Demokratie

Egotrip in die Käuflichkeit

Individualismus und seine Verführbarkeit. Über den unbemerkten Wandel der Demokratie und wie aus BürgerInnen KundInnen wurden.

(Als Grundlage zu diesem Text empfiehlt sich die vor­her­gehende Lektüre des Artikels Un­sicht­bare Re­gierun­gen)

Some socialists seem to believe that people should be numbers in a state computer. We believe, that they should be individuals. We are all unequal, no one, thank heavens, is quite like anyone else […]. And we believe everyone has the right to be unequal. But to us every human being is equally important. A mans right to work as he will, to spend what he earns, to own property, to have the state as servant and not as master. They are the essence of a free economy. And on that freedom all our other freedoms depend. (Margaret Thatcher, Conservative Party Conference 1975)

Eine ganz normale Wahlkampfrede? Was heutzutage wie eine relativ harmlose, liberale Erklärung anmutet, war in den Siebzigern des letzten Jahrhunderts tatsächlich ein neuer Wind. Plötzlich war vom Individuum die Rede, von persönlicher Selbstverwirklichung, von persönlicher Freiheit und dem Staat als Diener.

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Kantonale Kartonabfuhr

Die Schweiz mag für vieles bekannt sein: Schokolade, Ta­schen­messer, Käse, Groß­ban­ken, Uhren, Steuer­hinter­ziehung, Patrio­tis­mus. Eines aber wird man in der Schweiz kaum finden: Kritische Aus­einander­setzung mit der ei­ge­nen Ge­schichte und Gegen­wart, oder ein be­stän­diges Hinter­fragen der eigenen Iden­ti­tät und ein ge­sundes Maß an Selbst­ver­achtung.

Wer den Hurra-Patriotismus, mit dem Schweizer aller Stände und Regionen den 1. August feiern, einmal miterlebt hat, der wird sicher zustimmen, wenn an dieser Stelle konstatiert wird, dass die Eidgenossen durchaus eine Lektion in Selbsthass und Nestbeschmutzung vertragen könnten, vielleicht die einzige Tugend, in der Österreich als weltweit führend gelten darf.

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Das Märchen von der Volksherrschaft

Bei einigen Millionen Wahlberechtigten ist die Wahrscheinlichkeit höher, auf dem Weg zur Wahlurne tödlich zu verunglücken, als mit der eigenen Stimme die Wahl zu entscheiden. Noch Fragen?

Demokratie ist ja im Grunde genommen schon was Feines. Jedermann und (in der modernen Version) jedefrau darf mitentscheiden, wer die Verantwortung für den kollektiven Schlamassel übernimmt (sofern ihn die Entscheidungsträger_innen nicht ohnehin selbst verursachen). Als häufiges Nebenprodukt ergibt sich, dass jedermensch vor diversen Bösewicht_innen gefeit ist – und selbst für Letztere gibt es den Schutzmantel der Unschuldsvermutung (zumindest so lange, wie man Ermittlungen hinauszögern kann). Außerdem erfreut den Autor dieser Zeilen, dass Mundwerk und Schreibgerät selbst dann freies Geleit erhalten, wenn sie einen noch so großen Unfug in die Welt setzen.

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Fett, reich und träge in die Sklaverei

Hier ein BUWOG-Skandal, da ein HYPO-Fiasko, daneben eine träge, überforderte Justiz, die sich nicht aus der Umarmung der Politik lösen kann, eine Regierung, die, um die nächsten Wahlen nicht zu verlieren, per Verfassungsbruch das Budget verschiebt, ein Kanzler, der seine eigene, wenigstens annähernd reformwillige Bildungsministerin hintergeht und ihre Pläne während ihres Urlaubs torpediert, eine Asylpolitik, die dieser Bezeichnung spottet, eine Volkspartei, die dagegen ist, ihre Finanzierung dem Volk gegenüber offen zu legen, …

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Wessen Straße? Unsre Straße?

Ein Streitgespräch über den Sinn des politisch aktiv Seins

Nachdem sie bisher heimlich Manfreds Existenzfragen („Viel Lärm ums Nichts“; siehe Bagger-Ausgabe No. 3)und die hitzige Religionsdebatte zwischen Thusnelda und Joachim („Feuer auf die Altäre“ in No. 5) für uns belauscht hat, ist die neugierige Bagger-Wanze weitergekrabbelt und
gerade in einer Cliché-WG in der Zieglergasse im siebten Wiener Gemeindebezirk gelandet, wo sich Roman, Philosophiestudent, Philodendra, eine Kultur- und Sozialanthropologin im 5. Semester, die gerade von einer längeren Indien- und Nepalreise zurückgekehrt ist und Kaspar, Schlagzeuger der Polit-Punk-Band „New World Order“ und Beleger einiger Kurse aus Publizistik und Politikwissenschaften, gerade anschicken, ihr spät-vomittägliches Frühstück einzunehmen. Roswitha, die 4vierte Mitbewohnerin, ist noch nicht aufgetaucht und erholt sich vermutlich noch von etwas länger geratenen vorabendlichen Aktivitäten.

Kaspar: (kommt gerade in die gemütlich eingerichtete Wohnküche geschlurft): Sonst noch jemand Kaffee?

Philodendra: Ja, wenn du schon dabei bist.

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Leere Versprechungen

Immer wieder verspricht uns irgendwer was und hält sich nicht daran.
Das ist traurig, denn so verschwindet Glaubwürdigkeit aus unserer Kommunikation und wir sind dauerhaft enttäuscht – nicht nur (aber besonders) von der Politik …

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