Literatur

Ralf König: Prototyp

„Vitamin C, Kalium, Pektine, Fruktose, Flavonoide, Phenolsäuren, Erkenntnis.“

Das sind die Inhaltsstoffe eines Apfels, aufgezählt von einer Stimme aus dem Himmel. Dabei ist die Erkenntnis nur durch einen göttlichen Betriebsunfall hineingeraten; fatalerweise, denn nachdem Adam in den Apfel gebissen hat (die gehörnte Schlange mit Namen Luzi kann natürlich nichts dafür), wird er sehr nachdenklich, zitiert abendländische Philosophie von Epikur bis Hoimar von Ditfurth und verfällt dem Atheismus. Zwangsläufig, würde ein Richard Dawkins meinen – in diesem Fall aber ein klarer Irrtum: Adam teilt sich die Comicseiten nicht nur mit dem Teufel, sondern auch mit Gott. Und (hallo, Darwin!) mit allerlei Getier, zum Beispiel einer Kurzhalsgiraffe.

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Die rettende Lüge der Poesie

Es ist ein Weilchen her, seitdem „Späte Spiele“ von Luis Landero das erste Mal auf Deutsch erschienen ist. 1995 wurde dieses unglaubliche Buch bei Fischer Taschenbuch verlegt, und es ist wahrlich nicht übertrieben formuliert, wenn man diese 492 Seiten unfassbar klug und großartig nennt. Erfundene Prosa der allerfeinsten Sorte wird einem in einer Sprache präsentiert, die in langen Sätzen einen Gedanken nach dem anderen labyrinthisch zu erzählen vermag.

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Lukian von Samosata: Wahre Geschichten

Lukian„Wer aber nicht glaubt, daß es sich wirklich so verhält – wenn er eines Tages selbst hinkommt, wird er merken, daß ich die Wahrheit sage.“

Jules Verne? Douglas Adams? Michael Ende? Lewis Carroll, L. Frank Baum und die ganze SciFi- und Fantasy-Clique der letzten paar Jahre? Alles Nachmacher. Das Original, dem sie alle Tantiemen zahlen sollten, ist Lukian (geboren ca. 120 n. Chr. im heute türkischen Samsat, das er selbst Samosata nennt) mit seinen Wahren Geschichten. Er war lang vor Dante im Paradies und in der Hölle, und im gar nicht so unwohnlichen Bauch eines Riesenwalfischs hat er länger überlebt als Pinocchio. Andere waren nur auf dem Mond: Lukian hat die Zivilisationen auf Sonne und Mond erkundet, Pläne für die Besiedlung des Morgensterns mitbesprochen und ein vom Schützen (dem Sternbild!) befehligtes Heer aufmarschieren gesehen. Sagt er jedenfalls.

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Richard Powers: „Der Klang der Zeit“

Wenn ein Vogel und ein Fisch sich ineinander verlieben.

2003 erschien Richard Powers Roman „The Time of our Singing“, der 2004 vom Fischer Verlag mit dem Titel „der Klang der Zeit“ auf Deutsch verlegt wurde.

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Silbergraue Fantasielosigkeit

Yoda Darf man Science Fiction und Fantasy in einen Topf werfen? Und darf man über Dinge lästern, die man nur aus der Ferne kennt?

Sie tragen klangvolle Namen und beeindruckende Schwerter, ernste Mienen und oft und gerne langes Haar. Die Welt soll gerettet werden, eine Reise in ferne Sterne steht an, ein Krieg bricht aus. Des Helden Antlitz blitzt in der Sonne, mit Wonne sticht er zu und sagt, was man in solchen Situationen halt sagt, etwas Pathetisches, Denkwürdiges, das haften bleibt. Was genau an Fantasy fantasievoll sein soll, ist mir schlicht schleierhaft, die müden Verfremdungsversuche wirken dermaßen bemüht, dass man peinlich berührt den Fernseher abschaltet beziehungsweise das Buch zuklappt.

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Alessandro Baricco: Diese Geschichte

Über seltsame Figuren von großer Traurigkeit.

Spätestens seit der Verfilmung des Buches Novecento ist Alessandro Baricco über die Grenzen Italiens hinaus bekannt. Seine Bücher Land aus Glas, Seide oder Oceano Mare sind in mehrere Sprachen übersetzt worden und machten Baricco zu einem der interessantesten zeitgenössischen Schriftsteller Italiens. Baricco, der 1958 in Turin geboren wurde, studierte Philosophie und Musikwissenschaft und unterrichtete später an der von ihm gegründeten Schule für kreatives Schreiben (Scuola Holden). Er lässt 2005 mit seinem neuen Buch Questa Storia aufhorchen, das 2008 endlich auch ins Deutsche übersetzt erschienen ist.

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Ein Cola für die Menschlichkeit

„Barren, silent, godless … Everything paling away into the murk.“

Vater und Sohn, beide unbestimmten Alters, kämpfen sich durch die Asche eines zerstörten Amerika südwärts, um den Winter zu überleben. Sie sind nicht die letzten Menschen, aber fast alle anderen sind „die Bösen“. Es gilt: Hai frißt Hai, keiner hilft keinem. Ungefähr das steht in Cormac McCarthys Roman „The Road“ (dt. „Die Straße“, ausgezeichnet mit dem Pulitzer Prize for Fiction 2007).

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Ana hod imma des Bummerl ...

Das Schicksal literarischer Klassiker ist die Tatsache, dass sie zwar jedermanns Wertschätzung als Kulturgut an sich genießen, jedoch meist ungelesen verstauben. Und das ist verständlicherweise das Traurigste, was einem als Buch passieren kann.

Als uns seinerzeit in der Phase des pubertären Sturm und Drang Goethe, Schiller und Konsorten im intellektuellen Reclamformat entgegenstaksten, hinterließen sie einen eher eigenartigen Nachgeschmack. Irgendetwas zwischen Revolution und Wanderliedern, zwischen wogenden Ähren auf lichtdurchflutetem Felde und den unheilbaren Seelenqualen eines verschmähten Herzens, denen nicht selten Gewaltakte folgten.

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Mittleres Dutzend, schwarz, ungerade

„Точно: мелкая корысть и крупная корысть – не всё равно. Это дело пропорциональное.“

„Warum hat Goethe den Werther geschrieben?“ „Er hat schon den Vorschuß vom Verleger darauf gehabt, da hat er ihn doch auch schreiben müssen; und das Geld hatte er schon längst ausgegeben.“ – Im Fall des Werther war das boshafte Häme von Egon Friedell. Dostojewskijs Spieler (Игрок, Erstdruck 1867) wurde aber wirklich so geschrieben; und das Geld war nicht vielleicht versoffen, sondern verspielt, beim Roulette – womit nicht nur der Entstehungsgrund, sondern auch der Inhalt des „Romans“ (eher Novellchens) und seiner wenigen halbwegs lebensnahen Szenen zusammengefaßt ist.

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Rezension: Wolfgang Tschirk - Vom Spiegel des Universums. Eine Geistesgeschichte der Mathematik.

kurze Beschreibung „Naturwissenschaftliche Theorien kommen und gehen.[…] Ganz anders ergeht es da der Mathematik.“ Wolfgang Tschirks logisches Nachfolgewerk des Buches „Vom Universum – eine Geistesgeschichte der Physik“ lädt zu einer Zeitreise durch die Geschichte einer Wissenschaft, die heutzutage w

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