#6 - Spiel, Mai 08

SpielSpiel ist das Thema dieser Ausgabe. Aus verschiedensten Gründen.

Erstens aus naheliegenden wie den bevorstehenden Großereignissen wie Fußball-EM und Olympische Spiele, andererseits aus subtileren, die wohl jeder und jede selbst erlesen muss.

Geld

baggerdelleWenn man sich das mal genau überlegt, muss ich wirklich sagen: Geld regiert die Welt. Ich mein, mag schon sein, dass es auch gute Menschen gibt, aber in Wirklichkeit dreht sich doch alles nur ums Geld. Ist doch so. Wenn man zum Beispiel Kriege anschaut, dann sieht man eigentlich bald, dass …

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Über Gott und die Welt

„Was weißt du, was Wünsche sind! Was weißt du, was gut ist!“
Graógramán, der bunte Tod, in der Unendlichen Geschichte (Michael Ende)

Pik AssLaut Grassmanns Wörterbuch zum Rigveda ist die Bedeutung der Wurzel √div „spielen“, deva bezeichnet im Altindischen den Spieler, insbesondere den Würfelspieler. Wie weiter bekannt, ist deva aber auch der Standardterminus für „Gott“ in den altindischen Sprachen und wie allgemein angenommen wird, ein östlicher Verwandter des griechischen θεός und des lateinischen deus, des althochdeutschen ziu und des hethitischen sius in der großen indoeuropäischen Sprachfamilie. Der Gott, ein Spieler also. Diese Idee taucht auch später wieder ganz massiv in allen möglichen indischen Traditionen auf, wo vom Spiel (līlā) Gottes die Rede ist: Die gesamte Schöpfung, unsere Welt, unser Leben ist ein bloßes Spiel Gottes – Ausdruck seiner vollkommenen Freiheit.

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Da spiel ich nicht mit!

Ein nicht ganz neues, aber zunehmend um sich greifendes Phänomen der politischen Systeme demokratisierter Länder ist jenes der NichtwählerInnen. Was sind die Gründe dafür?

Der organisierte Wahlboykott

Vor nicht allzu langer Zeit galt noch die Maxime „Jener/Jenem, die/der nicht wählt, ist vom Angebotenen alles recht, jenem/jener der/die ungültig wählt, nichts“. Inzwischen schicken sich die NichtwählerInnen (oder zumindest ein Teil davon) an, für ihre Entscheidung ebenfalls jene Motive der UngültigwählerInnen anzuführen. Gibt nun die Verdrossenheit über den politischen, besonders den parlamentarischen Alltag den Hauptausschlag für den Verzicht auf das demokratische Recht der Stimm­abgabe?

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Österreich wird Europameister (oder: Alles Europa Ist Oesterreich Untertan)

Fakt ist: Der Ball ist rund, in jedem Team spielen erwachsene Mannsbilder, und die Regeln gelten für alle in gleicher Weise. Rein theoretisch hätten also alle 16 Mannschaften eine Chance, die Fußball-EM zu gewinnen – also auch das heiß umfehdete und wild umstrittene Österreich, das sich zum ersten Mal bravourös für eine EM-Endrunde „qualifizieren“ konnte. Wir Eurofighter könnten also triumphieren und eine noch nie da gewesene nationale Euphorie erleben. Aber wollen wir das überhaupt?

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Wenn viele Dinge gut werden

Ausblicke, Einblicke, Durchblicke, Fehlblicke, Rückblicke, schöne Blicke, teure Blicke, viele Blicke, weise Blicke, kleine Blicke, sportliche Blicke, tiefe Blicke, weite Blicke, Punkt

Die Tür öffnet sich ein wenig widerwillig, sie hat bereits damit begonnen, zu vergessen; dunkel weiß sie nur noch, dass Türen sich öffnen sollten, oder schließen, oder beides, wenn eigentlich nichts dagegen spricht. Gerade spricht nichts dagegen, und sie wird von einer kräftigen, entschlossenen Hand daran erinnert, dass sie hier noch ein klein wenig zu tun hat.
Der Blick wandert durch den Raum, der sich hinter der Tür verbirgt, dieser Raum ist nicht wirklich hell, er ist auch nicht wirklich dunkel, die Luft ist ein wenig muffig, oder sogar sehr muffig, das liegt an jeder riechwilligen Nase. Es stehen ein paar Tische herum, Sessel, aus Holz gefertigt, mit Leder in geschmackvollem Beige bespannt, mit Federn von totem Federvieh wird die Illusion erzeugt, bequem zu sitzen.

