#9 - Paradies, Mar 09

Paradies Was gibt es Besseres als eigene Paradeiser! Ein kleines Gemüsebeet anlegen oder einfach auf dem Fensterbrett im fein vorbereiteten Blumenkistl – wahrlich, der Geschmack schlägt jede profane Supermarkt-Tomate um Längen. Auch der Sortenauswahl sind so kaum Grenzen gesetzt: Da gibt es Skurrilitäten wie die weißbehaarte Deutsche, Vaters Himbeerrote, grüne Zebras oder auch leicht an Ananas erinnernde Irakis, Spezialitäten wie japanische Zwiebeln, gelbe Eier, Ochsenherzen und Dattelweine und Persönlichkeiten wie den Prinzen Borghese, die Opernsängerin Anna Hermann oder den Präsidenten Abraham Lincoln. Und besonders Kreative können sich eine Kamate züchten: Einfach Paradeiser- auf Erdapfel-Pflanze pfropfen und fertig ist das ober- wie unterirdisch fruchtbare Nachtschattengewächs. Kein Wunder also, dass die anfänglich – besonders in Österreich (wie könnte es anders sein) – kritisch beäugte, frisch eingewanderte Frucht, die den Ruf hatte giftig zu sein und Liebeswahn zu erzeugen, bald die Herzen der Europäer eroberte und hierzulande gar zum mit Abstand meistgegessenen Gemüse aufstieg. Und weil wir ihn ehren und lieben, den Paradeiser, widmet sich der Bagger diesmal eine ganze Ausgabe lang seinem Heimatland: Auf ins Paradies!

Fotoserie: Paradies

Die Fotoserie Paradies der neunten Ausgabe des Baggers von Alexander Gebetsroither (photocase|.daumenkino), Graz.

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Berechtigte Sorge

Also, ich weiß ja nicht. Nur weil da ein paar depperte Pfaffen Unsinn machen, gleich aus der Kirche austreten? Also, ich weiß ja nicht. Die Kirche hat doch schon auch seine guten Seiten, oder? Zum Beispiel unser Pfarrer bei uns daheim, der ist nicht so einer. Dem zahl ich gern die Kirchensteuer … oder auch der Caritas.

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In Paradisum Austriam

und sonstiges Belangloses

Um den 17. Finanzminister der stolzen Zweiten Republik zu zitieren: Es reicht. Es muss einmal ausgiebig über die Welt gesudert werden, am besten am Stammtisch in der Roxy-Bar. Und weil Sudern gemeinhin dem DieDerDas österreichischen StaatsbürgerInNen als wesentliche und nicht uncharmante Eigenart zugeschrieben wird, wollen wir uns dabei auch jenem Thema widmen, welches als Einziges beim Sudern tabu bleibt – Österreich.

Eines vorweg – wahrscheinlich schaue ich zu viel fern. Ich kann jedenfalls nicht garantieren, ob und von wem ich hier abschreibe. Das Folgende entspricht meinem bescheidenen Wissensstand, man könnte vielleicht auch sagen, es sei meine Meinung. All jenen, die mich aufgrund meiner Äußerungen für eineN linken nichtsnutzigen WeltverbessererErin halten, sowie denen, die sich beleidigt fühlen, sei gesagt: Geht’s scheißen.

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Stressinduzierte Zeitverschiebung

Jetzt aber wirklich, nur mehr wenige Stunden bis zum Ende der letzten, bereits zweimal verlängerten Nachfrist. Diesmal geht es sich aus, dass der Plan fertig ist, bevor im Copyshop die Lichter ausgehen, dass das Buch wieder in der Bibliothek steht, bevor der Nachtwärter seine einsamen Runden dreht, dass der Artikel bei der Lektorin eintrifft, bevor die Zeitung in Druck geht.

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Glückliche Inseln

Über die Suche nach vollkommener Freiheit auf den Weltmeeren

Vor der Ostküste Englands, nahe der Themse-Mündung, gibt es einen kleinen Staat namens Sealand. Dort regiert, seitdem sein alter, kranker Vater 1999 das Amt auf ihn übertragen hat, Prinzregent Michael. Aber zurück zum Anfang: Als in den späten Sechzigern in Großbritannien noch die BBC das Radiomonopol innehatte und dieses schamlos ausnutzte, um nur altmodische, verstaubte Musik zu spielen, machten sich an allen Ecken und Enden Piraten daran, dieses Übel zu ändern, und gründeten sogenannte Piratensender, die alles spielten, was das Herz begehrte. Nun fühlte sich aber die BBC dadurch in ihrer Erhabenheit und Größe verletzt und machte in Komplizenschaft mit der britischen Herrschaft und Gerichtsbarkeit den Piraten das Leben schwer.

