Musik

Franz Peter Schubert

Ein boulevard-wissenschaftlicher Wegweiser zu einem kurzen Leben

Geboren 1797 in Liechtenthal. Heute Teil des 9. Gemeindebezirks von Wien.
Gestorben 1828 bei seinem Bruder Ferdinand in Wien.
Er war ein Stadtkind.
Dazwischen ging so einiges: Kindheit, Jugend, Reife.
Alter leider nicht wirklich.

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Eis ist Land

Die natürliche Schizophrenie eines Künstlers

Das Heischen um Aufmerksamkeit und die gleichzeitige Verachtung der Heischerei, ein permanentes Ächzen und Stöhnen, ein sich selbst verlachendes Kinderspiel.

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Butze Wirsch: Gastroenteritia. Music for triangel quintet, piccolo and violas. 200?

Was hat sich der Komponist wohl dabei gedacht? müsste man sich beim Anhören dieses ersten Monumentalwerks unweigerlich beständig fragen. Schon vor knapp zehn Jahren hatte Wirsch mit Werken im Stile seiner „faekralen Musik“, welche sich auf urtümliche, von alters her gepflogene Klänge beruft, Aufsehen erregt und wenig später mit seinen „An/n/alen 2000“ für Furore in Konzerthäusern und Feuilletons gesorgt.

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Rezension: Ursprung Buam – Hitmix (Nonstop)

„Gemma gemma“ – oftmals zu hörende Aufforderung und symptomatisch für dieses großartige Album, das bekannte Hits der Ursprung Buam in völlig neuem Gewand in die Ohren und die Beine der überwältigten Hörer schießen lässt! Das neuartige Konzept der Adaptierung alter traditioneller Musik in zeitgemäßer Form, auch unter Verwendung moder­ner Stilmittel (drumcomputer) geht voll auf! „Aufgeigt weacht“ und wer da ruhig sitzen bleiben kann, der hat „ka Schneid“! Ab dem ersten Ton ist klar, hier kommt „a Riesenstimmung aus dem Zillertal“ daher und wird so bald nicht aufhören, wofür das scheinbar gewagte Nonstop-Konzept garantiert, das jedoch erstaunlich gut funktioniert und keinen Durchhänger zulässt. Charismatische Stimmen, schneidige Melodien und inspirierte Texte machen dieses Al­bum der Ursprung Buam zu einem einzig­artigen Erlebnis. Ein garantierter „Kracher“ für jede Party, der auch Leute, die sich „so was“ normal nicht anhören, be­geis­tern wird. „Auf geht’s Buam, gemma, gemma!“ Dem ist nichts hinzuzufügen ...

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Musik zu verschenken!

Während große Konzerne sich – besorgt um ihre armen Künstler – bemühen, das Copyright doch noch irgendwie vor den Angriffen böser illegaler, krimineller und unmoralischer Tauschbörsen zu retten, wächst – einstweilen noch still und heimlich – eine Alternative zu den traditionellen Vertriebswegen heran. Die Schlagworte: Netlabels und Creative Commons.

