Kultur
Die Welt als Maschine und Vorstellung
Ein literarisches Pendant zur Weltmaschine enthielte mehr Teile und skurrilere Verknüpfungen, als der Leser verkraften könnte. Daher ist dies keines. Schade.
Kürbisäcker, Roßäpfel, Apfelspaliere. Hofhund, drei Handbreit hoch, stolz darauf, denselben Wanderer zum drittenmal zu verbellen; wenn er nämlich auf den Gehirnwindungen der hiesigen Landstraßen im Kreis gelaufen ist. Ein Wald, der nicht aussieht, als könnte die Straße dahinter weitergehen. Trotzdem an der nächsten Gabelung ein Pfeil: „Gsellmanns Weltmaschine“, „Weltmaschine 20 m links“. Es gibt also so etwas wie Ordnung in der Welt – jedenfalls auf dem Gehöft der Gsellmanns, das sich drunten wie ein blankpoliertes Schmuckkästchen in den Hang schmiegt.
→ zum ArtikelPrag, die Roboter-Stadt
Eine dramatische Erzählung, die zwei Geschichten enthält
Mache bei der nächsten Pragreise einen Abstecher von der üblichen Touristenschleuse Wenzelsplatz – Altstädter Ring – Kleiner Platz - Karlsgasse – Karlsbrücke (für die, die Čéchiš lesen können: Václavské nám – Staroměstské nám – Malé nám – Karlova ulice – Karlův most). Die Strecke ist völlig übersät mit Menschen und deine Geldbörse, Kleinodien und die Rolex werden da flügge. Bleib also am Altstätter Ring (dort befindet sich ein Marktplatz) kurz stehen. In der Mitte steht eine übermenschlich große Statue des Bildhauers Ladislav Šaloun, im Volksmund Šalounovo hovno genannt. Es ist Ayatollah Jan Hus, Priester, Reformer, Rektor und Nationalist († 1415) samt Groupies.
→ zum ArtikelSchach dem kleinen Korsen
„Ein wenig Überlegung wird jedermann überzeugen, daß die Schwierigkeit, eine Maschine jegliches Spiel gewinnen zu lassen, kein bißchen größer ist […] als die, sie ein bestimmtes Spiel gewinnen zu lassen.“ (Poe)
Eines Nachmittags im Herbst 1769 führte ein gewisser François Pelletier, halb Physiker, halb Taschenspieler, am kaiserlichen Hof in Wien seine „magnetischen Spiele“ vor; er prahlte damit, daß seine Apparate auf bahnbrechenden Errungenschaften der französischen Wissenschaft beruhten. Pech für ihn: Neben Maria Theresia saß ihr Hofkammerrat Wolfgang Ritter von Kempelen, dessen Hobby mechanische Basteleien waren. Er erklärte ihr während des Programms die Tricks und behauptete keck, er könne etwas bauen, was den Franzosen weit in den Schatten stellen sollte.
→ zum ArtikelPeter Thiessen von der Hamburger Band KANTE
Am 6. Juni 2009 gaben Kante im Rahmen der Wiener Festwochen ein umjubeltes Konzert in einem Innenhof „Am Schöpfwerk“, einem der berühmtberüchtigsten Sozialbauten Wiens. Im Anschluß hab ich mit Peter Thiessen ein wenig über seine Kapelle – die ich spätestens seit „Zombi“ (2004) für eine der besten der Welt halte – über die Musikmacherei sinniert.
Als Einsteig bietet sich natürlich der Rahmen an: die Wiener Festwochen. Diese Frage nach den Hochkultur-Bestrebungen vieler zeitgenössischer Rockformationen mag er nicht so recht. Er sieht da keine grundsätzlichen Barrieren, jedenfalls keine grundlegenden künstlerischen Differenzen.