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Hochbau: Mythos Cordoba

21.06.1978, WM-Endrunde in Argentinien. Österreich trifft auf den Erzrivalen und amtierenden Weltmeister Deutschland. Unser Team war nach einer knapp überstandenen Qualifikation (Spitz von Izmir) mit großen Erwartungen in dieses so wichtige Turnier gestartet, schied zwar aus, kam allerdings als Heldentruppe nach Hause.

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Tiefbau: Mythos Cordoba

Mit voller Vergangenheit in die Zukunft!

Vor fast 30 Jahren besiegten die Herren Krankl, Sara, Vogts, Schachner & Co im fernen Cordoba nach 47 langen Jahren endlich wieder die Fußballnationalmannschaft unsrer teutonischen Lieblingsnachbarn. Was damals (aus österreichischer Sicht turniertechnisch betrachtet) so wunderbar wie belanglos war, ist heute ein Bremsklotz für die weitere Entwicklung des österreischen Fußballes.

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Ludi incipiant?

Von der biologisch-olympischen Schweinezucht, dem grünen Specht und dem erlassenen Spuckverbot bis zu „Vogelnest“ und „Wasserwürfel“.

Peking gleicht einem Ameisenbau: Sehenswürdigkeiten wurden renoviert, alte Hutongs mussten Wolkenkratzern weichen, Peking wird auf Hochglanz poliert. Ob der 08.08.08 um 08:08 Uhr abends, der Achter als Glückszahl der Chinesen, die erhoffte positive Bilanz für Wirtschaft und Image bringt?

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Ein weder link- noch rechtes Un-Eck

Eigentlich ist das linke (oder rechte) Eck eine ganz normale Kolumne mit einseitiger Meinung. Aufgrund der Strittigkeit des Themas aber haben wir es diesmal um die darauf bezogene, redaktionsinterne Auseinandersetzung zwischen Autor va und Kritikerin as erweitert. (Erste Einrückung: Einwände von as; zweite Einrückung: Antworten von va.)

Wohl wenige Themen werden so polarisiert diskutiert wie die Tibetfrage. Da gibt es einerseits die China-EuphorikerInnen, die, begeistert von der aufsteigenden Weltmacht, die Befreiung der Bevölkerung Tibets von ihren blutrünstigen Herrschern, Leibeigenschaft religiöser Versklavung preisen und auf die Modernisierung, die sonst nie möglich gewesen wäre, hinweisen. Auf der anderen Seite stehen die Tibet-Romantiker­Innen, die nie müde werden ihr großes Idol Tenzin Gyatso, den 14. Dalai Lama, zu unterstützen und aufzuzeigen, welche Verbrechen die chinesischen Unterdrücker am tibetischen Volk und seiner Kultur begehen. In Wirklichkeit stimmt beides und beide Gruppen haben Unrecht.

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Eto wasche djelo

Das Machtspiel mit einem ganzen Land: Fallbeispiel Tschechoslowakei 1968-1989.

Eto wasche djelo, das ist eure Sache. Das sagte der sowjetische Diktator Breschnew im Frühjahr 1968, nachdem ihm die tschechoslowakischen Genossen mitgeteilt hatten, dass sie das politische System ein wenig menschlicher gestalten wollten („Prager Frühling“). Offiziell nannten sie das geplante System „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“. Es wäre jedoch nur eine „sanftere“ Diktatur gewesen: Die reale Apartheid-Gesellschaft (Mitglieder der KP-Oberschicht hatten „andere“ Rechte als das Fußvolk und waren in der Verfassung als die „führende Kraft der Gesellschaft“ verankert (a)) wäre erhalten. Monate später, am 21. August, waren trotzdem Panzer des Warschauer Paktes im Lande. Die Invasion lief nicht nach Plan ab: Die vorbereitete Regierung der Arbeiter und Bauern (so nannten die Kommunisten schon immer ihre Diktaturen der Ideologen, die weder Arbeiter noch Bauern waren) wurde nicht eingesetzt, die selbsternannten Reformer wurden aber nach und nach entmachtet.

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