In der Öffentlichkeit drehte sich in den letzten Jahren alles um den Kampf zwischen Musikkonzernen wie Sony und EMI auf der einen Seite und Hompages wie die von Napster, Audiogalaxy oder Kazaa auf der anderen. Während nun die Musikindustrie und ihre Vertretungen damit beschäftigt waren, eine Tauschbörse nach der anderen in Grund und Boden zu klagen oder aufzukaufen, und mit dieser Methode eine Hydra gebahren, kroch direkt daneben noch ein weiteres Würmlein aus dem Nährboden des Internets, das sich gerade dazu anschickt, zu einem wahren Lindwurm zu werden. In den USA sind inzwischen Radiosendungen, die Netlabels-Musik spielen, keine Seltenheit mehr, Internet-Radios und sogenannte Podcasts machen das ohnehin schon des Längeren.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Musikverlegern vertreiben Netlabels, wie der Name schon an­deutet, ihre Musik vorrangig im Internet. Ein weiteres Kennzeichen ist, dass sie dies im Normalfall umsonst tun und höchstens um eine Spende bitten. Leisten können sie sich das, weil es Organisationen wie archive.org, scene.org oder sonicSQUIRREL.net gibt, die kostenlos Speicherplatz zur Verfügung stellen, weil sie von idealistischen Personen – oft selbst Musikern – geführt werden. Und weil sie mit der Creative Commons Idee eine rechtliche Grundlage gefunden haben, in deren Rahmen sie Musik ungestört von kommerziellen Interessen veröffentlichen können. Im Grunde kann jedeR ein Label gründen. Der Erfolg hängt von den per­sönlichen Marketing-Fähigkeiten, Ehrgeiz und der Qualität der veröffentlichten Musik ab.
Weil Netlabels aufgrund dieser Möglichkeiten finanziell verhältnismäßig unabhängig sind, ver­­öffentlichen sie auch in erster Linie, was ihnen gefällt, und versuchen nicht, einen Markt zu bedienen. Wohl auch deshalb und durch ihre enge Verbindung zur Netzkultur war im Allgemeinen elektronische Musik jene Richtung, die von Beginn an am stärksten vertreten war. Schön langsam halten aber auch alle anderen Stilrichtungen Ein­zug in diesen kommerzfreien Raum.
Ein Nachteil dieser fast unbegrenzten Mög­­­lich­keiten ist, dass es auch zu einem gewaltigen Wildwuchs kommt. Überall auf der ganzen Welt schießen Netlabels und KünstlerInnen die auf ihnen veröffentlichen, aus dem Boden, und die KonsumentInnen sind meist ziemlich überfordert damit, sich den Weg durch diesen Dschungel zu bahnen – was auch der Hauptgrund dafür sein dürfte, dass die Branche noch keine größere Bekanntheit und Verbreitung gefunden hat. Denn qualitativ kommerzieller Musik meist durchaus ebenbürtig, sind die Produkte an Frische, Originalität und Kostengünstigkeit eigentlich unschlagbar.
Inzwischen entwickeln sich immer mehr Pro­jekte, die versuchen, das Überangebot zu sichten, sortieren und durch überlegte Prä­­sentation einem breiteren Publikum zu­gänglich zu machen. Zum Beispiel gibt es da starfroch.ch, eine Schweizer Initiative, bei der Netlabels ihre Veröffentlichungen be­werben kön­nen. Allerdings wird die Seite von den Be­­­treiberInnen re­daktionell über­­wacht und Sachen, die ihnen nicht gefallen, werden nicht ver­öffentlicht bzw. in eine so­genannte „Shitparade” ge­­stellt. Dass Geschmack aber eben Geschmackssache ist, scheint den Betreibern bewusst zu sein. Deshalb haben sie noch eine weitere Idee geboren: Britney. Dort kann jedermensch netlabel-re­levante Neuigkeiten pos­ten. BenutzerInnen stim­­men dann über die Re­levanz der Nachricht ab; wenn eine Nachricht ge­nug Stimmen bekommen hat, wird sie auf der Britney.-Hauptseite veröffentlicht. Mehr nach dem eigenen Geschmack geht Netlabelism; auf No Error, Noiseloop oder auch Traxernews dürfen alle ihre neuen Veröffentlichungen posten, die dann nach Überprüfung online gestellt werden. Völlig unkontrolliert gehts auf netlabels.org zu, wo alle, die sich registrieren, ihre Netlabels und deren Veröffentlichungen unredaktioniert bewerben können.
Etwas anders geht blocSonic vor: Dort wird monatlich eine Kompilation zusammengestellt, die ausgewählte Musik präsentiert – samt auf­wändig produziertem Booklet und Informationen über Musik, MusikerInnen und Labels. Und zusätzlich gibt es inzwischen natürlich unzählige sogenannte Music-blogs von Personen, die aus Forscherdrang und Spaß an der Sache Netlabel-Kataloge durchforsten und dann auf ihrer Seite die Fundstücke präsentieren. Dazu gehören z.B. ccNeLaS, indieish.com, Free Albums Galore oder FreeIndie.com.
All diesen Seiten sollten den Einstieg in die Welt der legal kostenlos erwerbbaren Musik wesentlich erleichtern. Und wenn ihre Informationen erst in größerem Maß den Weg in andere Medienformate wie Zeitungen, Radio und Fernsehen gefunden haben werden, sollte eine sanfte Revolution der Musikindustrie kaum mehr aufzuhalten sein.

Bei der Recherche entdeckte Musik:

2007 Rhâââ Festival Compilation: Belgisches post-rock Festival

Lunar – Hybrid Awaken

Welcome to blocSonic: Erste und vielseitigste blocSonic-Kompilation

Porträt: Erste Veröffentlichung des belgischen Netlabels tripostal)

mazca – first hour of summer

Melissa Welch – Myopic

Dieser Artikel basiert auf einem Text, der im Jänner 2007 auf Zufall Aufnahmen erschienen ist.

