Die Wanze

wanzeÜber das Wahre, Schöne und Gute ist schon vieles, ja allzu vieles gedacht und gesagt worden - und hier kommt als Draufgabe noch die eine oder andere philosophische Dampfplauderei dazu, so wie sie unsere hauseigene Wanze aufgeschnappt hat, auf ihren Reisen durch Zeit und Raum.

Des Schweines Ende ist der Wurst Anfang

Richtig, die obige Erkenntnis stammt von dem herrlich verrückten Dichter Wilhelm Busch. Der vermutlich kaum besonnenere Schriftsteller Jean Paul aber versetzte: „Wurst ist eine Götterspeise. Denn nur Gott weiß, was drin ist.“ Unsere Wanze, wahrscheinlich aufgrund des delikaten Gegenstands der Debatte von einem plötzlichen Hungergefühl übermannt, begab sich aber, anstatt sich der daraufhin folgenden hochphilosophischen Auseinandersetzung zu widmen, auf Nahrungssuche und wurde schließlich an einem Imbissstand in der Wiener Innenstadt fündig, wo sie Zeugin folgender Unterhaltung wurde.

WürschtlFrühmorgens, an einem Wiener Würschtlstand an der Ringstraße. Wenig los. Neben dem Wurschthüttenangestellten ist nur ein am Tresen dösender Sandler anwesend. Ein Burenhäudl und eine Eitrige schmoren seit Stunden auf dem Grill, in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer depressiv aussehenden Bratwurst.

Burenhäudl Jessas, wos san denn Sie fia ana?
Eitrige (missmutig ihre verkohlte, aufgesprungene Haut betrachtend) Na, sehn S‘ des net, Sie Lustiger – i bin a Käsekrainer!

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Paradiesische Klänge

Unsere Wanze hat sich nun, zur Erholung von all den Lügengeschichten, denen sie in der letzten Ausgabe lauschen musste, an einen Ort der Ruhe und Besinnung zurückgezogen. In das etwas düstere Arbeitszimmer des großen Komponisten Adrian, der gerade Besuch von seinem Jugendfreund und standhaften Begleiter und Verehrer Serenus bekommt. Dieser wird von der rührigen Haushälterin Ludmilla hereingeführt.

Adrian: Nun, Serenus, dass du dich einmal herablässt, einem verschrobenen und zurückgezogenen Musikus die Ehre zu erweisen, nett von dir, ganz nett.
Serenus: Du und deine Redensarten! Du weißt genau, wie gerne ich deine Gesellschaft in Anspruch nehme. Ganz im Gegenteil bist du es ja, der sich von Zeit zu Zeit unpässlich fühlt und außer Ludmilla niemanden empfängt, aber heute wirkst du ja recht frisch und munter.

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Der Wahrheit auf der Spur

Wenn drei so weitgereiste Herren wie hier beisammen sitzen, sollte doch wohl die eine oder andere Weisheit zu erfahren sein.

Nach ihren letzten Ausflügen hat sich unsere Wanze diesmal in eine sehr eigentümliche Spelunke verirrt. Dort sitzt sie nun – gut getarnt auf der vergilbten Tapete – und wartet geduldig auf ein belauschenswertes Gespräch, als plötzlich mit ordentlichem Getöse eine Kanonenkugel durchs offene Fenster hereindonnert, von der – bevor sie krachend in die gegenüberliegende Wand einschlägt und auf der anderen Seite die Küche in helle Aufregung versetzt – behende ein altmodisch gekleideter Herr abspringt, der sich – als wäre nichts gewesen – kurz umschaut und dann an den einzigen besetzten Tisch zu zwei gleichfalls eigentümlichen Gestalten setzt. Während sich draußen eine dort angebundene, gerade knapp mit heiler Haut davon gekommene alte Mähre langsam wieder beruhigt, entwickelt sich zwischen dem Neuankömmling und den beiden ebenfalls nicht mehr ganz jung wirkenden Gästen, die durch den theatralischen Auftritt nicht sonderlich beeindruckt erscheinen, ein Gespräch, dem unsere Wanze – nun doch etwas neugierig geworden – ein Weilchen lauscht.

