Fortsetzungsgeschichte

Von einem Fortsetzungsromanen kennt man doch höchstens immer nur einen Teil; den man etwa aus Langeweile zufällig im Wartezimmer des Fußpilzarztes liest oder in einer im Zug liegengelassenen einschlägigen Zeitschrift. D. Verf. selbst ist es noch nie geglückt, zwei aufeinanderfolgende Teile ein und desselben Fortsetzungsroman zu finden. An dieser Stelle werden Sie also jedes Mal irgend einen Teil irgend eines Fortsetzungsromans finden – aber eben niemals die Fortsetzung (hier würde ich sehr gerne das Wort „Versatzstücke“ einbringen – was hiermit geschieht). Die können Sie sich, genauso wie die Vorgeschichte, nach Belieben selber zusammenreimen; Ihrer Phantasie sind dabei, anders als im regulären Fortsetzungsroman, keine Grenzen gesetzt.

Wo ist bloss die frau Haselbach?

frau haselbach

Auszug aus einem Kriminalroman an dem der Autor gescheitert ist, aber ein wenig Alkohol, ein wenig Drogen und wer weiß? Vielleicht werdens ja mal die Brüder Karamasoff. Der Autor schämt sich für diesen Vergleich.

Frau Haselbach war gerade 83 Jahre alt geworden, und dabei immer noch sehr rüstig. Sie stand jeden Morgen um etwa sieben Uhr auf und legte sich um elf am Abend schlafen. Rhythmus war wichtig in ihrem Leben, und sie versteifte sich mit zunehmenden Alter darauf, einen exakten Tagesablauf einzuhalten. Frau Haselbach war überzeugt, dies wäre der Grund für ein langes, gesundes Leben.

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Vom Büßen und Beichten

Eine Dorfgeschichte –Teil III

Nachdem eingangs die dubiosen Machenschaften des Heidenröser Bürgermeisters geschildert wurden, setzen wir im dritten Teil mit der Geschichte des Dorfpfarrers fort.

Noch aber blieb Pater Ambrosius’ kleine Landpfarre Heidenrös von größerem Unheil verschont. Hier fand man sich sonntagmorgens noch in der Kirche zur Heiligen Messe ein und nicht etwa bei Freunden zum Brunch, zwängte man sich anlässlich der Fronleichnamsprozession noch in die Krachlederne respektive ins Balkonett, hier musste man sich als Erstkommuniant während der Beichte noch Sünden ausdenken, damit man überhaupt etwas Gescheites zu beichten hatte – auf diese Weise lernte man schon einmal das Lügen; das Fürchten lernte man anschließend, wenn der alternde Ambrosius sich im staubigen Halbdunkel der Sakristei (der Beichtstuhl war seit Jahren wegen Restaurationsarbeiten außer Betrieb) über einen beugte und mit zitternder Stimme auf einen einredete, in einer unbekannten Sprache, ego te absolvo a peccatis tuis, während man selbst ängstlich zwischen den in Reih und Glied aufgehängten Kutten und Messgewändern und dem gestikulierenden Pfarrer hin und her schielte und einem in der muffigen Atmosphäre der Atem stockte.

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Das Verstummen

© Myriam ParthFolge 153

Wir setzen das Endzeit-Drama vom Untergang der Menschheit fort und begleiten Ruth weiter auf dem Weg, der sie die letzte ihrer Art werden lassen wird.

Noch immer war die Quelle der Strahlung nicht lokalisiert worden, doch man hatte die Strahlung selbst in den entlegensten Winkeln der Welt bereits gemessen. Bevor alles aus dem Ruder zu laufen begann, hatte die NASA noch eine Messung im Weltraum vorgenommen und auch dort war annähernd die gleiche Intensität festgesellt worden, wie an jedem Ort auf der Erdoberfläche.

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Ite, missa est.

Aus Kapitel IV, Tröstung des Elia.

> 03. Oktober. Heute war der schon vierte Gottesdienst mit dem neuen Pfarrer und er hat mich wieder nicht darauf angesprochen. Ich soll ihn Dietmar nennen, er ist mit allen Messnerinnen per du, sagt er. Die Leute zerreißen sich die Mäuler, manche fragen mich auch, ob es stimmt. Die meisten glauben der offiziellen Version. Er war ja auch ein guter Pfarrer. Beim Steinhauser Begräbnis am Donnerstag ist die junge Witwe in Ohnmacht gefallen. Die Blumen waren wieder sehr schön, ich hab Lob bekommen. <

Margit beschließt das Wochenende wie immer am Schreibtisch, unter dem sie einen Bottich warmen Laugenwassers zum Einweichen ihrer Hühneraugen bereitgestellt hat. Sie beantwortet einige Briefe, raucht nebenher und nascht Dörrpflaumen. Carlo kennt die sonntägliche Prozedur und wäscht sich geduldig auf der Fensterbank. Es klingelt an der Tür.