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Das Brechen der Ethno-Welle

Warum wir schrille Töne aus dem Orient lieben, den Musikantenstadl aber am liebsten warm abtragen würden.

Schon seit Jahren und mit nicht schwinden wollendem Interesse verfolgt und gefeiert, vollführt die so genannte „Ethno-Musik“ ihren nicht enden wollenden Siegeszug durch europäische Clubs und Veranstaltungslokale, Plattenläden und Kulturberichte. Dabei handelt es sich meistens um „modernisierte“ Volksmusik, die von Musikern unterschiedlichen Alters in unterschiedlichen Formationen und aus vielfältigen Ursprungsländern stammend vorgetragen wird. Publikum und Kritik brechen in standardisierte Begeisterung aus ob der kulturellen Vielfalt, die sich in den unterschiedlichen Musikstilen ausdrückt. Besonders beliebt und gefeiert sind dabei Multi-Kulti-Ethno-Bands, die sich aus zwei oder mehr Nationalitäten zusammensetzen und welche die unglaubliche Vielfalt zur Schau stellen, die entsteht, wenn sich aufgeschlossene Musiker unterschiedlicher Nationen mit verschiedenen Traditionen zu einer Symbiose zusammenschließen, die uns die musikalische und kulturelle Vielfalt als positive Aspekte der, ansonsten aus der Gutmenschen-Ecke viel kriti­sierten, Globalisierung näher bringet und zu unserem Wohlergehen und Ohrenschmaus sich als dienlich erweist. Doch nicht nur der Ohrenschmaus-Faktor, den kreischende asiatische Holzblasinstrumente, Viertelton-„Melodien“, arabeskes Gelalle und Buschtrommeln zeitigen – für unsere anspruchsvollen Ohren mit ­Reggae-Gitarren und brasilianischer Perkussion aufbereitet – sondern auch der Aspekt der Völker­verständigung, die meist optische und kulinarische Aufbereitung derartiger Veranstaltungen lassen uns eintauchen in eine uns, trotz scheinbarer medialer Omnipräsenz, immer noch „unbekannte“ fremdländische Kultur, die uns immer wieder in entzücktes Staunen zu versetzen in der Lage ist! („Das muss romantisch sein: in diesen Gewändern, nachts am Lagerfeuer, in der Wüste ... “
Woher aber diese Begeisterung? Liegt es an der Qualität der Musik, welche die Gratwanderung zwischen Tradition und Moderne in solch meisterlicher Weise bewältigt? Wenn der Musikantenstadl hochwertige und anspruchsvolle Musik hervorbringt, dann ja. Das Stadl-Konzept, Volksmusik mittels neueren Verfahren der Aufnahmetechnik zu Volkstümlicher Musik zu machen, findet unter der urbanen, „hippen“ Jugend keine Anhänger. Was aber unterscheidet die Machart jener Musik von der modernen „Weltmusik“? Bei genauer Betrachtung: nichts. Da wie dort werden in relativ billigen Verfahren Musikstile vermischt, wobei die eine Seite aus unerschöpflichem traditionellem Liedgut ent­steht, während die andere Seite aus den soeben am (Pop-)Musikmarkt gefragten Techniken hervorgeht. Definiert man nun anspruchsvolle und eigenständige Musik anhand ihrer Originalität, so werden weder der Stadl noch die Weltmusik dieses Prädikat verdienen.
Was zeichnet diese Veranstaltungen aber sonst aus, wenn nicht die soeben als wenig anspruchsvoll enttarnte Musik den Ausschlag gibt? Dazu sei angemerkt, dass hier nicht die Illusion verfolgt werden soll, dass Anspruch und Popula­rität Hand in Hand gehen, das Publikum der „Weltmusik“ wird aber nicht müde, sich immer wieder auf’s Neue als anspruchs- und niveauvolle Musikkonsumenten zu bezeichnen, daher muss der Frage, wo nun diese Qualität liegt, sehr wohl nachgegangen werden. In der Originalität der Musik offensichtlich nicht. Aber wir haben ja auf die Völkerverständigung, auf fremde Kulturen und Traditionen vergessen, auf die bunten Gewänder und die „lecker“-Spezialitäten aus Kirgisistan! Denn in diesen traditionellen ­Liedern und den