#10 - Essen, Jun 09

EssenDies ist die 10. Ausgabe des Baggers und sie wartet nur darauf, verschlungen zu werden. Um die enthaltenen Leckerbissen besonders schmackhaft zu machen, haben wir uns etwas Spezielles überlegt und unsere erste durchgehend farbige Papierbaumaschine produziert. Entsprechend bunt gestaltet sich dann auch der Inhalt: Angefangen von der kulinarischen Kulturdebatte und der Behandlung der Konsumproblematik, über Essen, das anders ist, aussieht oder schmeckt als es sollte, über Essen in dünner Luft bis hin zur Lösung der Hungerproblematik haben wir einen ausgewogenen Lektüremenüplan zusammengestellt und mit geschmackssicher ausgewählten Kulturhäppchen verfeinert.

Wer zuletzt lacht

BaggerdelleAlso, das mit den Kindern in Afrika, das ist schon ziemlich übel. Dass die nichts zu essen bekommen, das kann ich gar nicht verstehen. Ich mein, bei uns reden ja alle von Wirtschaftskrise und so, da geht’s halt um ein paar Jobs, aber dort unten gibt’s ja nicht mal was zu essen. Ist ja logisch, dass die dann alle zu Piraten werden, da brauchen sich die blöden Amerikaner gar nicht aufregen, find ich. Naja, andererseits sind die irgendwie auch selber Schuld. Sollen sich halt ein bissl zammreißen und nicht so viele Kinder auf die Welt bringen, die dann im Endeffekt draufzahlen müssen.

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Des Schweines Ende ist der Wurst Anfang

Richtig, die obige Erkenntnis stammt von dem herrlich verrückten Dichter Wilhelm Busch. Der vermutlich kaum besonnenere Schriftsteller Jean Paul aber versetzte: „Wurst ist eine Götterspeise. Denn nur Gott weiß, was drin ist.“ Unsere Wanze, wahrscheinlich aufgrund des delikaten Gegenstands der Debatte von einem plötzlichen Hungergefühl übermannt, begab sich aber, anstatt sich der daraufhin folgenden hochphilosophischen Auseinandersetzung zu widmen, auf Nahrungssuche und wurde schließlich an einem Imbissstand in der Wiener Innenstadt fündig, wo sie Zeugin folgender Unterhaltung wurde.

WürschtlFrühmorgens, an einem Wiener Würschtlstand an der Ringstraße. Wenig los. Neben dem Wurschthüttenangestellten ist nur ein am Tresen dösender Sandler anwesend. Ein Burenhäudl und eine Eitrige schmoren seit Stunden auf dem Grill, in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer depressiv aussehenden Bratwurst.

Burenhäudl Jessas, wos san denn Sie fia ana?
Eitrige (missmutig ihre verkohlte, aufgesprungene Haut betrachtend) Na, sehn S‘ des net, Sie Lustiger – i bin a Käsekrainer!

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Information ist keine Packerlsuppe

Was der Journalismus von Billa lernen kann.

Der Mensch ist mit Schrott leicht zu verführen. Wahr, unwahr – wen kümmert’s, solange es sich verkauft? Immer wieder kommt von hohen Tieren des Boulevardjournalismus’ der „Billa-Vergleich“. Vor einiger Zeit wieder von Atha Athanasiadis, Chefredakteur der Zeitschrift NEWS. Bei einer Podiumsdiskussion im NIG sagt er: „Der Erfolg spricht für uns! Es ist mir egal, ob Sie (Anm.: Ö1-Moderatorin Elisa Vass) NEWS lesen! Wir haben 700 000 Leser. Wir haben Erfolg. Beim Billa regt sich ja auch niemand darüber auf, dass er erfolgreich ist!“

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Fressen und gefressen werden

Über die Konsumgesellschaft und das Geschäft mit der Reklame

„Der Konsumideologie liegt der Wunsch zugrunde, die ganze Welt zu verschlingen, der Konsument ist der ewige Säugling, der nach der Flasche schreit,“ meint der deutsch-amerikanische Psychoanalytiker und Sozialpsychologe Erich Fromm in Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft von 1976. Da wir nun bekanntlich mehr denn je in einer Konsumgesellschaft leben: Sind wir denn alle nur noch geistige Nackerbatzeln, die am Tropf der Wirtschaft hängen, der wir hinten unsere Arbeitskraft reinschieben, nur um dann in unserer Freizeit die von ihr ausgespieenen Produkte konsumieren zu dürfen? Leiden wir darunter? Auch der Säugling wirkt doch ganz glücklich, nachdem er sich sattgetrunken hat. Und überhaupt: War das nicht schon immer so?