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Die Tür zum Keller

Aus der Erzählung Unser Jahr mit Gertrude

kellertürSeit wir in dieses Haus gezogen sind, ließ uns Gertrude, unser ebenso schrulliger wie liebenswerter „Hausgeist“, keine Ruhe … so unschätzbar ihre Hilfe bei der Ribisel-Ernte war, so eigenwillig waren ihre Angewohnheiten, die sie aber keinesfalls aufzugeben gedachte.

Und dann war da noch Gertrudes unerklärliche Angst vor dem Keller, den sie nur in den dringensten Fällen zu betreten pflegte; meist erfand sie aber irgendeine Ausrede, um nicht in den Keller gehen zu müssen.

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Windstille

Liebes Lese-Volk, wir wollen diesmal einen Roman lesen, der – wie vermutet werden darf, aus Faulheit d. Verf.– nicht in einzelnen Kapiteln abgefasst wurde. Daher präsentieren wir den aktuellen Fortsetzungsroman in so genannten Romanfetzen. Herrn Stiglitz kennen Sie ja schon:

Nachdem er jahrelang dem Treiben der anderen zugesehen habe, erzählte Stiglitz bei unserem letzten Treffen, sei ihm plötzlich klar geworden, wie alt er geworden war; seit seiner Jugend habe er seinen Freunden, Brüdern und Bekannten dabei zugesehen, wie sie mit mehr oder weniger Überzeugung einen Weg einschlugen, wie sie sich plagten, wie sie lernten und arbeiteten und die größten Anstrengungen unternahmen, stets ein bestimmtes Ziel vor Augen.

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Die Walverwandtschaft

Folge 7: Im Spiegelkabinett

Jonas betrat das Badezimmer, einen Raum, in dem er seit seinem Einzug noch nicht allzu viel Zeit verbracht hatte. Wozu auch? Ein Ort, an dem die Gesellschaft bis in die Sphären der Intimität vorzudringen pflegt, hatte für ihn wenig Nutzen. Im Bad macht man sich bereit für die Außenwelt, reibt, frottiert, stutzt und legt alles zurecht, was man in Kürze den Blicken der anderen ausgesetzt weiß. Man tritt gleichsam aus sich selbst heraus und betrachtet sich im Spiegel mit den Augen derer, deren Achtung und Anerkennung man erhofft. Dies jedoch verlangt meist erhebliche Anstrengungen.

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Glückwärts. Eine Idylle

Kapitel III b,

in welchem wir, nachdem uns einige Hintergründe nähergebracht, die Familie der Holznerin Katha vorgestellt sowie jene schicksalhafte Veränderung geschildert worden ist, welche durch deren plötzliches Auftreten das bis dahin recht gleichförmige Dasein der jungen Holznerin Katha erschütterte, nun Näheres über die Holznerin Katha selbst erfahren, die nach den darauffolgenden, nicht minder tragischen Wirrnissen und Ereignissen nun – wie im ersten Teil des Kapitels geschildert – ein Leben als Sennin führt.

In dieser Abgeschiedenheit hatte die Sennin Katha also vorerst ihr Glück gefunden, wie sie mir bei meinem ersten Besuch auf der Hütte erzählte.

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Die Mechanik (gekürzt)

Fünftes Kapitel, Teil 1: „Lex prima“

MechanikLesen Sie nun die Fortsetzung unseres ebenso spannenden wie spinnenden Romans. Nach der zugegeben sehr ausführlichen wie wirren Erläuterung der Newton’schen Vorstellungen bezüglich Zeit und Raum bewegen wir uns in diesem Kapitel vorsichtig zu den Grundgesetzen der Mechanik zurück. Die begeleitende freiwillige Lektüre eines Physikbuches ist erfreulich, aber nicht notwendig.

Des Nachts, während seine Gedanken weiter um die Trägheit kreisten, vernahm er nun zeitweilig wieder das summende, bisweilen pochende Maschinengeräusch, welches ihm schon Wochen zuvor aufgefallen war und dem er schon damals, im Bett liegend, mit ruhiger, bisweilen auch gespannter Aufmerksamkeit gelauscht und nachgespürt hatte. Auch jetzt horchte er auf das Geräusch – es schien die unvollkommene Schwärze seines Wohnschlafraumes, die ihm just in diesem Augenblick auffiel, auf provokante Weise zu untermalen, als gelte es, eine unbewegte Szene in lächerlicher Manier zu vertonen.

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Holubarz

Erste Folge: Drei Polnische

Es war ein schöner Tag und die Frau Inge vom Salon Sylvia grüßte ganz besonders freundlich. Holubarz schleppte missmutig den Plastiksack mit den Einkäufen fürs Wochenende nach Hause, während die Vögerl im Beserlpark trillerten, was ihre kleinen Goldkehlen nur her gaben. „Elendiges Geflügel“, schnaubte Holubarz in sein Doppelkinn und ärgerte sich so sehr über diese hundselendigen Kanari, dass er zu allem Überdruss vor lauter Groll fast noch ein Hundstrümmerl übersehen hätte und in selbiges hinein gestiegen wär’.

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