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E-Mails aus dem Irak

Eine US-Soldatin, die im Irak als Querflötistin stationiert ist, hat sich etlichen trivialen Bagger-Fragen zu ihrem Alltag, ihren Beweggründen und ihren Eindrücken im Irak angenommen. Hier ihre ungekürzten und unkommentierten Antworten.

Where exactly are you stationed in Iraq?
In Bagdad.

What is your job?
I’m a musician (flute/piccolo player) with the 10th Mountain Division Band.

How long will you be there, since when have you been there?
I’ve been here since the beginning of ‘08 and will leave hopefully early 2009. I’m not sure when we are actually leaving.

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Adam Ries im Paradies

Eine Ballade von der Schöpfung der Zahlen

Es schufen einst die Götter Welten, gänzlich ohne Zahl
Sie schufen Sonnen, Monde, Sterne, Meere, Berg und Tal

Auch waren diese Erdenrunde voll von Paradiesen
Und Menschen wurden dort geformt, genannt: Die Adam Riesen

Es kreucht’ und fleuchte viel Getier in unzählbarem Heere
Die Himmel schwarz von Vogelschwarm, von Fischen voll die Meere

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Ab ins Schlaraffenland mit euch!

„Meerkatzen, das heißt, Affen aus Afrika; Gestalten einer verkehrten Welt, wo die Häuser sich auf der Spitze einer Nadel erheben und die Erde über dem Himmel steht.“ Umberto Eco

„In der Schlauraffenzeit da ging ich und sah: an einem kleinen Seidenfaden hing Rom und der Lateran, und ein fußloser Mann, der überlief ein schnelles Pferd, und ein bitterscharfes Schwert, das durchhieb eine Brücke. Da sah ich einen jungen Esel mit einer silbernen Nase, der jagte hinter zwei schnellen Hasen her – “
Was soll der Unsinn? Nun ja, so beginnt Nr. 158 aus der Kinder- und Hausmärchensammlung der Gebrüder Grimm: das Märchen vom Schlauraffenland.

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Ode an die Genügsamkeit

Die Welt ist gut und das Leben ist schön – trotz Rosmarin.

„Gott sah, dass es gut war.“ ­– das klingt selbst für den zufriedensten Lebefroh ein bisschen optimistisch. Kann man sich mit dieser Welt wirklich zufrieden geben? Ist denn die Welt, so wie sie Gott erschaffen hat, seiner überhaupt würdig? Dazu ein kleiner Vergleich mit dem runden Leder: Unzählige Möchtegern-Teamchef_innen können stets mit einer vermeintlich besseren Aufstellung aufwarten, als sie der wahrhaftige [Teamchef] zustande bringt. Es gibt jedoch nur einen Teamchef, und dieser grübelt endlos lange darüber, wie er aus einem Pool aus verschmähten Taugenichtsen das Beste herausholen kann (und wenn schon nicht das Beste, dann wenigstens das Richtige). Er handelt kraft seines Amtes immerzu nach bestem Wissen und Gewissen – und der Welten Lohn? Undank.

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Roast your sins away!

Himmel, Hölle, Fegefeuer – und wo dabei das Huhn ins Spiel kommt

„Bekanntlich ist das Paradies ein Ort der Harmonie und des Wohlbefindens. Sämtliche in einer Gesellschaft auftauchende Konflikte treten hier nicht auf, weil es keine sozialen und persönlichen Gegensätze gibt (…)“ – so ist es zumindest im Wikipedia-Artikel „Garten Eden“ unter „Soziale Deutung“ nachzulesen. Man darf sich also Hoffnungen darauf machen, Gleiche/r unter Gleichen sein, wenn man denn zu Lebzeiten stets anständig und gehorsam war. Im Gegensatz dazu steht die Vorstellung der Hölle: Jene, die sich alles andere als redlich verhalten, schmoren im quälenden Höllenfeuer, ohne jemals darin zu verbrennen. Dazwischen gibt’s natürlich noch das Fegefeuer, denn der unmittelbare Zugang zum Paradies ist niemandem möglich, da in diesem Gedankenmodell jede/r zumindest durch die Erbsünde vorbelastet ist und somit mehr oder weniger Zeit im Fegefeuer zubringen muss.

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