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Taste Your Waste

Dass wir in einer Wegwerfgesellschaft leben, spiegelt sich besonders in den Müllcontainern der Supermärkte wieder. Über den Versuch eines subversiven Umgangs mit dem Konsumüberschuss.

Wenn von Verschwendung und dem Wegwerfen von noch guten Lebensmitteln die Rede ist, bekommt man oft folgenden Satz zu hören: „In Wien wird jeden Tag so viel Brot weggeworfen, wie in Graz konsumiert wird“. Diese Aussage ist seit Erwin Wagenhofers globalisierungskritischer Ernährungsdokumentation „We feed the World“ in aller Munde. Diese bildhafte Formulierung über die Dimensionen der täglich weggeworfenen Lebensmittel soll den Auswuchs der Verschwendung in unserer Gesellschaft für jeden begreiflich machen. Die plakative Aussage kann zwar vermitteln, dass sehr viel Brot weggeworfen wird, wirklich begreifbar wird es aber nicht. In Österreich landet jedes fünfte Brot im Müll.

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Über Brot, das gerne eins wär

Was ist los mit unserem täglichen Brot? Wo bleibt der wütende Geschmacksmob, der diese Pappe endlich aus den Regalen schmeisst?

Eigentlich ist nicht viel nötig, um gutes Brot zu backen. Gemahlenes Getreide, Wasser, Salz und zwecks Gärung Hefe oder Sauerteig (sog. „Teig­lockerungsmittel“). Dazu Ruhe (für den Teig) und Geduld (für die HerstellerInnen). Gerade die letzten beiden „Zutaten“ sind jedoch der entscheidende Unterschied zwischen „echtem“ Brot und etwas, das höchstens als brotähnliches Erzeugnis beschrieben werden kann.

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Wer frißt was? Großer Speisezettel-Test

Kennen Sie den Ichthyo-Ornitho-Vegetarier, alias Pescetarier? Das ist der Typ, der sich als Vegetarier bezeichnet, aber Thunfischsandwich und Hühnchen ißt. Konsequente Baggerleser sind, wenn schon, dann gleich Veganer der fünften Stufe – sie essen nichts, was einen Schatten wirft. Oder führt wahre Konsequenz vielleicht doch ans andere Ende des Nahrungsspektrums?

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Der Gott in meiner Mortadella

„I’ve always hated things made in the shape of things – volumes of Dickens that turn out to be a biscuit tin, and dodges like that.“ (Lord Peter Wimsey)

kurze BeschreibungBisweilen legt uns die Natur Dinge auf den Teller, die zwar wie Essen aussehen, aber zugleich auch wie etwas anderes. Besonders verwirrend, wenn die Nahrung menschliche Züge annimmt. Wer hat noch nie eine Tomate mit Nase gegessen? Am Kiosk kann man Ansichtskarten von Karotten kaufen – Karotten, die männlichen und weiblichen Genitalbereichen ähnlich sehen. Es gibt Kartoffeln mit Brüsten; solche mit Augen sowieso. Und Mitte der 1980er berichtete die Kleine Zeitung von einer Aubergine, die das Gesicht des damals amtierenden Bundeskanzlers Fred Sinowatz trug – zumindest Nase und Backen. Geerntet in einem steirischen Garten. Wäre uns nicht allen manchmal lieber, es säße lauter Obst und Gemüse im Parlament? Allerdings wird das schwierig: was wächst schon im Garten, das der Unterrichtsministerin ähnelt?

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Essen über den Wolken

In Zeiten wie diesen … nein … nichts über die Wirtschaftkrise, nein … in Zeiten wie diesen, wo die Flugtickets günstig sind, zwar nicht so günstig wie in der Werbung versprochen … aber dennoch erschwinglich sind, reisen wir also recht oft mit dem Flugzeug …

Es heißt wir würden „fliegen“, dabei sitzen wir nur in einer komischen Maschine, die wie ein hässlicher erlahmter Vogel aussieht, der zwischen den Wolken nichts verloren hat. Und während wir „in der Maschine“ sitzen, gibt es da zwei bis drei Menschen, die ich schon immer sehr merkwürdig fand. Nein, nicht der Pilot, Gott sei Dank sieht man den ja nicht, er soll in Ruhe seine Arbeit machen, ja nicht abstürzen.

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Bitte, bitte nicht der Schaufler!

Bauch eingezogen, Luft angehalten – Ratsch.
Vorsichtig atme ich aus, erwarte das Schlimmste, doch, nichts. Der Reißverschluss hält das kleine Stück Stoff zusammen, das man, wie beim Erwerb glaubhaft versichert wurde, tatsächlich als (sehr) kleines Schwarzes bezeichnen darf.

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