Sein zu.

weiter...

Der gesuchte Suchende

Der Italiener Tabucchi, Professor für portugiesische Sprache und Literatur, ist einer der Schriftsteller, die man wegen der rastlosen Ruhe ihrer Texte bewundern muss. Wer sich fragt, was denn „rastlose Ruhe“ sein soll, der möge bitte einfach Tabucchi lesen – es ist schwer, seinen Stil anders zu beschreiben. Er schreibt, als ob er nichts Besonderes zu sagen hätte, aber gleichzeitig liefert er einen Plotpoint nach dem anderen ab. Sein Buch „Erklärt Perreira“ ist sogar 1955 mit Marcello Mastroianni in der Titelrolle verfilmt worden.

weiter...

„Der Fuchs und der Igel“ – der große Tolstoi-Essay von Isaiah Berlin

Isaiah Berlin (1909–1997) erlebt dieser Tage verstärkte und berechtigte Aufmerksamkeit. Anlass ist sein 100. Geburtstag und der aus Riga stämmige Gelehrte, der via Russland mit seiner Familie nach England emigrierte, wird deshalb von der Essayistenzunft neuerlich portraitiert. Berlin, ein u.a. lange Jahre in Oxford lehrender Philosoph, äußert sich in seinen zahlreichen Schriften stets sehr gut verständlich zu Fragen der Ideengeschichte. Aber auch die Literatur, v.a. die „Russischen Denker“ (1978, engl. Original – 1995 dt. Fischer) leuchtet Berlin aus einer Metaebene heraus aus – die „russischen Aufsätze“ waren meine sommerliche Lektüre. Besonderes Interesse bringt Berlin hier Tolstoi gegenüber auf – den er im „Fuchs und Igel-Aufsatz“ seinen Lesern als zerrissene Existenz vorstellt.

weiter...

Michael Chabon: Die Vereinigung jiddischer Polizisten. dtv, München: 2009

Detective Landsman vom Morddezernat des Distrikts Sitka ist wegen seiner Ermittlungsmethoden berüchtigt, dem Alkohol verfallen und beruflich wie privat eher auf dem Weg nach ganz unten.

weiter...

Montaigne heute wieder lesen – mit der Anleitung von Greffrath?

„Montaigne heute. Leben in Zwischenzeiten“, so heißt ein Buch, das Michael Greffrath schon vor 25 Jahren unter anderen weniger verkaufsförderlichen Titeln publiziert hat und das mir in einer Abverkaufsbuchhandlung (so weit kommt es also in „Zwischenzeiten“) in die Hände fiel. Und nicht nur wegen des in unseren Zeiten sehr ansprechenden Titels schlug ich zu.

weiter...

Seiten

RSS - Literatur abonnieren