#18 - Ton, Juni 11

Ausgabe 17Der Bagger macht wieder von sich reden. Nachdem er dem verehrten Publikum wie gewohnt drei Monate Zeit gelassen hat, die letzte Sammlung an etwas zufällig zusammengeschusterten Texten zu verdauen, hat er sich nun auf eine seiner Grundtugenden besonnen. Was macht ein Bagger außer Graben? Lärm! Und deshalb ist diese Ausgabe dem Ton gewidmet.
Bagger Nr. 18 als PDF.

Helden des Anstands

Also zugehen tut‘s in der Welt … das kann einem ja wirklich nimmer wurscht sein. Zuerst schaffen es nicht mal mehr die Obergscheiten in der Wissenschaft, dass sie ihre Sachen selber abschreiben, und dann versinken selbst die anständigsten Politiker im Korruptionssumpf. Und dort unten bei den Arabern schrecken die Diktatoren nicht davor zurück, ihre Untergebenen kaltblütig abzumurksen.

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Werte und ihre Umwertung

Katz und MausZum guten Ton im zwischenmenschlichen Umgang. Und über die beiden Tonarten.

Als im September 2001 in New York das World Trade Center zusammenstürzte, war relativ bald klar, wer den Anschlag verübt haben muss: Islamisten, in Bewegung gesetzt durch Bin Ladens Netzwerk Al Kaida. Insbesondere George W. Bush, Sohn von George H.W. Bush und zu dieser Zeit Präsident der USA, wollte aber gerne noch jemand anderen in der Verantwortung sehen. Schon am 14. September erwähnte er gegenüber Tony Blair, Premier Großbritanniens, eine mögliche Verbindung zwischen Al Kaida und Saddam Hussein, dem langjährigen Diktator des Irak, gegen den bereits sein Vater Krieg geführt hatte.

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Der Ton der Gesellschaft

Ton der Gesellschaft

NON DE SCHOLA, SED DE VITA DISCIMVS – Nicht über die Schule, sondern über das Leben lernen wir.

Ein überaus gewöhnlicher Mittwochvormittag in der 4A-Klasse. Zehn Minuten nach dem Läuten kommt Lehrer Ellmaier in die Klasse, in welcher die Heranwachsenden das Schießen von U-Hakerln und Papierfliegern prompt einstellen und unverzüglich Ruhe­positionen ein­nehmen, welche ein un­ge­schultes Auge keinerlei krumme Machen­schaften vermuten lassen. Keines­wegs aber Ellmaier, der sogleich zu einer seiner berüchtigten Moralpredigten ansetzt – die sich unsere hörlustige Wanze natürlich nicht entgehen lassen möchte.

Lehrer (wutentbrannt): Sagt mal glaubt ihr, ich merk‘ das nicht? Scheinheilige Gfraster!

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Neues Hüsteln im Rauchereck

Dank Schuldenkrise, die den finanziellen Klobus in den kapitalistischen Untergang fährt; dank Fukushimas nuklearem Aus-/Unfall; dank Bin Ladens Loch im Kopf, dank … was weiß ich, ist die österreichische Öffentlichkeit von einem wichtigen Thema abgelenkt: NichtraucherInnenschutz.

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Selbstdarstellung in den schönen Künsten

Ausgehend von der Lektüre des Zweigschen Buches „Dichter ihres Lebens“ soll die Frage nach der (positiven) Bedeutung von Selbstdarstellung durch Schreiben und Malen gestellt werden …

Stefan Zweigs hervorstechendste Eigenschaft ist sein einfühlsamer Zugang zu den von ihm portraitierten Künstlern. Er versteht es wie nur wenige andere Biografen, ein Bild vom Ausgewählten zu zeichnen und uns Lesende in die Zwangsläufigkeit seiner jeweiligen schöpferischen Eigenart einzuführen. Im Band „Drei Dichter ihres Lebens“ stellt er uns Casanova, Stendhal und Tolstoi vor.

