Franz Peter Schubert

Ein boulevard-wissenschaftlicher Wegweiser zu einem kurzen Leben

Geboren 1797 in Liechtenthal. Heute Teil des 9. Gemeindebezirks von Wien.
Gestorben 1828 bei seinem Bruder Ferdinand in Wien.
Er war ein Stadtkind.
Dazwischen ging so einiges: Kindheit, Jugend, Reife.
Alter leider nicht wirklich.
Und doch 4 Jahre zu alt für den Klub 27, in dem ohnehin bisher nur die Musikhelden/-innen des 20. Jahrhunderts aufgenommen sind.
Na ja jedenfalls.
Es gibt viele Möglichkeiten der Rezeption seines Lebens und seiner Musik.
Und jede neue wissenschaftliche Erkenntnis über ihn passt sich dem aktuellen Zeitgeist an.
Wie sich das halt gehört für eine Wissenschaft.

Sessel Zunächst eine Annäherung von der medizinisch-philosophischen Seite:
War er Syphilitiker oder Typhilitiker?
Oder anders ausgedrückt: Ging es um den Dreck seiner Zeit oder um Promiskuität, die ihm das Leben verkürzte?
Welches Bakterium ist mitverantwortlich für seine späten Meisterwerke?
War es der Schleimhautkontakt zu der „Graben-Nymphe“ oder einem stadtbekannten Transves­titen?
War er also vielleicht schwul?
Vielleicht. Diese Frage wird seit einigen Jahren bei vielen verstorbenen berühmten Persönlichkeiten untersucht. So, als ob es wirklich eines Beweises bedarf, dass es Homosexualität schon immer gegeben hat.
Oder war er einfach sexuell polymorph? (Na sicher! … Poly was?).
Er bekam einen Teil seiner musikalischen Ausbildung bei den Wiener Sängerknaben (damals noch Teil des kaiserlichen Konvikts), dessen Übersetzung ins Englische mit „Vienna Boys‘ Choir“ eindeutig etwas Homoerotisches hat. Oder nicht.
Na ja, jedenfalls sein Vater war wohl relativ oarsch zu ihm. Und die Erfahrung, wegen der Körpergröße nicht zum Militärdienst zugelassen zu werden, muss ein herber Schlag für seine Männlichkeitsempfindung gewesen sein. Sag ich mal.
Immerhin hatte er ein paar Freunde, die ihn finanziell und moralisch unterstützten, seine enorme Schaffenskraft zu entfalten.
Ja, er war fleißig. Und gut. Verdammt gut.
Und je nach Sozialisation des jeweiligen Musik­liebhabers oder Wissenschaftlers ist Schubert dann der Liederfürst, das verkannte Bohème-Genie, der gebildete Rebell, der einsame Fremde, der biedermeierliche Schubertiaden Musiker oder das bemitleidenswerte „Schwammerl“.

War er Melancholiker oder Alkoholiker? Oder sogar ein melancholischer Alkoholiker?
Weltschmerz und Romantik als individueller Ausdruck der sozialen Enge der Stadt oder eines politischen Statements gegen die Politik Metternichs und der Unterdrückung des freien Willens?
Warum nicht.
Oder Zeichen eines inneren Konflikts?
Warum nicht.

Um aber nicht zu sehr ins Spekulative abzudriften, lieber doch noch knallharte musikanalytische Fakten zur Untermauerung meiner äh seiner Genialität:
Die zwischenzeitlichen Tonsummen 153 und 128 im Lied „der Leiermann“, hinter denen sich die Namen „Schubert“ und der seines Freundes „Schober“ verstecken, identifizieren eindeutig die zwei im Lied vorkommenden Personen. Das spätere Auftreten der Zahl 86 ist ein mystisch-zahlenkombinatorischer Hinweis auf ihre selbstgewählte Doppelidentität „Schobert“.
Also doch schwul? Dabei war sein anderer Freund Mayrhofer schwul, Schober aber vielleicht bisexuell. Na ja. Komplizierte Wissenschaft.
Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch die „Entdeckung“ des Schubertakkords. Das ist ein hartverminderter verkürzter Dominantseptnonakkord. Hört sich kompliziert an, ist es aber gar nicht. Weil das darüber Nachdenken und Systematisieren sicherlich mehr Kopfschmerzen erzeugt als das Spielen des Akkords. Ist also nur so kompliziert, wie man es macht.
Anders bei den plötzlichen Moll/Dur-Wechseln. Da habe ich schon in der Schule gelernt: Dur = Frohsinn, Moll = Trübsinn. Simpel und universell. Ergo könnte ein plötzlicher Wechsel Ausdruck einer manischen Depression sein.

Na ja, jedenfalls zum Schluss noch ein paar Zeilen von ihm selbst.
Darin eine Erkenntnis, die man bei jeder Analyse seiner Werke oder seines Lebens mitberücksichtigen sollte. Nämlich, was er selber davon halten könnte:

Keiner, der den Schmerz des Andern, und Keiner, der die Freude des Andern versteht! Man glaubt immer, zu einander zu gehen, und man geht immer nur neben einander. O Qual für den, der dieß erkennt!
Meine Erzeugnisse sind durch den Verstand für Musik und durch meinen Schmerz vorhanden; jene, welche der Schmerz allein erzeugt hat, scheinen am wenigsten die Welt zu erfreuen.

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