Der Nino aus Wien – Down in Albern (2009/Problembär)
Mit einem halben Jahr Verspätung hab auch ich es kapiert. Ich muß gestehen, daß ich die erste Platte vom Nino ignoriert hab. Ich hab damals kurz reingehört und fühlte mich schon nach drei Nummern verarscht genug, um „the ocelot show“ lange Zeit nicht mehr zu hören. Das war aber ein Fehler – das vierte Lied war nämlich auch damals ein Geniestreich.
Ernst Molden – Ohne Di (2009/monkey.)
Ernst Molden ist in vielerlei Hinsicht der Schutzheilige der heimischen Musiklandschaft. Auf „ohne di“ hat er seinen musikalischen Dunstkreis ein weiteres Mal ausgedehnt und präsentiert sich nun erstmals regulär mit den Musikern, mit denen er schon in den letzten beiden Jahren mehr und mehr zusammengearbeitet hat.
Ja, Panik – The Angst and the Money (2009/Schönwetter)
Ja, Panik kommen auf Album Nr. 3 in einem ziemlich sexy Outfit daher. War das Vorgängerwerk eher schroff, so wurden die Aufnahmen diesmal etwas aerodynamischer angelegt. Damit macht sich die Band aber nicht nur radiofreundlicher, sondern das steht den Songs auch wirklich sehr gut. Das Klangspektrum macht deutlich weiter auf und verhilft damit der Kontingenz (ich hasse das Wort, aber hier paßt es!) der spechtlschen Zeilen noch mehr zu ihrem Recht als zuvor.
Momma‘s man
Eine filmische Anleitung, wie man sich familiären, beruflichen und sonstigen Verpflichtungen mehr oder weniger erfolgreich entzieht. (USA 2008, Regie: Azazel Jacobs)
Mikey ist Mitte Dreißig, glücklich verheiratet und stolzer Vater, mit seiner Frau und seiner wenige Monate alten Tochter lebt er in Kalifornien. Als er geschäftlich in New York zu tun hat, nützt er die Gelegenheit, um ein paar Tage bei seinen Eltern in Manhattan zu verbringen, in der alten, mit wunderlichen Apparaten, seltsamen Büchern und selbst gebastelten Kunstwerken bis unter die Decke voll geräumten Wohnung, in der er auch seine Kindheit verbracht hat.
→ zum ArtikelWenn Singen weh tut
Über Gerhard Bronners und Helmut Qualtingers satirische Liedtexte, die Macht der Satire und die Gefahr der Umarmung.
Manchmal will man einfach nur ausbrechen. Ob aus einem nur mehr automatisiert ablaufenden beruflichen Alltag, der allzu vertraut gewordenen Lebensgemeinschaft oder dem Meeresurlaub mit Sardinencharakter – das Anderswo verspricht immer schöner und besser zu sein als das Hier und Jetzt. Sollten Sie zu jenen Personen gehören, die Gedanken Taten folgen lassen, sei Ihnen eines ans Herz gelegt: wenn schon Ausbruch, dann bitte stilvoll: Ein Ausbruch darf ruhig zelebriert und von langer Hand geplant werden, sollte im entscheidenden Moment aber dennoch spontan rüberkommen.
→ zum ArtikelVon menschenfressenden Maschinen
Der Beziehung zwischen Mensch und Maschine wird in Charles Chaplins Film „Modern Times“ (USA 1936) kein sehr gutes Zeugnis ausgestellt. Stattdessen zeigt Chaplin, wofür zu leben es sich wirklich lohnt.
Der Einzug der „großen“ Maschinen in die Arbeitswelt hat längst seine Aufregung verloren. Nicht so zu Zeiten der industriellen Revolution. Arbeitslosigkeit, Streiks, Armut stehen in Zusammenhang mit dem beginnenden Industriezeitalter und damit der voranschreitenden Automatisierung von Arbeitsvorgängen. In seinem Film „Modern Times“ setzt sich Charles Chaplin mit den gesellschaftlichen und vor allem den individuell-menschlichen Entwicklungen und Verlusten rund um die Industrialisierung auseinander:



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