Kapitalismus

Eigentum ist Diebstahl?

Pierre-Joseph Proudhon

Über die Grundlagen aller halbwegs modernen Staatsformen und über den Haken, den sie haben.

Das Zitat aus der Überschrift – wenn auch als These und nicht als Frage verfasst – ist mehr oder weniger allgemein bekannt. Weniger hingegen sein Urheber: Dabei war der Ökonom und Soziologe Pierre-Joseph Proudhon (1809-1865), der als einer der ersten Vertreter des Anarchismus gilt, zu seiner Zeit ein viel gelesener Autor, stand mit Kollegen wie Karl Marx und Michail Bakunin in direktem Kontakt und engagierte sich als Mitglied der französischen Nationalversammlung politisch.

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Unsichtbare Regierungen

PR und Propaganda. Über Edward Bernays und die Prozesse unter dem Teppich der Demokratie

The conscious and intelligent manipulation of the organized habits and opinions of the masses is an important element in democratic society. Those who manipulate this unseen mechanism of society constitute an invisible government which is the true ruling power of our country. So beginnt Edward Bernays’ Buch Propaganda von 1928.

Nein, wir haben es hier nicht mit einem frühen Verbreiter von zweifelhaften Verschwörungstheorien zu tun. Ganz im Gegenteil gilt Bernays als einer der Pioniere, was Public Relations (im Deutschen oft mit Öffentlichkeitsarbeit wiedergegeben) im Allgemeinen betrifft. Dem heutzutage wenig bekannten Neffen Sigmund Freuds verdankt die Werbeindustrie die Idee, das Unterbewusstsein der Kunden anzusprechen, um ihre Waren anzubringen – eine Methode, die heute so alltäglich wirkt, dass ihre frühere Nichtexistenz kaum vorstellbar scheint. Und dennoch musste sie zunächst einmal erfunden werden.

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Egotrip in die Käuflichkeit

Individualismus und seine Verführbarkeit. Über den unbemerkten Wandel der Demokratie und wie aus BürgerInnen KundInnen wurden.

(Als Grundlage zu diesem Text empfiehlt sich die vor­her­gehende Lektüre des Artikels Un­sicht­bare Re­gierun­gen)

Some socialists seem to believe that people should be numbers in a state computer. We believe, that they should be individuals. We are all unequal, no one, thank heavens, is quite like anyone else […]. And we believe everyone has the right to be unequal. But to us every human being is equally important. A mans right to work as he will, to spend what he earns, to own property, to have the state as servant and not as master. They are the essence of a free economy. And on that freedom all our other freedoms depend. (Margaret Thatcher, Conservative Party Conference 1975)

Eine ganz normale Wahlkampfrede? Was heutzutage wie eine relativ harmlose, liberale Erklärung anmutet, war in den Siebzigern des letzten Jahrhunderts tatsächlich ein neuer Wind. Plötzlich war vom Individuum die Rede, von persönlicher Selbstverwirklichung, von persönlicher Freiheit und dem Staat als Diener.

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Money Magic

Okkulte Ökonomien in Zeiten eines millenialen Kapitalismus

Schon vor der Jahrtausendwende machten die beiden Anthropolog_innen Jean und John Comaroff in ihrer Heimat Südafrika eine Entdeckung. In der Presse überschlugen sich zu dieser Zeit die Berichterstattungen von Zombies, die plündernd durch das Land zogen. Es hieß, die Untoten wurden durch die Kraft der Hexerei ins Leben zurückgeholt, um nun sklavische Dienste für ihre Meister zu verrichten und ihnen übermäßigen Reichtum zu bescheren. Den geschulten Augen der Comaroffs entging nicht, dass die Zombies in einem Land, in dem Totenkulte dem kulturellen Gedächtnis angehören, als Indikatoren für ein völlig anderes, viel weitreichenderes Phänomen dienten.

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Freiheit

BaggerFreiheit gehört zu den wichtigsten Dingen im Leben der Menschen. Warum? Versuch einer Erklärung, mit einem weiterführenden Glossar versehen.

Die Würde des Menschen ist unantastbar, aber es ist schwierig, das Gefühl der Freiheit zu vermitteln. Für Menschen in einem freien Land ist sie nicht wie ein guter Kuchen, den mau richtig auskosten kann. Es ist etwas Selbstverständliches wie die Luft. Viele Journalisten schreiben die Worte Freie Welt in Anführungszeichen.

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Ganhar-Perder

Von der brasilianischen Agrarreform

Ich wollte schon immer die Welt retten. Wie macht man das? Ich bin noch immer weit davon entfernt, irgendwas oder irgendwen auch nur ansatzweise zu retten. Deshalb versuche ich etwas von dem, was ich zwischen September 2007 und Februar 2008 in Mato Grosso, wo ich zur Feldforschung für meine Diplomarbeit war, gesehen und gehört und gespürt habe, aufzuschreiben.
Vielleicht hilft das ein bisschen.

Der Bundesstaat Mato Grosso, im Westen Brasiliens gelegen, ist etwas größer als Deutschland, hat aber nur an die 2, 5 Millionen Einwohner, von denen sich rund eine Million in der Hauptstadt Cuiabá konzentriert. Mato Grosso bildet zusammen mit acht weiteren Bundesstaaten „Amazônia Legal“: dieser Teil Brasiliens ist der größte soziogeographische Bereich Lateinamerikas, charakterisiert durch eine ungemein artenreiche Vegetation und große Flächen Regenwald.

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