#14 - Spiegel, Juni 10

Ausgabe 10Falls Sie ein Vampir sein sollten, ignorieren Sie die aktuelle Spiegel-Ausgabe des Baggers am besten. Sie werden sich darin nicht wiederfinden noch Ihre Interessen darin gespiegelt sehen. Gerade mal ein paar Tipps, wie Sie sich beim Rasieren leichter tun, könnten für Sie als ebenso spiegelbildlosen wie blutsaugenden Zeitgenossen brauchbar sein. Wenn Sie gar zur seltenen Spezies der Basilisken zählen, sei Ihnen von der Lektüre gänzlich abgeraten. Der Bagger nämlich, immer am Puls der Zeit und getrieben vom Bemühen möglichst ernsthafter Abbildung der ihn umgebenden Wirklichkeit, könnte ein derart getreues Spiegelbild Ihrer Selbst sein, dass Sie daran zu Grunde gehen. Fühlen Sie sich jedoch eher den Menschenkindern zugehörig, lesen Sie die Ausgabe vielleicht sogar mit Vergnügen und Gewinn (im Notfall kann auch auf das relativ zuverlässige Hilfsmittel eines erhöhten Alkoholspiegels zurückgegriffen werden): Von der exklusiven Reportage vom Ersten Wiener Lach- und Spiegelkabinett im Prater bis zu den rätselhaften Symmetrien des Universums (und deren Brüche) sollte für jedeN etwas dabei sein. Auch dem mehr oder weniger bekannten Umstand, dass der Bagger seine vielleicht treueste LeserInnenschaft aus dem Kreise der ApokalyptikerInnen rekrutiert, wird einmal mehr Rechnung getragen: Im Unterschied zu jenen warnen wir allerdings nicht nur vor dem unmittelbar bevorstehenden Weltuntergang, sondern auch vor dem, der im Falle des diesmaligen Dochwiedereinmalnichteintretens danach kommen müsste – dann aber wirklich in Echt und ganz bestimmt. Ob durch Invasion von Außerirdischen oder per Ansteigen des Meeresspiegels sollte dann auch schon egal sein.
Bagger Nr. 14 als PDF.

So können wir eventuell die Welt retten

Kennen Sie die Sage vom Basilisken? In dieser Altwiener Geschichte geht es um ein Ungeheuer, das in der Schönlaterngasse 7 in einem Brunnen gehaust haben soll. Im 13. Jahrhundert. Und wenn jemand das Ungeheuer angeschaut hat, dann fiel er tot um, steht in der Sage – so hässlich war dieser Basilisk.

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Spiegelbruch und Börsenkrach

Vom Nutzen und Nachteil des Aberglaubens für das Leben

Als LehrerIn kann man sich derzeit glücklich schätzen. Die Stellung des Prügelknabens der Gesellschaft dürfte man momentan eher das Finanzwesen innehaben – und ein kleiner Winzling freut sich bekanntlich dann, wenn er noch kleinere erblickt (Ha ha!). Genug der Schadenfreude: Für die bemitleidenswerten Börsenheinis unter uns dürfte besonders der 13. August interessant werden. Es handelt sich dabei um einen der Freitage, die aufgrund kalendarischer Numerik zumindest einmal im Jahr zu einem Unglückstag mutieren. In Krisen wie diesen schreit das förmlich nach einem der berüchtigten „schwarzen Freitage“, wie etwa dem an der Berliner Börse am 13. Mai 1927 – der Rest ist bekanntlich Geschichte …

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Leben in Krisenzeiten

Wir leben in einer eigentümlich krisenreichen Zeit. Viele Krisen stürzen über uns herein, nach der Angst vor dem Terrorismus ist nun neuerdings Alarmbereitschaft (vgl. K. Rögglas Buch „Die Alarmbereiten“) angesagt – die Weltwirtschaft und so manche Volkswirtschaft sind in permanenter Gefahr.

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Der Basilisk im Eulenspiegel

basiliskDie Wanze hat sich im kühlen Gebälk eines alten Brunnens in der Wiener Innenstadt verkrochen. Ganz unerwartet tritt ein Herr in lustigem Aufzug heran und setzt sich müde an den Brunnenrand.

Eulenspiegel: Ein hübscher Brunnen und kein Mensch da, hier will ich rasten und mich ein wenig erholen. Es zehrt an den Kräften, der Gesellschaft permanent einen Spiegel vorzuhalten.
Stimme aus dem Brunnen: Verflucht, ein Spiegel!
E: Wer ist da? Kam das gerade aus dem Brunnen?
Stimme: Sagten Sie Spiegel?
E: Ja, sagte ich, aber das war metaphorisch gemeint. Wer sind Sie und was machen Sie in dem Brunnen?