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„Hast du fünf Minuten Zeit?“

Vom Nutzen und Nachteil des Fundraisings auf der Straße

Nachdem sich die hauseigene Wanze im letzten Bagger eine Auszeit gönnte, ist sie diesmal wieder in alter Frische in der Welt unterwegs. Dort beobachtet sie eines Tages, wie eine junge Philosophiestudentin namens Sofie gemächlich über die Wiener Mariahilferstraße schlendert. Der Rummel um Sofie herum prallt währenddessen an einer unsichtbaren Mauer ab, die eine geistige Welt begrenzt, in der sie sich gerade den Kopf über Albertos These zur ontologischen Qualität kategorialer Existenzaussagen zerbricht. Plötzlich wird sie von einem jungen Herrn aus dieser Welt befreit.

Junger Herr: Hast du fünf Minuten Zeit?
Sofie (erschrickt fürchterlich): Oh! Äh …

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Wessen Straße? Unsre Straße?

Ein Streitgespräch über den Sinn des politisch aktiv Seins

Nachdem sie bisher heimlich Manfreds Existenzfragen („Viel Lärm ums Nichts“; siehe Bagger-Ausgabe No. 3)und die hitzige Religionsdebatte zwischen Thusnelda und Joachim („Feuer auf die Altäre“ in No. 5) für uns belauscht hat, ist die neugierige Bagger-Wanze weitergekrabbelt und
gerade in einer Cliché-WG in der Zieglergasse im siebten Wiener Gemeindebezirk gelandet, wo sich Roman, Philosophiestudent, Philodendra, eine Kultur- und Sozialanthropologin im 5. Semester, die gerade von einer längeren Indien- und Nepalreise zurückgekehrt ist und Kaspar, Schlagzeuger der Polit-Punk-Band „New World Order“ und Beleger einiger Kurse aus Publizistik und Politikwissenschaften, gerade anschicken, ihr spät-vomittägliches Frühstück einzunehmen. Roswitha, die 4vierte Mitbewohnerin, ist noch nicht aufgetaucht und erholt sich vermutlich noch von etwas länger geratenen vorabendlichen Aktivitäten.

Kaspar: (kommt gerade in die gemütlich eingerichtete Wohnküche geschlurft): Sonst noch jemand Kaffee?

Philodendra: Ja, wenn du schon dabei bist.

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Feuer auf die Altäre

Heiße Debatte um ein Thema, das nie auskühlt.

Dieselbe Wanze, die der vorletzten Bagger-Ausgabe den Dialog „Viel Lärm ums Nichts“ beschert hat, war diesmal so indiskret, das Zweigespann Joachim und Thusnelda bei einer morgendlichen Unterhaltung zu belauschen (zum Glück erst beim Frühstück). Im Gegensatz zum vorigen ist dieser Dialog nicht fiktiv, sondern vollkommen real – sonst könnte er hier ja auch gar nicht stehen.

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Viel Lärm ums Nichts

leider leerEin fiktiver Dialog um Sein oder Nichtsein des Nichtseins.

Es ward am Sankt Nimmerleinstag im Jahre Schnee, als ein alter Mann namens Manfred, dessen Löffel mit Sicherheit bereits zu anderwärtiger Benutzung freigegeben wurde, einen seiner zahlreichen Geburtstage zelebrierte. Um diesem eine Aura der Besonderheit zu verleihen, wurden all seine treuesten Gefährten eingeladen, die schließlich auch erschienen sind und mit ihm ein wahrhaft rauschendes Fest feierten. Gegen Mitte der Nacht sonnten sich die meisten Gäste in ihrem verworrenen Bewusstsein und schufen somit eine Atmosphäre fernab jeglicher Befangenheit. Mitten im tosenden Getümmel setzte sich der alte Mann, um sich aus einem Krug reinen Wein einzuschenken.

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