Die Wanze

wanzeÜber das Wahre, Schöne und Gute ist schon vieles, ja allzu vieles gedacht und gesagt worden - und hier kommt als Draufgabe noch die eine oder andere philosophische Dampfplauderei dazu, so wie sie unsere hauseigene Wanze aufgeschnappt hat, auf ihren Reisen durch Zeit und Raum.

Kritik des Hotzenplotzischen Weltbildes

Zwackelmann

„Ein Mensch, der stiehlt, würde für jede poetische Darstellung von ernsthaftem Inhalt ein höchst verwerfliches Objekt sein.“ (Friedrich Schiller, Jena)

Am St.-Johannis-Tag 1787 spielte auf dem Jahrmarkt zu Königsberg, Preußen, eine fahrende Marionettenbühne zum soundsovielten Mal die „Sämtlichen Abenteuer des Räubers Hotzenplotz“. Textgetreu war der große und böse Zauberer Petrosilius Zwackelmann schon im ersten Teil schmählich im eigenen Schloßkeller ersoffen und hing nun zum Trocknen hinter der Puppenspielerbude – was ihm Gelegenheit bot, mit einem illustren Königsberger Spaziergänger ins Gespräch zu kommen. Indessen landete auf einer nahen Birke ein uralter Rabe mit moosgrünem Gefieder; in seinen Bürzelfedern verborgen saß, das erstaunt längst keinen mehr, die Wanze.

Immanuel: – so verkörpern doch Sie, Herr Kollege, gewissermaßen das Irrationale.

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23 – Nichts ist so, wie es ist

23

In 23 Minuten wissen Sie mehr.

Jemand – niemand hat gesagt, daß es eine Wanze war – hat (scheint es) in einem unterirdischen Kapitelsaal, den es eigentlich gar nicht geben dürfte, eine streng geheime Versammlung des geheimsten aller Geheimbünde belauscht. Den Mitschnitt (wir wissen tatsächlich nicht, woher wir ihn haben) geben wir hier kommentarlos wieder. Nochmals: Dies ist zwar ein Wanzenprotokoll, aber die Wanze legt größten Wert darauf, daß ihr Name im Zusammenhang damit nicht genannt wird. Also: Die Wanze heißt gar nicht Wanze, sondern anders. Nicht daß wir noch Ärger kriegen.

(Vielstimmiges Gemurmel hallt vom Gewölbe wider. Gongschlag. Schweigen.)
Meister: Werte Schwestern und Brüder! Auf den Tag genau 23 Jahre nach unserer letzten Sitzung am 23. September 1988 begrüße ich euch von neuem und freue mich, daß ihr auch diesmal wieder vollzählig erschienen seid –
Jüngling: Kann nicht sein. Vor 23 Jahren war ich noch im Kindergarten.

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Die Islamisierung des Herrn Novak

Freitag, 22. Juli 2011, 16 Uhr nachmittag. Die Wanze befindet sich – wie sie dorthin kam, sei dahingestellt – im Wohnzimmer des Herrn Fridolin J. Novak im 16. Wiener Gemeindebezirk, verborgen hinter der Kanne frisch aufgegossenen Tees, aus der sich Novak soeben die erste Tasse eingeschenkt hat.

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Der Ton der Gesellschaft

Ton der Gesellschaft

NON DE SCHOLA, SED DE VITA DISCIMVS – Nicht über die Schule, sondern über das Leben lernen wir.

Ein überaus gewöhnlicher Mittwochvormittag in der 4A-Klasse. Zehn Minuten nach dem Läuten kommt Lehrer Ellmaier in die Klasse, in welcher die Heranwachsenden das Schießen von U-Hakerln und Papierfliegern prompt einstellen und unverzüglich Ruhe­positionen ein­nehmen, welche ein un­ge­schultes Auge keinerlei krumme Machen­schaften vermuten lassen. Keines­wegs aber Ellmaier, der sogleich zu einer seiner berüchtigten Moralpredigten ansetzt – die sich unsere hörlustige Wanze natürlich nicht entgehen lassen möchte.

Lehrer (wutentbrannt): Sagt mal glaubt ihr, ich merk‘ das nicht? Scheinheilige Gfraster!

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Der Fall des Sperlings

SperlingWerden wir geschöpft? Wenn nicht, wer kommt nach uns? Das älteste bisher bekannte Gespräch zum Thema Intelligent Design, exklusiv von der Wanze.

Anläßlich eines (leider nicht datierbaren) Ausflugs nach Helsingør verkroch sich unsere Wanze hinter dem Wandbehang eines Prunkzimmers in Schloß Kronborg. Zufällig unterhielt sich dort eben der dänische Kronprinz mit dem Hofkaplan Christoffer Skjøneborn, kurz Born genannt (bei Shakespeare tritt er namenlos auf, s. Hamlet V 1, 212-236).
Für seine Hilfe beim Entziffern des dänischen Originaltranskripts danken wir Isildur Smørrbrødsen aus Kopenhagen, argwöhnen allerdings, daß ihm dabei sein elfischer Humor näher am Herzen lag als strikte Texttreue.