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Von Belustigungsorten mit Irrwegen

Zwischen „Stormy Sunday“ und „Spectacolo“, gleich hinterm „Boomerang“, wird das eigene Spiegelbild dem Gelächter ausgesetzt. Es kann schon sehr lustig sein, im Wiener Prater.

Wenn Monika T. über ihr „1. Original Wiener Lachspiegelkabinett“ mitten im Wurstelprater spricht, kommt ihr dabei kein Lacher aus. Die rund 40-jährige Frau mit kurzem Haar sitzt in der kleinen Kassakabine, hinter ihr gibt ein Fenster den Blick ins Innere des Irrgartens frei. So kann sie den Besuchern beim Verirren zusehen.

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Apokalypse Morgen

Apokalypse
Was 2012 alles passieren kann. Eine kleine Katas­tro­phen­sze­narien-Synopse.

Wirtschaftskrise, Wetter­ka­prio­len, Flug­zeug­ab­stürze, Vulkan­aus­brüche, Öl­katastrophen, Erdbeben – ob durch Menschen­hand geschaffen oder zornig von Mutter Natur verursacht – alle Zeichen stehen auf Sturm. Unschwer lassen sich all diese Phänomene als Vorboten des möglicherweise 2012 bevor­stehen­den Welt­unter­gangs, wie ihn der Kalender der Maya andeutet, interpretieren. Was nun letztendlich die Welt, wie wir sie kennen, aus den Fugen bringen wird, darüber scheiden sich die Geister noch.

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Sieben Jahre Pech

Wie jedes Kind weiß, zieht das Zerbersten eines Spiegels mit sieben Jahren Pech eine besonders harte Strafe nach sich, deren Ausmaß Betroffene gerne in Frage stellen. Überraschenderweise gibt es jedoch auch durchaus positive Auswirkungen einer solchen Sühne. Man bedenke etwa, welch große Enttäuschung entsteht, wenn wir uns redlich um eine Sache bemühen, die schlussendlich misslingt.

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Weltuntergang übermorgen

Gletscher
Über das Leben nach dem Ende des Maya-Kalenders und warum uns auch dann nicht langweilig wird.

Wenn wir 2012 gut überstanden haben, thront wohl über allen drohenden Übeln nach wie vor der Klimawandel, dem wir uns nun widmen wollen. Für alle ZweiflerInnen sei hier noch einmal ganz wissenschaftsnah zusammengefasst, warum er zwar schon ernst zu nehmen, Hysterie aber auch etwas unangebracht ist.
Natürlich ändert sich das Klima der Erde immer wieder auch naturbedingt. Allerdings verzeichnen wir in den letzten fünfzig Jahren einen massiven Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre (insbesondere Kohlendioxid und Methan, wovon Zweiteres in geringerem Ausmaß vorkommt, aber einen stärkeren Einfluss auf die Erwärmung hat).

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Das seltsame Spiegelbild des Universums

Die Welt steckt voller augenscheinlicher und verborgener Symmetrien; spannend wird es aber oft dort, wo Symmetrien gebrochen werden. Eine kurze Geschichte der verletzten Invarianzen.

Das menschliche Auge und sein Bildentstehungszentrum Gehirn suchen in allem Wahrgenommenen nach Mustern und Formen, nach Strukturen und Symmetrien. Ebenmaße (gr. symmetria) fallen zwar unmittelbar auf, langweilen aber gleichermaßen schnell. In diesem Sinne könnte behauptet werden, dass allzu symmetrische Arrangements oder sich selbst reproduzierende Muster im Allgemeinen als synthetisch aufgefasst werden, wenngleich Regeln von Bildästhetik und Bildkomposition freilich den jeweils herrschenden Kunst­auffassungen unterliegen.

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Ein schwarzes Schaf für Santa Claus

Schwarzes Schaf
Asymmetrie und wie sie uns überlistet.

Können Sie in Spiegelschrift schreiben, wie Leonardo da Vinci? – Doch. Nehmen Sie einen Stift in Ihre bevorzugte Schreibhand, und halten Sie sich mit der anderen einen Notizblock vor die Stirn. Jetzt führen Sie den Stift zum Block und schreiben groß (von mir aus in Blockschrift) Ihren Vornamen drauf. Nehmen Sie den Block herunter, und lesen Sie nach. Wenn Sie so sind wie die meisten Menschen, haben Sie gerade Ihren Namen in Spiegelschrift geschrieben, ohne es zu merken. Sollten Sie geschummelt und dabei in den Spiegel geschaut haben, haben Sie die Schrift im Spiegel richtig herum gesehen. Leonardo schrieb natürlich nicht vor der Stirn, sondern ganz normal auf einem Pult – spiegelverkehrt, damit niemand seine Aufzeichnungen lesen konnte. Heute trifft man manchmal Volksschüler, die zum Spaß dasselbe machen – vor etlichen hundert Jahren, als die wenigsten Leute lesen konnten, war der Geheimhaltungseffekt größer.

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