Eis ist Land

Die natürliche Schizophrenie eines Künstlers

Das Heischen um Aufmerksamkeit und die gleichzeitige Verachtung der Heischerei, ein permanentes Ächzen und Stöhnen, ein sich selbst verlachendes Kinderspiel.

Wenn man Musik vor sich hin erbricht, kommt man sich mitunter recht dramatisch vor. Dabei ist es nichts Besonderes, weil sich jeder Mensch in der einen oder anderen Weise erbricht. Als ein Rausch, als ein selbstloses Opfer, als ein Tobsuchtsanfall, als ein Nervenzusammenbruch, als eine Melancholie, als eine Partitur.

Aber an dem Punkt, an dem nichts mehr überrascht und sich eine gefühlte Sinnlosigkeit in sinnhaft gemeinten Worten und Tönen breit macht, durchfährt ein undifferenzierter Schmerz und eine spontane Wut das Gemüt und nistet sich ein.
Weint still.
Und entzündet das Ego, das man eigentlich gar nicht hat, aber braucht, um den Ballon der Veräußerlichung aufzublasen, stetig, ohne Zweifel, damit er gesehen wird und gesagt werden kann: „Ja, ich sehe ihn, ein schöner Ballon, was für ein Ballon!“
Der Wunsch nach Veräußerlichung.
Ein angenommenes Talent oder eine Neurose.
Hin zum starren Blick des Künstlers, gerade mal genug Kraft, um sich selbst auf den Beinen zu halten. Und in seiner Welt zu versinken.
Voneinander wissen, aber nicht miteinander reden.
In der Szene, die es gar nicht gibt.
Sich ernst nehmen müssen, obwohl man doch eigentlich nur leben möchte.
Davon.

Im Feld der Überproduktion wächst an einem Ende der intellektuelle Kraftakt, aus dem man selbst nicht mehr herauskommt, letztlich an seiner eigenen Kunst vereinsamt. Nur wenige sie verstehen.
Am anderen Ende ist die Formatierung der Mu­sik im Boden der Tatsachen einzementiert, durch die nur selten spontane Ehrlich­keit durchdringt und man von der größt­mög­lichen Dummheit der Zuhörer ausgeht.
Beide haben ihre Regeln und Erwartungen, die es zu erfüllen gilt.
Soll man sich nun nackt ausziehen, Kompromisse schließen oder den Schleier der Unantastbarkeit tragen?
Über einem eingefrorenen Grinsen oder einer inszenierten Traurigkeit?
Einfach machen.
Und dann, im Meinungsgewirr der Mitmenschen, das Verspüren von Furcht, den Überblick zu verlieren.
Entweder im verschwendeten Streben oder in der durch die Vision wachsenden Egomanie.
In dieser Zeit taucht plötzlich der Wunsch nach der ewigen Immunität vor dem Realitätsverlust auf.
Und schon ist er da.
Mit der Angst, Erwartungen erfüllen zu müssen oder in seinem eigenen gedanklichen und ästhetischen Meer unterzugehen.
Sich festhaltend an der Suche nach Momenten, die die eigene zynische Antriebslosigkeit überlisten und zeigen, ob noch etwas vom inneren Kind übrig gebliebenen ist.
Ein Kind, das immer kleiner wird, je geradliniger man sich verhält.
Ja, ja.
Bla, bla.
Armer schwarzer Kater.

Wo ist die Euphorie?
Wo ist die Freude an der Überraschung?
Wo das direkte Geben und Nehmen?
Kein Kalkül und keine Inszenierung kann diese Fragen beantworten.
Aufbauen und zerstören.
Mit Hingabe.
Als Symbol dafür, dass man etwas ernst meint.
Wahrscheinlich.
Aber sich nicht an die Gewohnheit gewöhnen will.
Und bereit ist für die nächste Kraft raubende Frage im Wettlauf um geistige Rohstoffe:
Wem gehört der Nordpol?

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