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Hin und Weg: Donaustadt

Land der vielen Titel, über die man nicht nur miese Witze machen sollte. Trotzdem an dieser Stelle ein paar der schlechtesten.

Mit einem hatten die nicht immer sehr diplomatischen Vertreter_innen der US-amerikanischen Botschaft in ihren infamosen Cables über Österreich Recht: Sie diagnostizierten „lack of a long-term goal and popular isolationism“ und diese seien „deeply rooted“, nicht nur in der Geschichte, sondern vor allem in der Mentalität der hiesigen Bevölkerung. Dies trifft im Großen (nach österreichischen Maßstäben) wie auch im Kleinen ins Auge. Donaustadt nun ist das Österreich von Wien. Man hockt gern im eigenen Kaffee und guckt nur heimlich den Nachbarn beim Untergehen zu.

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Kantonale Kartonabfuhr

Die Schweiz mag für vieles bekannt sein: Schokolade, Ta­schen­messer, Käse, Groß­ban­ken, Uhren, Steuer­hinter­ziehung, Patrio­tis­mus. Eines aber wird man in der Schweiz kaum finden: Kritische Aus­einander­setzung mit der ei­ge­nen Ge­schichte und Gegen­wart, oder ein be­stän­diges Hinter­fragen der eigenen Iden­ti­tät und ein ge­sundes Maß an Selbst­ver­achtung.

Wer den Hurra-Patriotismus, mit dem Schweizer aller Stände und Regionen den 1. August feiern, einmal miterlebt hat, der wird sicher zustimmen, wenn an dieser Stelle konstatiert wird, dass die Eidgenossen durchaus eine Lektion in Selbsthass und Nestbeschmutzung vertragen könnten, vielleicht die einzige Tugend, in der Österreich als weltweit führend gelten darf.

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Geschichte einer Selbstfindung durch Liebe und Liebesleid

Die Farben der GrausamkeitEin den Atem stocken machendes Buch ist dem Südtiroler Schriftsteller Joseph Zoderer gelungen – er nennt es „Die Farben der Grausamkeit“, 2011 erschienen im Haymon Verlag.

Richard ist das was man gemeinhin einen glücklichen Menschen nennt. Der erfolgreiche Journalist ist mit einer schönen ihn verstehenden Frau verheiratet, ist Vater zweier Söhne und erfüllt sich den Lebenstraum eines Rückzuges aufs Land. Gemeinsam mit Frau und Kindern baut er ein altes Bauernhaus um, restauriert es liebevoll, schafft sich ein Refugium im Grünen, im Stillen. Zwar muss er täglich zum Arbeiten in den Lärm der Hauptstadt zurück, aber dort wartet auch seine Geliebte, die ihm das Gegenteil seiner ihn ruhig machenden Landexistenz gibt: Leidenschaft, das Gefühl grenzenloser Freiheit und der uneinholbaren Süße des Lebens.

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Neue Keramik

Gerade bei den wohlhabenden, bereits pensionierten Eltern von schnöseligen Freunden zu Gast überkommt einen des öfteren ein dringendes Bedürfnis und infolge die Notwendigkeit, einen gewissen Ort aufzussuchen. Und auch in solchen Haushalten könnte – gleich neben dem Klobesen, der stilsicher in einer weißen Porzellankatze Zuflucht gefunden hat – ein goldener Messingzeitungständer mit gut sortierter Lektüre für längere Sitzungen unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

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To all the dirty mothers and sexy bitches

Wenn die ersten Blümlein sprießen und der April sich ausgewettert hat, weiß man, dass er irgendwann dann kommen muss. Der Muttertag, Tag der Salzteigherzen und der schlechten Reime. Für kinderlose Frauen wie mich hat dieses Ereignis definitionsgemäß nicht viel zu bieten, außer der armseligen Rose, die allen gebärfähigen Konsumentinnen bereits am Vortag an der Supermarktkasse verliehen wird. Vorschusslorbeeren sozusagen, ein kleiner Wink vielleicht, die Geburtenrate unseres Landes doch noch etwas in die Höhe zu treiben.

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