bunten Begleiterscheinungen liegt so viel Weisheit und Lebensfreude, eine Offenheit, die wir kalten technisierten Europäer längst vergessen haben, ein Frohlocken ob der Wunder der Natur und, wie schon erwähnt, der Reiz des Fremden, des Geheimnisvollen und Ent­fernten. Das kann uns der Stadl nicht bieten? Bis auf den Reiz des Fernen – obwohl Belgrad bekanntlich Wien geographisch näher liegt als Bregenz – vereint diese Fernsehsendung alle genannten Punkte! Die Lebensfreude von schunkelnden Heurigenbänkensitzern, das weltoffene Grinsen der Akteure, die traditionellen Inhalte und die bunten Dirndln und Lederhosen lassen uns allerdings kalt und umgehend einen Sender suchen, auf dem gerade dunkelhäutige Lendenschurzträger Buschtrommeln malträtieren und dazu jodelartige Laute ausstoßen.
Denn der Musikantenstadl ist abgeschmackt, eine Deppenparade, uninteressant und wenig lehr­reich, ganz anders sind da ferne Klänge, etwas Neues, Ursprüngliches und Unverdorbenes, kurz, die Tradition, die in diesem Liedgut – für unsere Ohren aufbereitet – uns von Kulturen kündet, von deren Geschichte und Riten wir nur profitieren können. Die Texte? Natürlich können wir die nicht verstehen, schon bei der Sprache unserer östlichen Nachbarländer hört bei ­neunzig Prozent der Zuhörer die Verständnisfähigkeit auf. Wovon handelt aber Volksmusik? Gibt es eine Tradition, die weder nationalistisch noch religiös oder zumindest lokal-patriotisch ist? Komisch, solche Dinge sind doch normal „Pfui“! Was passiert bei diesem „Huga-Schaga“-Fest, von dem der Sänger spricht, und ist dieses Lied vielleicht die Meditation, die vor Ver­stümmelungsritualen gesungen wird? Viele Kulturen, von denen wir soviel lernen wollen, sind in einem anderen Kontext nicht durch bunte Gewänder und Lebensfreude aufgefallen, sondern durch weniger erfreuliche Eigenheiten: die Unterdrückung der Frau, die Blutrache, den bedingungslosen Gehorsam gegenüber der Familie oder der Religion, Ehrenmorde, Zwangsehen, Verarmung durch die Verpflichtung zur Mitgift und bewaffnete Konflikte, in denen ein seltsamer Begriff der ethnischen Zugehörigkeit und Tradition plötzlich zur Grundlage für Massenmorde und Kriegsverbrechen wird.
Wird also etwas überwunden, indem man bedingungslos alles, was von weit her kommt und fremdartig klingt, mit Entzücken und Wohlwollen aufnimmt? Die Hellhörigkeit und Weitsichtigkeit wird – ironischerweise – überwunden, die eigenen hart erkämpften „Traditionen“ wie Menschenrechte und Gleichberechtigung werden hier, geblendet von bunten Trachten, gering geschätzt („Dieses Lied wurde immer gesungen, wenn gefangen genommene Fremde in die Koch­töpfe geworfen wurden ...“).
Die Anziehungskraft der Ethno-Musik muss also vom ethischen Standpunkt her als äußerst fragwürdig eingestuft werden, aber so wie in vielen Traditionen den Menschen ein Ventil geschaffen wurde, versteckte Perversitäten auszuleben, so erfüllt eine solche Art von Veranstaltungen vielleicht gerade diesen Zweck für jene Leute, die, um „hip“ zu sein, selbstverständlich offen, aufgeschlossen, individualistisch und unabhängig sind.
Wie es bei Trends eben üblich ist, wird vom einzelnen nichts hinterfragt und alles akzep­tiert, was eben „in“ ist. Die soziologischen und politischen Hintergründe bleiben wieder einmal auf der Strecke, abgesehen von jenem Teil, der wiederum „in“ ist (Bist du gegen Globalisierung? Ja, du auch? Ok. Dann gehen wir gemeinsam in das kenianische Restaurant, das ist voll lecker!).
Allen Mutigen sei einmal der vergleichsweise harmlose Spaß eines sonntägigen Frühschoppens oder die faszinierende Exotik eines Schuhplattlers wärmstens empfohlen.

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