#12 - Netz, Dez 09

Netz Wie gewohnt bearbeiten wir auch in dieser Ausgabe ein weites Netz an Themenfeldern, spüren russische Waffenhändler am Viktoriasee auf, berichten über den Handel mit Fußballwunderkindern und hohen Tieren, verwickeln uns in theologische Auslegungen, finden uns am Sternenhimmel wieder, bringen Ordnung ins Wirrwarr der Einheiten und fahren mit der U-Bahn ans Ende der Welt. NETZ ist das Leitthema dieser Ausgabe.

Don’t Look back in Schadenfreude!

Was haben der gemeine Kritiker sowie die gemeine Kritikerin gerne? Recht! So wollen wir nun einen kleinen Rückblick auf die Produktionen des letzten Jahres wagen, vor denen an dieser Stelle bereits gewarnt wurde, und befragen bekannte Edelfedern und Giftspitzen des deutschsprachigen Feuilletons zu ihrer Meinung, um noch einmal zu bekräftigen, was ihr nicht verpasst habt und wie (ungemein) Recht der Vorverriss doch hatte.

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Nächste Haltestelle "Hades"

U-Bahn Was wäre, wenn die Endstation der U3 Richtung Nordwesten nicht wie in gewohnter Weise „Otta­kring“ anzeigt, sondern direkt nach „Dawson City“ in Kanada führt? Was, wenn die U2 anstatt „Stadion“ die Insel „Syros“ in Griechenland als Endstation hat? Wien als Tor zu anderen Metropolen, als wahre Weltstadt? Die entsprechenden U-Bahnein- bzw. -ausgänge sind längst vorhanden. Einzig die Verbindung fehlt …

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Chaos mit Kalkül

Mit „tell no lies, claim no easy victories“ feiert die Jazzgalerie Nickelsdorf das 30-jährige Bestehen ihres Festivals für zeitgenössische Improvisationsmusik – der „Konfrontationen“.

Eins vorweg: Man muss Namen wie Clifford Thornton, Joëlle Lèandre oder Evan Parker nicht kennen, um dieses Buch mit Mehrwert zu lesen. Man braucht nicht viel von Free Jazz zu wissen, um zu verstehen, dass es hier um mehr geht als um die genannten MusikerInnen und um improvisierte Musik. Vielmehr handelt es sich bei der im Eigenverlag veröffentlichten Publikation selbst um eine Improvisation, die, wie der Free Jazz, vor allem eins verlangt: sich darauf einzulassen.

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Unterwegs mit Nils Koppruch

Nils Koppruch hat mit seiner Band Fink, die sich nach mehreren Umbesetzungen 2005 endgültig aufgelöst hat, ein paar der für mich prägendsten Alben der deutschsprachigen Musiklandschaft geschrieben. Mit ihrer Mischung aus Folk, Rock und Country haben sie dabei einen Liederberg erarbeitet, der sowohl textlich als auch musikalisch für mich alles überstrahlt, was die Hamburger Schule jemals hervorgebracht hat. Anfang Oktober hatten ich und Hans (das trojanische pferd) die Ehre mit ihm auf eine kleine Tour zu gehen. „Hier & Jetzt“ ist diesmal also ein kleiner Erlebnisaufsatz aus der Perspektive eines Menschen, der vom Fan zum Kollegen wurde.

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Mob – Mich kriegt ihr nicht (Problembär ’09)

Mich kriegt ihr nicht Das Wort „schön“ ist im Zusammenhang mit Musik ja etwas verrufen. Es ist zur Mode geworden, Lieder bei der Aufnahme mit unerwarteten Splittern zu versehen, die Lieder nach dramaturgischen Gesichtspunkten umzufärben. Nicht so bei Mob.

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Komplizen der Spielregen – Es wird nur noch geatmet (Sitzer Records ’09)

Es wird nur noch geatmet Nach zwei EPs ist „Es wird nur noch geatmet“ das erste reguläre Album der Band mit dem verheißungsvollen Namen. „Diskurspop“ halte ich persönlich ja für ein Schimpfwort, weil es sich in der Regel auf schulmeisterliche Wortklauberei bezieht. Nicht so hier. Hier wird nicht klug geschissen, sondern mitgeteilt.

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Candelilla – reasonreasonreasonreason (Red Can ’09)

reasonreasonreasonreason Nach der selbstverlegten EP „don’t rely on what others say“ (2007) präsentieren Candelilla nun ihr großartiges Debutalbum. In München gelten sie schon seit einiger Zeit als beste neue Band. Ich habe sie vor zwei Jahren zum ersten Mal live gesehen und war augenblicklich überzeugt: Das wird ganz groß!

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Das Netz

In seinem Film „Das Netz“ (2003) montiert Lutz Dammbeck Archivmaterial und aktuelle Interviews zu einer Demontage der Bequemlichkeit. Das neuronale Netzwerk muss aktiviert werden, will man den Zusammenhängen zwischen Unabomber, Kybernetik, Computer, Internet, Utopie, Psychologie, Gewalt, Kontrolle und „Außer Kontrolle geraten“, militärischer Forschung und Universität, Individuum und Gesellschaft, LSD, Hippies, Kunst … auf die Spur kommen. Die Struktur des Films ist assoziativ und die Themen sind komplex. Also: wo anfangen?

Gespräch: 5. November 2009, Berlin Hauptbahnhof

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Nachrichten über das Heute

Eine beißende Satire über die Quotenvernarrtheit eines Fernsehsenders, die Morallosigkeit von Medienbranche und Wirtschaft sowie die Machtlosigkeit der Politik: Network (USA, 1976).

I don’t have to tell you things are bad. Everybody knows things are bad. It‘s a depression. Everybody’s out of work or scared of losing their job. The dollar buys a nickel’s worth; banks are going bust; shopkeepers keep a gun under the counter; punks are running wild in the street, and there’s nobody anywhere who seems to know what to do, and there’s no end to it.

Wegen der Wirtschaftskrise? Weil Staatsmilliarden in marode Banken gesteckt werden, die dann trotzdem pleite gehen, statt sie nachhaltig denkend in Bildung und Forschung zu investieren?

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The Net

The Net (1995) thematisierte vor vierzehn Jahren bis heute diskutierte Fragen von Internetsicherheit, Softwaremonopolen, Datenschutz und digitaler Identität. Leider wurde generell zu wenig Liebe zum Detail und insbesondere im Bereich Körperhygiene kein bisschen Mut bewiesen.

US-amerikanisches Breitenkino zeichnet sich unter anderem durch impertinentes Typecasting aus. Meg Ryan hat die Liebeskomödien-Arschkarte gezogen, Sandra Bullock’s AgentInnen sahen in ihr offenbar eine geborene Thriller-Schönheit. So kam es, dass die sympathische Nebenrollenheldin aus dem Actionstreifen Speed, kaum aus dem Bus gestiegen, schon ins nächste Abenteuer stolperte. In The Net verkörpert Frau Bullock eine in Isolation lebende Hackerin, die Einladungen zum Abendessen kategorisch ausschlägt und lieber Pizza bestellt – über das Internet.

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