Hamlet: Wie wollt Ihr erkennen, Herr Kaplan, was nach einem klugen Plan erdacht ist und was nicht? Bei meinem Schwert hat der Schmied gewiß nicht an ein Kruzifix gedacht, und doch, wenn man es umdreht –

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Unter der Alm

ZwergenfürstenAufzeichnungen darüber, wie Österreich von unten regiert wird.

Eigentlich hatte die Wanze ja beschlossen, Belauschung und Spionage für eine Weile an den Nagel zu hängen und sich einen aus­führlichen Winterschlaf zu gönnen. Zu diesem Zweck zog sie sich also auf eine abgeschiedene Alm zurück und begann, sich ein behagliches Löchlein zu graben. Wie sie nun aber mit der Tiefe schon fast zufrieden war, da brach ihr plötzlich der Boden unter den Füßen weg. Und eh sie sich versah, fand sie sich in einer reich geschmückten unterirdischen Halle wieder: Sie war ganz unabsichtlich (und auch ganz unbemerkt) in den Palast des Zwergenkönigs Dörfli eingebrochen, der gerade dem Fürsten Vovis, dem Herrscher über das benachbarte Reich, eine Audienz gewährte.

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Aller Laster Anfang?

IgelEin müßiges Streitgespräch.

Märchenhafte ProtagonistInnen würden be­kannt­lich noch heute leben – wenn sie nicht schon gestorben wären. Glücklicherweise leben sie aber (zumindest genetisch betrachtet) doch noch ein kleines bisschen, nämlich in Gestalt ihrer Nach­kommen, so, wie sie beispielsweise ein Hase und ein Igel (vierter Generation) darstellen. Eines Tages (no na!) trafen sich die beiden, um über diverse Familien­ge­pflogen­heiten zu debattieren. Und ungeachtet jeglicher Daten­schutz­richt­linien konnte es unsere Wanze wieder einmal nicht lassen, einen ihrer berüchtigten Lauschangriffe zu starten …

Igel: Guten Abend, Hase! Na, Lust auf ein kleines Wettrennen?

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Der Basilisk im Eulenspiegel

basiliskDie Wanze hat sich im kühlen Gebälk eines alten Brunnens in der Wiener Innenstadt verkrochen. Ganz unerwartet tritt ein Herr in lustigem Aufzug heran und setzt sich müde an den Brunnenrand.

Eulenspiegel: Ein hübscher Brunnen und kein Mensch da, hier will ich rasten und mich ein wenig erholen. Es zehrt an den Kräften, der Gesellschaft permanent einen Spiegel vorzuhalten.
Stimme aus dem Brunnen: Verflucht, ein Spiegel!
E: Wer ist da? Kam das gerade aus dem Brunnen?
Stimme: Sagten Sie Spiegel?
E: Ja, sagte ich, aber das war metaphorisch gemeint. Wer sind Sie und was machen Sie in dem Brunnen?

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Gans im Glück

SchweinGeschichte von einem, der Schwein gehabt hat.

Eines Tags in grauer Vorzeit, so um 1750, lag unsere Wanze an einer altdeutschen Landstraße und war – o Zufall – eingeschaltet. Was sie dort aufzeichnete, erweist sich heute als wahrer Schatzfund für die vergleichende Mythenforschung, und auch sonst für allerhand.
(Zu Beginn des Bandes hört man den freudig beschwingten Laufschritt des jungen Mannes, den wir mangels genauerer Daten per Arbeitshypothese, auch des Reimes wegen, schlicht „Hans“ nennen.)

Hans: Hei, das war ein guter Tausch!

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Auf der Suche nach dem Sinn

Wir schreiben das Jahr 3210. Auf der Erde, die nach ihrer zweiten Zerstörung bereits zum dritten Mal völlig neu erschaffen werden musste, tummelt sich wie eh und je die Krone der Schöpfung namens homo sapiens sapiens sapiensis, welche drauf und dran ist, einem vierten Schöpfungsprozedere den Boden zu bereiten: Grausame Atomkriege wüten auf weiten Teilen des Planeten, inmitten katastrophaler Auswirkungen des nunmehr zehnten fundamentalen Klimawandels. Während der Planet aus seinem letzten Loch pfeift, fristet ein Roboter namens Marvin bereits seit einigen Jahren sein seliges Dasein auf einer einsamen Insel (auf der sich allerdings auch unsere schier unverwüstliche Wanze nach der Aufzeichnung zahlloser unsinniger Gespräche unbemerkt zur Ruhe gesetzt hat). Eines Tages bekommt Marvin, als er sichtlich deprimiert gesenkten Hauptes auf einem kargen Felsen unweit der Küste hockt, unangemeldeten Besuch: Ein schwarzes Auto taucht mit einem atemberaubenden Turboboost-Manöver und einer handfesten Bruchlandung aus dem Nichts auf.

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